Startseite » News » KI kann’s besser als die Ausbilder?

KI kann’s besser als die Ausbilder? : Deutschlands größte doppelperspektivische Studie zur dualen Ausbildung

85 % der Azubis schätzen sich im Hinblick auf ihre eigenen KI-Kompetenzen als „sehr fit“ oder „eher fit“ ein. An einer KI-Weiterbildung haben allerdings nur 15 % von ihnen teilgenommen. Was die Kompetenz angeht, wird die KI als besser als die eigenen Ausbilder angesehen. Ein Blick auf Fehlzeiten, Anforderungsprofile und Entgelttransparenz im Ausbildungsmarkt.

3 Min. Lesezeit
Auszubildende arbeiten mit KI
Foto: ©AdobeStock/SpaceOak

Kann die KI „manchmal“ bzw „öfter“ Ausbildungsthemen besser erklären als die eigenen Ausbilderinnen bzw Ausbilder? Das zumindest denken 53 % der Auszubildenden. Sogar 74 % empfinden das im Hinblick auf die eigenen Berufsschullehrerinnen und -lehrer. Zu diesem Ergebnis kommt die diesjährige Studie Azubi-Recruiting Trends von u-form Testsysteme.

85 % der Azubis schätzen sich im Hinblick auf ihre eigenen KI-Kompetenzen als „sehr fit“ oder „eher fit“ ein. An einer KI-Weiterbildung haben allerdings nur 15 % von ihnen teilgenommen. 49 % der Betriebe stellen keine Lernangebote zum Thema KI für Azubis bereit.

Arbeitgeber dominieren wieder stärker den Ausbildungsmarkt

Im vergangenen Jahr hatte die Studie schon gezeigt, dass im Ausbildungsmarkt wieder stärker Arbeitgeber dominieren – der Kandidatenmarkt kollabiert. Dieser Trend verstärkt sich in diesem Jahr. Der 2026er-Studie zufolge erhalten nur noch 29 % der Azubi-Bewerbenden zwei oder mehr Ausbildungsangebote. Das ist der niedrigste Wert seit Beginn der Messreihe 2014 und ein erneuter Absturz gegenüber den 42 % des Vorjahres (siehe Tabelle). Gleichzeitig konnten jedoch 34 % der befragten Ausbildungsbetriebe 2025 nicht alle ihre Ausbildungsplätze besetzen.

Anteil der Azubis mit mehr als einem Ausbildungsangebot

Jahr der Studie

Anteil der Azubis mit mehr als einem Ausbildungsangebot

2026

29 %

2025

42 %

2019

73 % (höchster je gemessener Wert)

2014

42 %

„Geringe Belastbarkeit“ ist häufigster Grund für Fehltage

In diesem Jahr werfen die Studienverantwortlichen einen besonderen Blick auf das Thema Gesundheit: 75 % der Ausbilder berichten, dass die Krankheitsfehltage ihrer Auszubildenden in den letzten fünf Jahren gestiegen sind. 54 % glauben, dass sich die eigenen Azubis „oft“ oder „manchmal“ krankmelden, ohne krank zu sein. Auf der anderen Seite sagen 82 % der Azubis, sie hätten sich noch nie unbegründet krankgemeldet. Die von Ausbildungsverantwortlichen genannten „häufigsten Ursachen“ für steigende Fehlzeiten bei Azubis und dual Studierenden sind „geringe Belastbarkeit“ (34 %) und psychische Belastung/Überforderung (29 %).

Psychische Gesundheit als Ausbildungsphänomen

Im Hinblick auf psychische Gesundheit geben 85 % der befragten Ausbildungsverantwortlichen an, die eigenen Azubis seien stärker psychisch belastet als vor der Coronapandemie. 25 % der Azubis und dual Studierenden haben sich eigenen Angaben zufolge schon einmal wegen psychischer Belastung krankgemeldet, weitere 15 % wegen „familiären oder privaten Problemen“. 74 % der Ausbilder meinen, in ihrem Ausbildungsbetrieb werde „sehr gut“ oder „eher gut“ auf die psychische Gesundheit von Azubis und dual Studierenden geachtet. Bei den Azubis und dual Studierenden sehen das nur 53 % so. „Psychische Gesundheit ist in der Ausbildung ein strukturell unterberichtetes Thema. Hier besteht dringender Diskussionsbedarf“, sagt Studieninitiatorin Felicia Ullrich von u-form Testsysteme.

Anforderungsprofile – von Bewerbenden ernster genommen als von den Betrieben

Auch Klassiker aus dem Azubi-Recruiting und -Marketing stehen in diesem Jahr wieder auf dem Programm der Studie wie etwa das Thema Eignungsdiagnostik. 37 % der Azubi-Bewerbenden bewerben sich erst dann, wenn sie vier oder fünf von fünf in der Stellenanzeige genannten Kriterien erfüllen. Gleichzeitig nehmen 65 % der Betriebe ihren eigenen Anforderungskatalog selbst nicht ernst und priorisieren eher den Gesamteindruck, den sie von den Bewerbenden haben. Bei der Selbstauswahl der Azubi-Bewerbenden gibt es außerdem deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern: 42 % der Bewerberinnen nehmen sich selbst aus dem Rennen, wenn sie nicht (fast) alle Kriterien erfüllen. Bei den Männern sind es 32 %. Ausführliche Anforderungskataloge wirken also vor allem als Selektionsfilter gegen Frauen.

Entgelttransparenz im Ausbildungsmarkt

Das Entgelttransparenzgesetz ist ab dem 7. Juni 2026 mit erweiterten Transparenzpflichten verbunden. Wie halten es Ausbildungsbetriebe aktuell mit der Gehaltstransparenz? Nur 46 % geben die Ausbildungsvergütung für Azubis in Stellenanzeigen in einem konkreten Betrag an (zum Beispiel “1.050 Euro im 1. Jahr”). 22 % nutzen eine Tarifangabe (etwa “TVöD/TV-L”), 12 % werbliche Begriffe wie “gut” oder “fair”. 20% machen in ihren Azubi-Anzeigen überhaupt keine Angaben zur Vergütung.

An der Online-Umfrage haben in diesem Jahr 9.542 Azubis, dual Studierende und Schüler*innen sowie 2.071 Ausbildungsverantwortliche teilgenommen.

Die Studie wird wie in den vergangenen Jahren wissenschaftlich begleitet von Prof. Dr. Christoph Beck. Studienpartner ist AUBI-plus. Der zweite Teil der Azubi-Recruiting Trends 2026 erscheint im Herbst 2026.

Infos zur Studie

Andere interessante News

Team-Mitglieder diskutieren über Wochenarbeitszeit, Kalender im Vordergrund

Ringen um den Spagat zwischen 8-Stunden-Tag und der Wochenarbeitszeit

Wir leben eindeutig in einer „Care-Ökonomie“, die wir akzeptieren und vernünftig organisieren müssen. Mit dieser Realität sind wir tagtäglich konfrontiert. Sie gilt es bei der Disk...

Mann sitzt vor einer Wand mit mehreren Uhren

Was beim Arbeitszeitgesetz geplant ist

Die Bundesregierung plant statt des Acht-Stunden-Tags eine wöchentliche Höchstarbeitszeit. Die Pläne rufen verschiedene Reaktionen hervor. Das sagt u. a. der Arbeitszeitexperte Dr....

GFOS Intelligence 2026

So gelingen integrierte HR-Prozesse und intelligente Personaleinsatzplanung

Die GFOS Group bringt mit GFOS 2026 eine Lösung auf den Markt, die Personaleinsatzplanung, HR-Prozesse und Auswertungen noch enger verzahnt und Abläufe deutlich effizienter gestalt...