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Zeit im Unternehmen neu verhandeln

Die öffentliche Debatte kreist derzeit häufig um die optimale Organisation von Arbeitszeit. Schlagworte wie „Lifestyle-Teilzeit" oder „Right-to-Disconnect" suggerieren, dass primär die Stundenanzahl und die Abgrenzung zwischen Beruf und Privatleben im Fokus stehen. Bei näherer Betrachtung zeigt sich jedoch: Es geht weniger um die reine Stundenverteilung als vielmehr um unsere Zeitwahrnehmung und unser Zeiterleben.

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Zeitliche Wahrnehmung: Menschen rennen an Uhr vorbei
Foto: ©AdobeStock/Georgi

In vielen Unternehmen ist chronischer Zeitdruck allgegenwärtig, während der Wunsch nach echter Autonomie und Zeitwohlstand wächst. Um diesen Widerspruch aufzulösen, muss Zeit als ganzheitliche Gestaltungsaufgabe verstanden werden, die über vier zentrale Stellschrauben gesteuert werden kann: die Reduktion der Zeitdichte, Autonomie durch Struktur, die Gestaltung von Grenzen und Regeneration sowie die gezielte Stärkung sozialer Bindungen im Unternehmen. Wie dieser (Zeiten)-Wandel in der Praxis gelingt, erläutern unsere AutorInnen, Dr. Lena Schmeiduch und Prof. Dr. Karsten Müller von der Universität Osnabrück, in ihrem neuesten Beitrag für die HR Performance.

Aktuell handeln viele der öffentlichen Diskussionen davon, wie wir unsere Arbeitszeit bestmöglich organisieren. Begriffe wie „Lifestyle-Teilzeit“ oder „Right‑to‑Disconnect“ erwecken den Eindruck, dass es vor allem um die Anzahl der Arbeitsstunden und die Vereinbarung von Arbeit und Freizeit geht. Doch bei genauerem Hinsehen geht es nicht nur um die Verteilung von Stunden, sondern um die Art und Weise, wie wir Zeit wahrnehmen und erleben.

Zeit ist eines der am häufigsten verwendeten Wörter im alltäglichen Sprachgebrauch (Crossan et al., 2005) und ein zentrales Instrument, um unsere Arbeit und damit auch den übrigen Tag außerhalb unserer Arbeit zu strukturieren und zu koordinieren (Feldman et al., 2020). Während Zeitstrukturen in der Arbeitswelt schon immer verhandelt wurden – von der Einführung des Wochenendes bis zum Elternzeitanspruch – hat die digitale Transformation die Spielregeln radikal verändert.

Die fortschreitende Digitalisierung und die durch die Pandemie beschleunigte Remote-Work-Kultur haben die physischen Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit nicht nur weiter verwischt, sondern zwingen uns, Zeit neu zu verhandeln (Kossek et al., 2021). Gleichzeitig bringen neue Generationen, wie zuletzt die Generation Z, veränderte Erwartungen an Flexibilität und Sinnhaftigkeit mit, die über eine reine Stundenreduktion hinausgehen (Waworuntu et al., 2022).

Damit stellt sich die Frage: Welche Zeitaspekte spielen in der modernen Arbeitswelt eine wichtige Rolle? Und wie können Unternehmen mit der Komplexität von Zeit und den individuellen Zeitbedürfnissen ihrer Mitarbeitenden umgehen?

Mehr als Stunden und Minuten

Alle Menschen verfügen über exakt dieselbe Menge an 24 Stunden pro Tag. Auch die Grundstruktur der Zeitverwendung hat sich kaum verändert. So verbrachten Erwachsene (ab 18 Jahren) im Jahr 2022 im Schnitt 20 Stunden pro Woche mit Erwerbstätigkeit und damit ziemlich genau so viele Stunden wie bereits zehn Jahre zuvor (Statistisches Bundesamt, 2025). Die Unterschiede liegen also nicht in der Quantität der Stunden, sondern in unseren Bedürfnissen und Vorstellungen, wie diese Stunden idealerweise genutzt werden sollen.

Zeit ist in unserem Alltag so allgegenwärtig, dass wir oft annehmen, wir wüssten ganz genau, was Zeit eigentlich ist. In der Arbeitswelt wird sie in erster Linie quantitativ in Stunden, Minuten und Zeitstempeln betrachtet. Dabei ist Zeit ein komplexes und multidimensionales Phänomen. Während die Uhr für alle gleich tickt, erleben wir die subjektive, psychologische Zeit völlig unterschiedlich.

Die Komplexität wird deutlich, wenn man verschiedene Kategorien der Zeitwahrnehmung betrachtet, die weit über die bloße Dauer hinausgehen. Dabei lässt sich die Art und Weise, wie wir Zeit im Arbeitskontext wahrnehmen und nutzen, in drei zentrale Kategorien unterteilen.

Die erste Kategorie betrachtet Zeit als Ressource. Im Kern geht es hier um die Zeiteffizienz mit dem Ziel, die verfügbare Zeit optimal auf verschiedene Projekte und unsere täglichen Aufgaben zu verteilen. Gelingt dies, fördert es die Produktivität und die rechtzeitige Fertigstellung von Arbeitsergebnissen.

Gleichzeitig kann ein Übermaß an dringlichen Aufgaben, knappen Deadlines sowie permanenter Zeitdruck zu einem Gefühl der Zeitknappheit führen (Rosa, 2025). In diesen Situationen entsteht dann oft der Eindruck, dass der Zeitwohlstand auf der Strecke bleibt, also das subjektive Gefühl, ausreichend Zeit zur Verfügung zu haben und diese für das nutzen zu können, was uns persönlich wichtig ist (Geiger et al., 2021).

Die zweite Kategorie betrachtet Zeit als Struktur. Hier steht die Frage im Zentrum, welchen Stellenwert feste Routinen, klare Abläufe und eine bewusste Zeitplanung im Unternehmen einnehmen. Während eine ausgeprägte Struktur reibungslose Prozesse und eine präzise Abstimmung mit Teammitgliedern und externen Akteursgruppen (z.B. Kund:innen, Lieferant:innen) sicherstellt, kann sie gleichzeitig die individuelle Zeitautonomie der Mitarbeitenden einschränken (Harrop et al., 2026).

Ergänzend wird Zeit als soziale Bindung erlebt. Gemeinsam verbrachte Zeit – sei es in synchronisierten Arbeitsfenstern oder in informellen Momenten wie gemeinsamen Kaffee- oder Mittagspausen und Teamevents – stärkt das Wir-Gefühl und die soziale Kohäsion (Kim et al., 2024). Diese soziale Synchronisation fördert das Vertrauen und die gegenseitige Verbundenheit im Team, kann jedoch ebenfalls als Einschränkung der persönlichen Zeitautonomie wahrgenommen werden.

Lesen Sie den kompletten Beitrag aus der HR Performance 3/2026.

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