Startseite » Fachbeiträge » KI-Agenten prägen Arbeitsabläufe unsichtbar

KI-Agenten prägen Arbeitsabläufe unsichtbar

In Unternehmen arbeitet eine unsichtbare Belegschaft mit: KI-Agenten beeinflussen Entscheidungen, filtern Informationen und prägen Arbeitsergebnisse – ohne in Organigrammen aufzutauchen oder kontrolliert zu werden. Warum diese Transparenzlücke für HR-Teams zur Herausforderung wird und wie sich KI sogar auf Arbeitszeugnisse auswirkt, erklärt Hinada Neiron von aconso.

2 Min. Lesezeit
Hand nimmt Klotz mit AI hoch aus einer Reihe mit Klötzen
Foto: ©AdobeStock/Nataliya

Arbeit wird nicht mehr allein von Menschen erledigt: In Unternehmen ist eine neue Form von Belegschaft entstanden. Sie erscheint in keinem Organigramm, wird nicht formal geführt und nur selten so erfasst wie menschliche Mitarbeitende. Dennoch beeinflusst sie bereits, wie Informationen gefiltert, Kommunikationstexte entworfen, Entscheidungen unterstützt und Arbeitsergebnisse geprägt werden.

Die Rede ist von der (un)sichtbaren Belegschaft: KI-Agenten und Automatisierungslösungen, die inzwischen in alltäglichen Arbeitsabläufen tätig sind. Ihr Einsatz erfolgt häufig ohne klare Zuständigkeit, Kontrolle oder Rechenschaftspflicht.

Welche Folgen das für HR-Teams haben kann und wie KI mittlerweile sogar Arbeitszeugnisse beeinflusst, erläutert Hinada Neiron, Head of Global Marketing and Alliances beim Münchner HR-Softwareanbieter aconso.

Die Transparenzlücke in Unternehmen 

Unternehmen stehen damit vor einer grundlegenden Herausforderung, die vielen bisher noch nicht ausreichend bewusst ist. Es reicht nicht, KI verantwortungsvoll einzusetzen. Organisationen müssen auch verstehen, wie Arbeit tatsächlich erledigt wird und wer – oder was – die Ergebnisse beeinflusst.

In der Praxis ist diese Transparenz oft unvollständig. Der Personalbereich definiert möglicherweise Prozesse, während die IT-Abteilung Systeme und Tools freigibt. Wie KI im Alltag tatsächlich genutzt wird, bleibt jedoch häufig außerhalb dieses geregelten Rahmens. Führungskräfte passen Arbeitsabläufe an, um Anforderungen zu erfüllen. Mitarbeitende experimentieren, um effizienter zu arbeiten. KI wird zunächst unterstützend eingesetzt, kann mit der Zeit aber Entscheidungen und Ergebnisse beeinflussen. Einfluss ohne Transparenz lässt sich jedoch nur schwer hinterfragen, erklären oder steuern.

Vertrauen braucht gemeinsame Verantwortung

Für HR-Fachkräfte reicht es nicht mehr aus, lediglich Prozesse zu definieren. Sie müssen verstehen, wie diese Prozesse in der Praxis funktionieren, besonders dort, wo KI interne Arbeitsabläufe und Entscheidungen beeinflusst. Wo steuern Systeme Ergebnisse? Wo ersetzen sie Teile menschlicher Urteilsbildung? Und wie transparent ist dieser Einfluss für die Menschen, die davon betroffen sind?

Diese Fragen sind entscheidend für Vertrauen. Mitarbeitende brauchen Klarheit darüber, wie Entscheidungen getroffen werden, die sie betreffen. Unternehmen müssen sicher sein, dass Prozesse fair und transparent bleiben, wenn KI immer stärker in sie eingebettet wird. Dafür ist eine engere Zusammenarbeit zwischen HR und IT erforderlich. Ebenso wichtig ist ein gemeinsames Verständnis davon, wie Arbeit strukturiert, gesteuert, erlebt und verstanden wird.

Der Wandel durch KI braucht klare Prioritäten

Es gilt, die Grenzen für eine weiterhin ausschlaggebende menschliche Urteilsbildung und die Rolle zu definieren, die KI realistisch übernehmen kann. Ebenso entscheidet das Maß an Transparenz und Nachvollziehbarkeit über ein sicheres Handeln im komplexen regulatorischen Umfeld.

Die (un)sichtbare Belegschaft prägt bereits heute Entscheidungen und Erfahrungen auf eine Weise, die nicht immer sichtbar ist oder hinterfragt wird. Die Herausforderung für HR- und IT-Verantwortliche besteht darin, die aktuelle Rolle von KI zu erkennen und wirksam zu steuern.

Hinada Neiron, Head of Global Marketing and Alliances bei aconso
Foto: ©aconso

Hinada Neiron, Head of Global Marketing and Alliances bei aconso

Andere interessante Fachbeiträge

Mann vor roter Wand schaut zur Seite und wird von gelbem Licht angestrahlt

Die neue Doppelmoral

Jeder zweite Bewerber nutzt bereits KI für Anschreiben und Lebenslauf, während die meisten Unternehmen beim KI-Einsatz im Recruiting noch zögern – eine asymmetrische Entwicklung mi...

Kräne heben Mitarbeiter hoch, symbolisieren Automatisierung

CFOs lieben die Automatisierung von HR-Workflows

HR-Abteilungen verlieren bis zu 80 Prozent ihrer Zeit in manuellen Routinen – Zeit, die für strategische Aufgaben wie Talentmanagement und Mitarbeiterbindung fehlt. Dieser Beitrag ...

Junge Menschen sitzen auf dem Boden und schauen auf ihr Handy

Darum muss Nachwuchs strategische Priorität bleiben

Einstiegspositionen für Hochschulabsolventen fallen zunehmend weg, weil Unternehmen auf KI-Automatisierung und kurzfristige Effizienz setzen – mit der Folge, dass künftig erfahrene...