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Der digitale Euro – die nächste Revolution der Entgeltabrechnung?

Der digitale Euro könnte bald näher rücken und mit ihm neue Anforderungen an die Lohn- und Gehaltsabrechnung. Für Finanz- und HR-Abteilungen geht es längst nicht mehr um das Ob, sondern um das Wie. Wer seine Payroll-Prozesse frühzeitig anpasst, kann die Chancen der neuen Währung optimal nutzen.

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Digitaler Euro
Foto: ©AdobeStock/Seentyr-Str

Am 23. Juni hat der Ausschuss für Wirtschaft und Währung des Europäischen Parlaments seine Position zum digitalen Euro verabschiedet. Parallel treibt die Europäische Zentralbank (EZB) die praktische Vorbereitung voran: In der zweiten Hälfte des Jahres 2027 soll ein zwölfmonatiges Pilotprojekt starten, an dem 36 Zahlungsdienstleister aus ganz Europa – darunter fünf aus Deutschland – beteiligt sind. Gemeinsam mit ausgewählten Händlern und Mitarbeitenden des Eurosystems wird der digitale Euro dabei erstmals unter realitätsnahen Bedingungen getestet, um seine technische Zuverlässigkeit, Praxistauglichkeit und Nutzerfreundlichkeit zu evaluieren.

Fallen die Ergebnisse positiv aus und wird der notwendige Rechtsrahmen geschaffen, könnte der digitale Euro bereits ab 2029 flächendeckend eingeführt werden. Für Finanz- und Personalverantwortliche in europäischen Unternehmen stellt sich daher längst nicht mehr die Frage, ob der digitale Euro kommt, sondern welche konkreten Auswirkungen er auf die Entgeltabrechnung haben wird. Die Herausforderungen sind jedoch weit größer, als es zunächst scheint.

Eine neue Option für mehr Flexibilität bei der Gehaltszahlung

Der digitale Euro soll eine digitale Form von Zentralbankgeld sein, die von der Europäischen Zentralbank ausgegeben und garantiert wird. Dabei soll er Bargeld und bestehende Bankdienstleistungen ergänzen und diese nicht ersetzen. Es geht also nicht darum, klassische Bankkonten überflüssig zu machen, sondern einen zusätzlichen Zahlungsweg bereitzustellen, der insbesondere für Unternehmen mit Aktivitäten in mehreren Ländern des Euroraums attraktiv sein könnte.

Gerade für Unternehmen, die in mehreren Ländern der Eurozone tätig sind, liegt genau darin das Potenzial, denn derzeit entfallen 61 Prozent aller Kartenzahlungen im Euroraum auf Visa und Mastercard, bei grenzüberschreitenden Kartenzahlungen ist ihre Dominanz sogar noch größer. Auch die Deutsche Bundesbank verweist darauf, dass Deutschland und viele andere Euroländer bei Kartenzahlungen stark von internationalen Anbietern abhängig sind. Der digitale Euro soll dazu beitragen, die europäische Souveränität im Zahlungsverkehr zu stärken.

Ein digitaler Euro, der direkt von der EZB ausgegeben wird, könnte dabei grenzüberschreitende Zahlungsströme effizienter gestalten, Transaktionskosten senken und einen einheitlichen Zahlungsrahmen innerhalb der Eurozone schaffen. Für international tätige Unternehmen, die ihre Gehaltsabrechnung in zehn oder fünfzehn europäischen Ländern organisieren, wäre das eine spürbare strukturelle Vereinfachung.

Dass alternative Auszahlungsformen funktionieren, zeigen bereits bestehende Modelle. Einige Payroll-Plattformen ermöglichen es Mitarbeitenden heute schon, einen Teil ihres Gehalts beispielsweise in Stablecoins zu beziehen. Das Prinzip ist denkbar einfach: Das Unternehmen zahlt die Gehälter wie gewohnt aus, woraufhin die Beschäftigten selbst entscheiden, in welcher Form sie ihr Einkommen erhalten möchten. Ein vergleichbares Modell ließe sich auch auf den digitalen Euro übertragen. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass Beschäftigte eine zusätzliche, sichere und rechtskonforme Zahlungsoption tatsächlich annehmen.

Die eigentliche Herausforderung liegt nicht in der Zahlung, sondern in ihrer Komplexität

Es wäre jedoch naiv zu glauben, dass der digitale Euro die europäische Gehaltsabrechnung über Nacht vereinfacht. Zwar könnte sich die Art der Auszahlung des Nettogehalts verändern, nicht jedoch die gesetzlichen Grundlagen, nach denen dieses berechnet wird. Steuerrecht, Sozialversicherungsbeiträge und arbeitsrechtliche Vorgaben bleiben weiterhin Sache der einzelnen Mitgliedsstaaten. Gerade in Deutschland, wo die Entgeltabrechnung aufgrund komplexer steuer- und sozialversicherungsrechtlicher Vorgaben besonders anspruchsvoll ist, dürfte der digitale Euro daher weniger die Abrechnung selbst als vielmehr die Auszahlungsprozesse verändern.

Die eigentliche Herausforderung wird daher operativer Natur sein. Unternehmen müssen künftig unterschiedliche Auszahlungspräferenzen ihrer Mitarbeitenden parallel verwalten: Während einige ihr gesamtes Gehalt weiterhin in Euro auf ihr Bankkonto überwiesen bekommen möchten, könnten andere einen Teil ihres Gehalts in digitalem Euro beziehen wollen. Zugleich müssten die Entgeltabrechnungen beide Auszahlungsformen korrekt ausweisen. Dadurch würden die Anforderungen an Nachverfolgung, Abstimmung und Daten-Compliance erheblich steigen.

Unternehmen, die ihre Gehaltsabrechnung heute noch über verschiedene lokale Dienstleister und wenig integrierte Systeme organisieren, laufen bereits jetzt Gefahr, von dieser Entwicklung überrollt zu werden. Wiederum werden Unternehmen, die schon auf zentralisierte Payroll-Plattformen setzen und Zahlungen in unterschiedlichen Formaten über mehrere Länder hinweg verwalten können, dagegen von Beginn an einen klaren Wettbewerbsvorteil haben. Und wenn nicht jetzt, dann spätestens mit dem Start des Pilotprojekts im Jahr 2027.

Jetzt vorbereiten statt später reagieren

Das erklärte Ziel der europäischen Institutionen ist es, den regulatorischen Rahmen noch vor Jahresende zu verabschieden. Die Verhandlungen zwischen Europäischem Parlament, Europäischer Kommission und den Mitgliedstaaten sollen bereits im Juli beginnen. Der Zeitplan ist ambitioniert.

Der digitale Euro könnte sich zu einer der bedeutendsten Veränderungen im europäischen Zahlungsverkehr der kommenden Jahre entwickeln. Sein Erfolg wird sich jedoch nicht allein an geldpolitischen Zielen messen lassen, sondern auch daran, wie gut Unternehmen ihn in ihre bestehenden Prozesse integrieren können.

Finanz- und Personalabteilungen sollten nicht auf die endgültige Gesetzgebung warten. Schon heute lohnt es sich, die eigene Payroll-Plattform zu konsolidieren, Arbeitsverträge auf neue Auszahlungsformen zu überprüfen und bestehende Zahlungs- und Abstimmungsprozesse zu analysieren. Maßnahmen, die heute sinnvoll sind, werden morgen unverzichtbar sein.

Karen White

Karen White ist Expertin für Public Policy und Government Affairs mit mehr als 19 Jahren Erfahrung in der Technologiebranche. Sie verfügt über umfassende Expertise in regulatorischen und politischen Fragestellungen in Europa, dem Nahen Osten und Afrika (EMEA). Ihr Schwerpunkt liegt darin, Unternehmen dabei zu unterstützen, den Austausch mit Regierungen sowie relevanten politischen und gesellschaftlichen Stakeholdern zu Themen wie Digitalpolitik, Innovation und der Zukunft der Arbeit erfolgreich zu gestalten. Heute verantwortet Karen White als Head of Public Policy die Region EMEA bei Deel.

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