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Benchmarking – von den Besten lernen

Deutschland ist in vielen Rankings zurückgefallen – nicht nur im Fußball, sondern auch in der Wirtschaft haben wir den Anschluss verloren, obwohl wir in Daten schwimmen und Dashboards in Echtzeit liefern. KI macht es möglich, Benchmarking völlig neu zu erfinden: Franz Langecker wirft in seiner neuen Kolumne einen Blick aufs Thema.

3 Min. Lesezeit
Zahlen in goldener Farbe fließen aus einer digitalen Akte
Foto: ©AdobeStock/MopoWe

Die Fußballweltmeisterschaft ist überstanden. Das frühe Ausscheiden der Deutschen Mannschaft hat den Sommer getrübt. Langsam lernen wir, dass nicht immer die anderen schuld sind. In vielen Rankings ist Deutschland nach hinten gerutscht. Diese Erkenntnis zu akzeptieren, fällt schwer. In der Fußballweltrangliste steht Deutschland inzwischen auf Rang zwölf. Das verdanken wir nicht Herrn Infantino oder Präsident Trump. Seit 1993 existiert die Weltrangliste. Und im Halbfinale standen mit Spanien, England, Frankreich und Argentinien exakt die ersten vier Plätze der 211 Nationen langen Weltrangliste. So sehr wir uns das wünschen würden. Wir setzen derzeit nicht die Standards für guten Fußball. Spanien bestimmt augenblicklich hier die Benchmarks. Es gibt viele weitere Felder, in denen Deutschland zurückgefallen ist. Und wir kennen alle viele Gründe und Argumente, warum das so ist. Die bringen uns jedoch nicht nach vorne. Studien zeigen: In puncto KI-Anwendung sind wir gut unterwegs. Es gibt kaum Akzeptanzprobleme, auch wenn die Technologie nicht immer hält, was sie verspricht.

Menschen schreiben die Drehbücher für den Erfolg

In den 80er- und 90er-Jahren des letzten Jahrhunderts gehörten Benchmarks zum Tagesgeschäft in den Unternehmen. Voneinander lernen war angesagt. Man verglich die Leistungen, um Verbesserungsmöglichkeiten zu finden. Die Frage war nicht nur, wer besser war. Wichtig war das Warum. Und das galt es zu verstehen und selbst umzusetzen. Es gab z. B. das Interne Benchmarking, das Wettbewerbsbenchmarking, das Funktionale Benchmarking und das Generische Benchmarking. Dabei wurde viel Zeit mit dem Messen verbracht.

Heute haben wir dank KI ganz neue Möglichkeiten. Der Fokus hat sich verschoben. Wir reden viel von Data Analytics. Wir schwimmen oder ersaufen in Daten. Die Dashboards liefern in Echtzeit Auswertungen. Doch wie gut sind diese? Nutzen wir sie? Seit gut 20 Jahren reden wir von Business Intelligence. Und trotzdem haben wir in einigen Bereichen den Anschluss verloren. Vielleicht sollten wir das alte Benchmarking wieder neu erfinden. Es reicht wohl nicht nur, Fluktuationsraten, Krankenstand, Time-to-Hire und Weiterbildungsquoten etc. zu vergleichen. Der Wettbewerb findet global statt. Menschen sorgen überall für Innovationen, sie treiben das Geschäft voran. Aber das alles geschieht nicht automatisch. Studien zeigen, der Erfolg hängt weniger von den Fähigkeiten Einzelner, sondern von der Qualität der Zusammenarbeit ab. Und das Arbeitsumfeld entscheidet, ob Menschen ihr Potenzial entfalten können. Es braucht passende Rahmenbedingungen.

Von den Europäern lernen

„E-Autos: Wo die Chinesen von den Europäern lernen wollen“: So lautete jüngst am 13. Juli diesen Jahres die Titelzeile eines Artikels in der Süddeutschen Zeitung. Vorgestellt wurde dort eine Firma in Frankreich. Seit Jahren zerlegt sie jedes Auto, das neu auf den Markt kommt. Sie haben deshalb einen guten Überblick, wer bei den E- Autos vorn liegt. „Jede Schraube, jedes Kabel, jedes Motorteil  wird analysiert  – durchschnittlich 2000 Teile. Informationen über Konstruktion, Materialien, technische Daten und Kosten werden gespeichert, jedes Jahr kommen Fakten über rund 60 Fahrzeuge dazu.“ Seit 29 Jahren sammelt die Firma A2Mac1 diese Daten. Das Unternehmen aus Frankreich mit deutschem Sitz in München ist der Weltmarktführer für Benchmarking im Automobilsektor und Reverse Engineering. Kein Wunder, dass fast alle weltweit tätigen Hersteller, Zulieferer und Start-ups dort nach Daten fragen. Sie wollen wissen, was Konkurrenten besser machen oder warum sie kostengünstiger produzieren.

Das Beispiel zeigt, dass Benchmarking nicht tot ist. Es muss nur neue Wege gehen. KI bietet die Möglichkeiten, aus Best Practices Next Practices zu entwickeln. Es erlaubt endlose Simulationen und prädiktive Vorhersage. Benchmarking kann dank KI wie ein intelligenter Assistent agieren. Er sammelt Daten. Er beobachtet. Er macht Vorschläge, führt Simulationen durch und sorgt für den kontinuierlichen Verbesserungsprozess. Das alles geschieht im Dialog mit den Menschen. Hybriden Teams eröffnen sich zukünftig dank KI völlig neue Aktionsfelder.

Franz Langecker, Chefredakteur HR Performance

Franz Langecker

Chefredakteur HR Performance

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