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Feedback-Kultur: Von Befragungsmüdigkeit ist nichts zu spüren

Ein Interview mit Lars Thiwissen, Head of SAP SuccessFactors & Human Experience Management, und Dr. Roland Abel, Head of Growth & Strategy – Employee Experience DACH SAP Qualtrics, zu neuen Trends im Feedbackmanagement, auch und gerade in Zeiten von und nach Corona.

HRP: Warum hat SAP Qualtrics gekauft?

Lars Thiwissen: Mit Qualtrics kann SAP das Thema Experience Management (XM) nahtlos in seine gesamte Produktpalette einbetten; sowohl konzeptionell als auch bei der parallelen Analyse von Experience- (X-) und operativen Daten (O-Data). Damit stiften wir für unsere Kunden enormen Mehrwert. Gerade im Personalbereich gibt es erhebliche Synergien. Mit SAP SuccessFactors können wir automatisch Befragungen zu den prägenden Momenten im Arbeitsleben anstoßen, wie dem ersten Arbeitstag, der Beförderung zur Führungskraft oder der Rückkehr aus der Elternzeit. Die Rückmeldungen dazu erlauben es, diese Momente als durchweg positive Erlebnisse zu gestalten und so Mitarbeiterbindung und Engagement deutlich zu erhöhen. Befragungssoftware gibt es am Markt zuhauf, aber nur Qualtrics bietet diese Flexibilität.

HRP: In welchen Bereichen lässt sich diese Lösung einsetzen?

Roland Abel: Im Bereich HR unterstützen wir weiterhin Engagement-Befragungen als typischen Kern der Befragungsaktivitäten, wenngleich es hier einen Trend zur schlankeren und häufigeren Durchführung gibt. Flankierend dazu nutzen viele Kunden die Plattform für ganz andere Experience Momente. Aktuell am häufigsten schieben unsere Kunden insbesondere die Themen 360°-Feedback, IT- sowie Lifecycle-Experience an – hier derzeit ganz besonders Bewerberfeedback.

HRP: Was macht eine Feedback-Kultur aus?

Abel: Die Feedback-Kultur zeigt sich maßgeblich in der Praxis: Erstens die Gelegenheit für Feedback im eigentlichen Erfahrungsmoment statt „kaltes Feedback“ Tage oder Wochen später. Zweitens die Chance, direkt auf Feedback zu reagieren, etwa durch Benachrichtigungen. Drittens sicherlich die guten alten Feedbackregeln, beispielsweise aktives Einfordern, konstruktiver Umgang u.Ä., aber auch Rückmeldungen zu feedbackbasierten neuen Handlungsfeldern. Viele Mitarbeiter haben übrigens die Sorge, dass – wenn sie Feedback geben – dann oft auch diejenigen sind, die sich des Themas annehmen müssen. Hierfür braucht es ein gutes Erwartungsmanagement.

HRP: Gibt es Konflikte im generationenübergreifenden Kontext?

Abel: Nicht unbedingt Konflikte, aber wir sehen, dass der Wunsch, häufiger Feedback zu geben, bei Jüngeren deutlich stärker ausgeprägt ist. Der Wunsch nach flexibleren Möglichkeiten innerhalb von HR ist allerdings fast überall zu spüren, weil ja der einzige Grund für klassische Befragungen die technologische Unmöglichkeit war, effizienter öfters hinzuhören. Die eigentlichen „Umgangsprobleme“ mit Befragungen in den Unternehmen könnte man eher auf den verschiedenen Management-Ebenen ausmachen. Während die klassischen Befragungen die zentralen Anliegen des Gesamtunternehmens enthalten und natürlich viel direktes Feedback in Teams und Projektgruppen gegeben wird, monieren die Führungskräfte auf den mittleren Ebenen, dass sich ihre spezifischen Themen kaum in Feedbackprozessen abbilden lassen. Dies ändert sich natürlich mit einer Plattform, mit der sich diese Dezentralität „leben“ lässt. So werden nicht nur die entscheidenden Momente erfasst, sondern auch die relevanten Themen auf den geeigneten Unternehmensebenen.

HRP: Welche Konsequenzen hat die Feedback-Kultur für die Führungskräfte und die Geschäftsführung?

Abel: Zum einen können wir ein Vorurteil entkräften: Von Befragungsmüdigkeit ist nichts zu spüren, was vermutlich an kurzen Fragebögen, schnellen Reaktionen usw. liegt. Durch die Feedback-Kultur wird nun auch ein besserer Dialog zu wechselnden Themen ermöglicht. Statt jedes Jahr über die immer wieder größten Treiber der Engagement-Befragung zu sprechen (meistens Führung, Karriereperspektiven usw.), können die Führungsgremien jederzeit auf aktuelle Ergebnisse und Trends zu akuten Themen zurückgreifen, beispielsweise Recruiting-Erfolg und -probleme, ob Performance-Fokus gelebt wird oder eher „abtörnt“, welche Initiativen geschätzt und welche als Erschwernis wahrgenommen werden und deshalb (nicht) funktionieren, usw.

HRP: Welche Chancen bietet Qualtrics, um die aktuell schwierige Situation besser zu meistern?

Thiwissen: Qualtrics bietet verschiedene unentgeltliche, bereits vorkonfigurierte und anpassbare Lösungen, wie etwa Fragebögen und Berichte. Diese richten sich auf die Experience während der neuen Arbeitssituation (z.B. Arbeiten im Homeoffice) und auf den Neustart. So werden Bedarfe schnell sichtbar und es kann entsprechend nachgesteuert werden. Gerade jetzt kommt es auf schnelle Umsetzung und Flexibilität an.

HRP: Herr Thiwissen, Herr Abel, vielen Dank für das Gespräch.

 

Quelle: HR Performance 3/2020, Spezial Feedbackmanagement.

 

 

Teaserfoto: © AdobeStock/Nuthawut

 

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