Frontline Workers abgehängt: 60 Prozent ohne digitalen Zugang
60 Prozent der Beschäftigten ohne PC-Arbeitsplatz haben keinen Zugang zu einer mobilen Mitarbeiter-App – und das, obwohl viele sich genau das wünschen. Eine aktuelle YouGov-Studie deckt eine digitale Zweiklassengesellschaft in deutschen Unternehmen auf. Welche Funktionen Frontline-Mitarbeitende am meisten vermissen und warum vor allem ältere Beschäftigte abgehängt werden, zeigt die Befragung von über 500 operativen Mitarbeitenden.

Für Beschäftigte ist der digitale Zugriff auf arbeitsrelevante Informationen und Prozesse heute unverzichtbar. Die Praxis sieht für Mitarbeitende ohne PC-Arbeitsplatz jedoch oft anders aus: Nahezu zwei Drittel (60 Prozent) berichten, dass ihr Arbeitgeber keine mobile Mitarbeiter-App bereitstellt. Damit fehlt ihnen der Smartphone-Zugang zu wichtigen Funktionen wie Unternehmens-News, Chats, Schichtplänen, Urlaubsanträgen, Zeiterfassung oder Schulungen. Und selbst dort, wo eine solche App existiert, nutzt sie jeder Dritte nicht mehr. Das zeigt eine aktuelle YouGov-Befragung im Auftrag von HIRSCHTEC und Flip, für die 505 Arbeitnehmende ohne Computer-Arbeitsplatz befragt wurden. Die Ergebnisse deuten auf eine digitale Zweiklassengesellschaft in zahlreichen Unternehmen hin.
Viele Beschäftigte ohne PC-Arbeitsplatz fänden mobile Mitarbeiter-App attraktiv
Während für viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit PC-Arbeitsplatz die Nutzung von digitalen, KI-gestützten Kommunikations-, Kollaborations- und Prozess-Tools längst unverzichtbarer Bestandteil des Arbeitsalltags ist, mangelt es Berufstätigen ohne Computer, den sogenannten Frontline- bzw. operativen Mitarbeitenden, an digitaler Teilhabe. Dabei wäre für weit über die Hälfte von ihnen eine mobile Mitarbeiter-App (eher) attraktiv. Nur knapp ein Drittel sieht dies nicht so. Bei vielen Frontline-Mitarbeitenden scheint der Wunsch nach einer mobilen Mitarbeiter-App, die ihren Arbeitsalltag erleichtert, somit in durchaus hohem Maße vorhanden zu sein.
Einfacher, sicherer Log-in und direkter Zugriff sind besonders wichtig
Geht es darum zu beurteilen, welche Funktionen ihnen bei einer mobilen Mitarbeiter-App besonders wichtig sind bzw. wären, geben 85 Prozent der Befragten „einfacher, sicherer Log-in und direkter Zugriff auf alle wichtigen Tools und Funktionen“ an. Ähnlich hoch ist der Prozentsatz im Hinblick auf die Funktionen „Anzeige von relevanten Informationen“, „einfache Erledigung von administrativen/organisatorischen Aufgaben“ und „leichte, intuitive Bedienung und Reduktion auf die wichtigsten Kernfunktionen“. Demnach sollte eine mobile Mitarbeiter-App der zentrale Ort für operative Mitarbeitende sein, um on- und offline sicher, nahtlos und direkt auf alle für sie relevanten Informationen, Tools und Prozesse zugreifen zu können. Das alles intuitiv und ohne ständig zwischen verschiedenen Tools hin- und herwechseln zu müssen.
Beschäftigte ohne PC-Arbeitsplatz machen unterschiedliche Erfahrungen im Umgang mit KI
Danach befragt, wie ihre Erfahrungen mit der Nutzung von künstlicher Intelligenz (z. B. Chatbots, Sprachassistenten) im beruflichen Umfeld sind, gibt zwar fast die Hälfte (46 Prozent) sehr bzw. eher gut an, nur 14 Prozent beurteilen sie als sehr bzw. eher schlecht. Allerdings können auch 38 Prozent die Frage nicht beantworten, da sie bisher im beruflichen Kontext nicht mit KI gearbeitet haben. Dies lässt vermuten, dass es in weit über einem Drittel der deutschen Unternehmen noch keinerlei unterstützende KI für Frontline-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter gibt, die z. B. in der Werkshalle, im Ladengeschäft, in der Gastronomie arbeiten oder pflegende Tätigkeiten ausüben.
Mobile Mitarbeiter-App und künstliche Intelligenz: sichtbare Unterschiede zwischen den Generationen
Während fast zwei Drittel (65 Prozent) der 45- bis 70-jährigen Befragten sagen, dass es eine firmeneigene mobile Mitarbeiter-App in ihrem Unternehmen nicht gibt, äußert dies nur die Hälfte der 18- bis 44-Jährigen. Hinzu kommt: Geht es um die Erfahrung mit der Nutzung von KI im beruflichen Alltag, so zeigt sich: 18- bis 44-Jährige machen fast doppelt so häufig sehr bzw. eher gute Erfahrungen wie 45- bis 70-Jährige (64 Prozent vs. 36 Prozent). Zudem gibt auch nur rund ein Viertel (25 Prozent) der Jüngeren (18 bis 44 Jahre) an, bisher nicht mit KI im beruflichen Kontext gearbeitet zu haben. Bei den älteren (45 bis 70 Jahre) ist es fast die Hälfte (45 Prozent). Demnach scheint es in Unternehmen noch Nachholbedarf zu geben, wenn es darum geht, jüngere und ältere Beschäftigte gleichermaßen fit im Umgang mit KI-Werkzeugen zu machen, damit sie deren Mehrwert direkt spürbar im Arbeitsalltag erleben.
„Das iPhone gibt es schon seit fast 20 Jahren am Markt und Smartphones sind inzwischen unsere täglichen Begleiter, wenn es darum geht, unseren privaten Alltag zu managen. Ganz anders sieht es aber im beruflichen Kontext aus: In vielen Unternehmen in Deutschland gibt es derzeit offenbar keine firmeneigene mobile Mitarbeiter-App, die es speziell auch Beschäftigten ohne PC-Arbeitsplatz ermöglicht, jederzeit auf für sie relevante Informationen, Funktionen und Prozesse zuzugreifen und so im Arbeitsalltag entlastet zu werden. Damit verschenken Unternehmen enormes Potenzial, wenn sie weiterhin auf manuelle und papierbasierte Prozesse setzen“, so Khaled Thaler, Geschäftsführer HIRSCHTEC.
Bestehende digitale Kluft ist äußerst bedenklich
„Die bestehende digitale Kluft zwischen Mitarbeitenden mit und ohne PC-Arbeitsplatz ist äußerst bedenklich. Denn es sind vor allem auch die Frontline-Mitarbeitenden, die in direktem Kundenkontakt stehen, ihr Unternehmen nach außen vertreten und maßgeblich zur operativen Wertschöpfung beitragen. Besitzen sie keine digitale Teilhabe, wirkt sich dies sowohl negativ auf ihre Mitarbeitendenzufriedenheit und -bindung als auch auf die Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit des gesamten Unternehmens aus“, erläutert Benedikt Brand, CEO Flip.
Die Daten dieser Befragung basieren auf Online-Interviews mit Mitgliedern des YouGov Panels, die der Teilnahme vorab zugestimmt haben. Für diese Befragung wurden im Zeitraum vom 18. bis 24.03.2026 insgesamt 505 Arbeitnehmer/innen mit einem Arbeitsplatz ohne Computer befragt.
Quelle: HIRSCHTEC



