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Im Prozess ist die Absage die Regel : Das wünschen sich Bewerbende und so verhalten sich Arbeitgeber

Standardfloskeln, Ghosting und wochenlanges Schweigen: Eine aktuelle Studie deckt auf, wie Arbeitgeber mit schlechten Absagen ihre Arbeitgebermarke massiv beschädigen. Die Zahlen sind alarmierend – und zeigen, welche konkreten Erwartungen Bewerbende wirklich haben.

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Frau hält Schild vor ihr Gesicht, auf dem No! steht
Foto: ©AdobeStock/Sergey Nivens

Standardfloskeln, fehlende Transparenz und verspätetes oder ausbleibendes Feedback – so gestalten viele Arbeitgeber ihre Absagen an Bewerbende. Diese erwarten jedoch genau das Gegenteil. Was Unternehmen über Jahre hinweg an Arbeitgeberimage aufgebaut haben, gefährden sie durch ihre aktuelle Absagepraxis.

Der Wind am Arbeitsmarkt hat sich gedreht. Konnten sich in den vergangenen Jahren viele Menschen Jobs aus einer Fülle von Angeboten heraussuchen, müssen sie sich heute deutlich stärker bemühen. Aktuell liegen wieder deutlich mehr Bewerbungen pro Job auf den Schreibtischen der Recruiterinnen und Recruiter, immer mehr Menschen machen Erfahrungen mit Arbeitgebern in Form von Absagen. Denn im Prozess ist die Absage die Regel.

Zu diesen Ergebnissen kommt eine Umfrage der Arbeitgeber-Vergleichsplattform kununu und der Unternehmensberatung HR4Good unter 1.032 Beschäftigten, durchgeführt vom Marktforschungsinstitut bilendi.

Transparenz gesucht – Standardschreiben geliefert

Wie schlagen Absagen bei Bewerbenden auf? Dazu lohnt ein Vergleich zwischen den Prioritäten der Jobsuchenden und ihren Erfahrungen in der Praxis: Sie wünschen sich vor allem transparente Begründungen und individuellen Bezug, erleben diese aber in der Absagewirklichkeit viel zu selten. 91,3 Prozent halten eine individuelle Begründung im Absageschreiben für „sehr wichtig” oder „wichtig”, aber 65,5 Prozent erleben sie „selten” oder „nie” in der Praxis.Auch ein Hinweis in der Absage auf eine spätere Option im Unternehmen ist für 72,5 Prozent (sehr) wichtig, wird aber von 65,3 Prozent selten oder nie in Absageschreiben gefunden. Besonders deutlich ist zudem die Lücke zwischen Erwartungen und Realität in Absagen bei Verbesserungshinweisen: 70,2 Prozent wünschen sich Hinweise darauf, wie sie ihre eigene Performance beim Lebenslauf oder Anschreiben verbessern können. 80,9 Prozent erhalten diese Hinweise selten oder nie.

„Nach gewissenhafter Prüfung“ – nervende Floskeln

Absageschreiben sind aktuell ein Tummelplatz für Floskeln. Die schlimmsten Phrasen aus Sicht der Bewerbenden: „Leider müssen wir Ihnen mitteilen“ nennen 36,7 Prozent der Befragten unter den drei nervigsten Standardphrasen in Absageschreiben, „Nach gewissenhafter Prüfung müssen wir leider“ 22,6 Prozent und „Vielen Dank für Ihr Interesse“ 20,9 Prozent. Fast die Hälfte der Befragten (48,6 Prozent) möchte spätestens nach einer Woche eine Antwort. Die Absagemühlen mahlen jedoch langsam: Tatsächlich erhalten nur 47,3 Prozent innerhalb einer Woche Rückmeldung, während 62,3 Prozent zwei Wochen oder länger warten. Besonders auffällig: 2 Prozent der Befragten haben schon einmal länger als ein Jahr auf eine Absage gewartet.

Schweigen – selbst nach dem Jobinterview

Die Reaktion nach einem Jahr wird durch systematisches Schweigen getoppt. Das Problem ist seit längerem bekannt: Ghosting ist in der Erfahrungswirklichkeit von Bewerbenden nicht die Ausnahme, sondern die Regel. 65,2 Prozent der Befragten haben schon einmal nach einer schriftlichen Bewerbung keine Rückmeldung bekommen. Nur jeder Fünfte (20,9 Prozent) erhält immer eine Antwort von den Arbeitgebern. Weniger bekannt ist außerdem, dass mehr als ein Viertel (26,6 Prozent) sogar schon einmal nach dem Jobinterview “geghostet” wurden.  Schlechte Absagen wirken weit über den Recruiting-Prozess hinaus, indem sie Arbeitgeber- und Unternehmensmarken schädigen. Bei 65,0 Prozent führt eine schlechte Absage dazu, dass sie sich nie wieder bei dem Arbeitgeber bewerben; 35,0 Prozent nehmen nach einer schlechten Absage sogar Abstand davon, Produkte des Unternehmens zu kaufen.

Langfristiger Vertrauensverlust als Risiko

„Eine Absage ist ein kritischer Moment für die Arbeitgebermarke. Wer Bewerbende hier mit Standardfloskeln und Intransparenz abspeist, produziert unnötigen Frust und riskiert einen langfristigen Vertrauensverlust“, sagt Nina Zimmermann, CEO von kununu. „Arbeitgeber, die sich um potenzielle Kandidat:innen bemühen, versuchen meist mit viel Mühe ein positives Bild von sich zu erzeugen, damit sie diejenigen bei ihnen bewerben. Eine schlechte Absagepraxis führt diese Bemühungen allerdings ad absurdum und verhindert eine langfristige Beziehung, die zu einem anderen Zeitpunkt extrem hilfreich sein könnte”, sagt Marcel Rütten von HR4Good.

Quelle: kununu

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