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HR kann die Verklärung der KI nicht mittragen

Die päpstliche Enzyklika „Magnifica humanitas" mahnt, dass der Mensch auch im KI-Zeitalter im Mittelpunkt bleiben muss, da künstliche Intelligenz keine Empathie, kein moralisches Gewissen und keine menschliche Erfahrung besitzt. Für HR bedeutet dies eine besondere Verantwortung: Algorithmen dürfen niemals allein Entscheidungen treffen, wie auch Beispiele von Ford und Bedenken der chinesischen Regierung zeigen – die letzte Verantwortung für Menschenwürde und Gemeinwohl muss beim Menschen bleiben.

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Menschlicher Frauenkopf neben KI-Roboter-Kopf
Foto: ©AdobeStock/Jay Koppelman

Der Mensch muss auch im Zeitalter der KI im Mittelpunkt bleiben. Die Technologie soll den Menschen dienen und nicht umgekehrt. So lautet die zentrale Botschaft der Enzyklika: „Magnifica humanitas“, („Die großartige Menschheit“) die vor ein paar Wochen von Papst Leo XIV veröffentlicht wurde. In der Buchausgabe des Patmos-Verlages heißt es auf S. 43ff.: „In der Zeit der künstlichen Intelligenz, in der die Menschenwürde aufgrund neuer Formen von Entmenschlichung in den Hintergrund zu treten droht, haben wir die dringende Pflicht, zutiefst menschlich zu bleiben und liebevoll jenes großartige Menschsein zu bewahren, das uns geschenkt ist und das in Christus in seiner ganzen Fülle offenbar wurde, und das keine Maschine in seiner Pracht jemals ersetzen kann. Wahrer Fortschritt entspringt stets einem Herzen, das für andere offen ist; einer Intelligenz, die bereit ist zuzuhören; einem Willen, der mehr das sucht, was verbindet, als das, was trennt.“

Die KI und ihr (eigenen) Erfahrungen

Die Botschaft betont, dass maschinelle Intelligenz nicht mit der menschlichen verwechselt werden darf. Die KI hat keinen Leib, sie macht keine eigenen Erfahrungen. Sie empfindet weder Freude noch Schmerz. Sie reift nicht in Beziehungen und es fehlt ihr das moralische Gewissen. Sie ist kein lebendes Ich. Die Sprache wird lediglich simuliert. Alle Inhalte entstehen aufgrund von Algorithmen. Und über diese wissen wir herzlich wenig. In der Enzyklika wird darauf hingewiesen, wie rasch und tiefgreifend Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und Robotik unsere Welt verändern: „Die Technik ist an sich nicht als menschenfeindliche Kraft zu betrachten; im Gegenteil, sie ist von Anfang an in unserer Geschichte verwurzelt, als eine zutiefst menschliche Erscheinung, die an die Autonomie und Freiheit des Menschen geknüpft ist. Die technische Entwicklung hat im Laufe der Jahrhunderte zu einer erheblichen Verbesserung der Lebensbedingungen beigetragen“ (siehe S. 34 ff.).

Nicht immer hat die Kirche den Fortschritt so positiv gesehen. Diese Gedanken können meiner Meinung nach auch als Orientierungshilfe für HR gesehen werden. Die Enzyklika warnt deutlich vor neuen Formen der Entmenschlichung (s. S. 43). Sie sieht die Gefahr, dass die Menschheit Opfer ihrer eigenen Errungenschaft wird (s. S. 103).

„Auch wenn diese Werkzeuge als lernfähig dargestellt werden, unterscheidet sich ihre Art des Lernens von der einer menschlichen Person. Es handelt sich nicht um die Erfahrung eines Menschen, der sich vom Leben formen lässt und im Laufe der Zeit durch Entscheidungen, Fehler, Vergebung und Treue wächst; vielmehr ist es eine statistische  Anpassung auf der Grundlage von Daten und Rückmeldungen, die zwar sehr effektiv sein kann, aber kein inneres Wachstum impliziert“ (s. S. 106 ff.). Die KI bleibt ein wertvolles Hilfsmittel, das wir jedoch mit Vorsicht nutzen sollten. Wir dürfen einem Algorithmus niemals allein die Macht übertragen oder überlassen. Die letzte Verantwortung liegt immer beim Menschen. Das Gemeinwohl und die Würde des Menschen sollten für uns immer oberste Maxime sein. „Für junge Menschen ist die Arbeitsplatzunsicherheit besonders dramatisch. Wie uns die Bischöfe der Vereinigten Staaten von Amerika in Erinnerung rufen, ist die Arbeit nicht bloß eine Einkommensquelle, sondern ein entscheidender Bereich, in dem die Identität geformt, Freundschaften und Beziehungen geknüpft, konkrete Verantwortlichkeiten erlernt und die eigene Berufung erkannt werden“ (s. S. 153).

Doppelmoral bei der KI-Nutzung

Jeder zweite Bewerber nutzt inzwischen die KI für seine Bewerbung. Laut einer YouGov-Studie wollen aber nur 9 Prozent der Bewerber, dass Technologien Entscheidungen weitgehend selbst treffen. Zu hoch ist die Angst vor fehlender menschlicher Empathie, mangelnder Transparenz und algorithmischen Vorurteilen. CFOs lieben die Automatisierung der Workflows. Die Digitalisierung macht fast immer Sinn und steht nicht im Widerspruch zur KI, die dabei auch eingebunden werden kann.

In der Online-Ausgabe des „Spiegels“ stand gestern die Schlagzeile: „Ford holt hunderte Ingenieure zurück  – weil KI sie doch nicht ersetzen konnte.“ „Rund 300 erfahrene Qualitätsprüfer wurden wieder eingestellt, weil automatisierte Systeme nicht gut genug waren. Die Kosten für Rückrufe und Garantieleistungen sollen seither zurückgehen.“ Eigentlich wollte das Unternehmen durch die Entlassungen die Kosten senken und die Produktivität steigern. Kritische Beobachter stellen sich bereits die Frage, was die Gesellschaft für die Menschen tun kann, die durch die KI ihre Arbeit und ihre Perspektiven verlieren. Laut einer Meldung im „Guardian“ überlegt die chinesische Regierung, was sie gegen die Vernichtung und den Rückgang der Arbeitsplätze durch KI im Lande tun kann. Politiker sehen ein wachsendes Unruhepotenzial. Wenn Menschen nichts mehr zu verlieren haben, lassen sie sich nur noch schwer kontrollieren. Das Heer der Verlierer am Arbeitsmarkt wächst möglicherweise rasant. Auch wenn HR nicht alle Entscheidungen bzgl. KI im Unternehmen trifft, fällt ihr mikro- und makroökonomisch gesehen eine große Verantwortung zu. Vielleicht wird das Thema auch auf den Podien der Personalmesse im September in Köln diskutiert. Es wäre interessant herauszufinden, welche Antworten es auf diese Herausforderung bereits gibt.

Franz Langecker, Chefredakteur HR Performance

Franz Langecker

Chefredakteur HR Performance

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