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Serie: Geschlechtergerechtes Recruiting. Folge 2: Geschlechtergerechtes Wording in Stellenbeschreibungen

Gendern spaltet die Gesellschaft. Die einen befürworten das Suffix :innen, die anderen finden es übertrieben. Für Unternehmen stellt sich im Zuge der Debatte die Frage, wie sie mit dem Thema bei der Rekrutierung neuer Fachkräfte umgehen. Die HRP sprach mit Valeska Martin, Referentin beim Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA), über geschlechtergerechtes Recruiting. 

Folge 2: Geschlechtergerechtes Wording in Stellenbeschreibungen

HRP: Das Suffix :innen ist das eine. Gibt es aber noch andere Kriterien, auf die Unternehmen bei der Formulierung in Stellenanzeigen achten sollten, um möglichst alle potenziellen Kandidaten anzusprechen? 

Valeska Martin: Sprachlich gesehen geht es auch darum, die richtigen Formulierungen zu verwenden, damit sich Frauen überhaupt angesprochen fühlen. Frauen lassen sich von Macht und Status bezogenen Eigenschaften abschrecken. Aus „Durchsetzungsvermögen“ sollte deshalb in Stellenanzeigen lieber „Selbstbewusstsein“ werden, aus „analytischem Denken“ eher „Blick für das Wesentliche“, „Entscheidungsvermögen“ eher „Urteilsfähigkeit“, anstelle von „Ehrgeiz“ kann „Ziele klar im Blick haben“ stehen. Bei Eigenschaften wie Teamfähigkeit, verständnisvoller Umgang oder Konfliktfähigkeit fühlen sich Frauen in ihren Kompetenzen angesprochen.

 

HRP: Und dann werden wirklich Frauen und Männer gleichermaßen von dieser Formulierung abgeholt?

Martin: Ja. Unternehmen müssen keine Angst haben, dass die Stellenanzeigen dann nur noch auf Frauen zugeschnitten sind. Studien zeigen,  dass männliche Stereotype Frauen von der Bewerbung abschreckten, während weibliche Stereotype keine Wirkung auf Männer haben. Unternehmen können also eigentlich nur gewinnen, da sie durch ein gleichberechtigtes Wording eine größere Auswahl an Bewerbungen erhalten. Gendergerechte Stellenanzeigen sind zudem gut für ein positives Unternehmensimage nach außen.

 

HRP: Zusammenfassend lässt sich also festhalten: Eine geschlechtergerechte Sprache schreckt niemanden ab – auch Männer nicht. Ganz im Gegenteil fühlen sich so mehr Menschen angesprochen.

Martin: Wichtig ist an dieser Stelle auch zu erwähnen: In unserem KOFA Kompakt 2/2012 haben wir herausgefunden, dass sich Frauen oftmals unterhalb Ihres Qualifikationsniveaus bewerben. Fast 70 Prozent der Frauen mit einem Meister- oder Technikerabschluss arbeiten unterhalb ihrer formalen Qualifikation, also auf Fachkraft oder Helferniveau. Frauen bewerben sich oftmals nur dann, wenn sie alle aufgeführten Kriterien erfüllen. Deshalb gilt: Unternehmen sollten nicht zu viele starre Anforderungen und Qualifikationen auf einmal nennen. Es sollten nur die Anforderungen genannt werden, die unverzichtbar für die Stelle sind. Dinge, die die Person auch noch während des Arbeitsalltags erlernen kann, sollten auch so benannt werden. Elegant lässt sich das lösen durch ein „wünschenswert wären Kenntnisse im Bereich xy“. Anforderungen sollten so breit wie möglich formuliert sein. So kann man Qualifikationen mit folgendem Halbsatz ergänzen: „… oder vergleichbare Kenntnisse oder Erfahrungen.“

 

>> Folge 1: Gendern in Stellenanzeigen

>> Folge 2: Geschlechtergerechtes Wording in Stellenbeschreibungen

>> Folge 3: Gendern: Mehr als nur eine Endung – wohin geht der Trend?

 

Valeska_Martin_Kofa 

 Foto: Valeska Martin, KOFA

 

Teaserfoto: © AdobeStock/Dagmar Breu

 

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