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Lernen wird zunehmend mit Arbeiten verschmelzen

Ein Interview mit Thomas Jenewein, Training & Enablement I Business Development & Digital Sales Europe, SAP Deutschland SE & Co. KG, über das Lernen in der digitalen Transformation.

HRP: Wie sieht Ihre Vision für Lernen im Unternehmen aus?

Thomas Jenewein: Lernen wird zunehmend mit Arbeiten verschmelzen. Schließlich lernt man am besten durch Tun, eigene Erfahrung, Reflexion und Ausprobieren; sei es allein oder im Netzwerk gemeinsam mit anderen. Wir sehen zunehmend Formate des Lernens im Austausch – ob Coaching, Mentoring oder Vernetzung über soziale Medien. Digitale Unterstützung kann immer ein wichtiger Hebel sein, da wo es Sinn macht zu automatisieren, skalieren aber auch zu individualisieren. Eine Vision ist, dass wir gar nicht mehr von Trainieren und Lernen reden – sondern es selbstverständlich immer tun.

HRP: Wie kann es Unternehmen gelingen, eine solche Lernkultur zu schaffen?

Jenewein: Ein Assessment der Lernkultur und regelmäßige Iteration einer Umsetzungs-Roadmap können hier helfen. Und dies gilt auch für alle möglichen Dimensionen vom Wollen, Können, Dürfen bis Sollen. Die Klassiker gelten auch hier: Guidance und Ressourcen sind wichtig, aber auch entsprechend Freiraum und Unterstützung von selbstgesteuertem Lernen. Je mehr es um konkrete Tätigkeiten geht, wissen Mitarbeiter und Teams am besten, was gelernt werden kann. Grassroots-Projekte gilt es zu unterstützen, denn hier ist die Motivation zur Umsetzung hoch. Sprache und Artefakte, wie Regeln und Policies, kann man sicher einfacher beeinflussen als Grundannahmen und Werte. Letztere gilt es natürlich zu reflektieren in der Analyse. Bezüglich der sichtbaren Ansatzpunkte gibt es viele Aspekte: Muss samstags gelernt werden? Wird bei Sparmaßnahmen schnell Lernbudget eingespart? Oder erarbeiten Führungskräfte mit Experten auf Augenhöhe Neues, anstatt nur mit Stabsstellen oder externen Beratern. Beispielsweise kann ja auch ganz unakademisch die Lernkultur reflektiert werden und geschaut werden, wo man sie wie ändern will. Daneben kommt es natürlich immer auf den Status der Kultur an und Elemente wie Autonomie vs. Autorität, Handlungsspielräume etc.

HRP: Wie würden Sie das gegenwärtige IT- und Technologiesetting rund ums Lernen beschreiben, das Mitarbeitern zur Verfügung gestellt werden kann?

Jenewein: Formelles Lernen, im Sinne von E-Learning, virtuelle Klassenzimmer oder „echte Klassenraumschulungen“, hilft vor allem, sich ohne Ablenkung in neue Themen einzuarbeiten oder auch auf dem Laufenden zu halten – hier werden Lernmanagement-Systeme zum Management und Autorensysteme zum Erstellen von Inhalten immer noch häufig verwendet. Finden, neudeutsch: „Discovery“ der relevanten Lernangebote, wird immer schwieriger – hier helfen zunehmend Learning-Experience-Plattformen mit Empfehlungen und einfach zu nutzenden Userinterfaces – teilweise entwickeln sich auch Lernmanagementsysteme in diese Richtung. Lernen im Netzwerk, durch Austausch, teilen, erstellen und bearbeiten von Dokumenten, nachfragen, bis hin zum Diskurs wird zunehmend mit Enterprise Social Software gemacht. Viele nutzen Microsoft Teams, aber auch andere Anbieter, wie SAP Workzone, bieten hier Software an. Coaching, Mentoring wird auch zunehmend unterstützt durch Matchingsoftware oder (Selbst-)Coaching, Apps und Plattformen. Lernen im Arbeitsprozess durch Performance Support oder digitale Assistenten ist vor allem interessant, wenn es eher um Wissenstransfer zu Tätigkeiten oder Prozessen geht. Dann entfällt auch das Problem des Vergessens oder des Praxistransfers. Daneben gibt es viele Tools für verschiedene Herausforderungen und diese zunehmend auch als mobile Apps. Sei es zum Testen und für Assessments, zum Tutoring, zur Erstellung von immersivem Lernen, wie VR, AR oder 3-D. Neben einem Trend-Radar sollte man immer eine Roadmap für die Weiterentwicklung der Lern-Technologie haben. Anbei mit weiteren Infos ein aufgezeichnetes Webinar und Folien: „Education Technologies, kurz EdTech: Evolution, Status und Ausblick“.

HRP: Herr Jenewein, wir danken Ihnen für das Gespräch.

 

Teaserfoto: © Adobe Stock/inimalGraphic