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Ist die KI kompetenter als der Chef?

Bei welchen Fragen und in welchen Situationen ziehen Angestellte den Austausch mit KI dem Gang in die Chefetage vor? Und wie wird KI das Verhältnis zwischen Arbeitnehmenden und Arbeitgebenden ändern?

3 Min. Lesezeit
Inkompetenter Chef in einem Kinderkarusell
Foto: ©AdobeStock/AIRSTLP

Generativer Künstlicher Intelligenz wird in der öffentlichen Debatte häufig das Potenzial zugeschrieben, speziell Einstiegspositionen und einfache Jobs überflüssig zu machen. KI verändert auch das Verhältnis zwischen Mitarbeitenden und Führungskräften, wie eine aktuelle Indeed-Umfrage zeigt. Demnach halten fast 90 Prozent der Befragten die KI bereits jetzt in bestimmten Bereichen für kompetenter als ihre Vorgesetzten.

KI oftmals zuerst befragt

Fragen oder Probleme am Arbeitsplatz? Ein Drittel der Befragten (33,2 Prozent) wendet sich in solchen Fällen zuerst an Kolleginnen und Kollegen. Doch  26,6 Prozent der Befragten holen bereits heute als Erstes Rat bei einer Künstlichen Intelligenz. Dagegen konsultieren nur 16,2 Prozent bei Unklarheiten oder Hindernissen als Erstes ihren Vorgesetzten. Die Indeed-Umfrage zeigt auch: Deutschlands Arbeitnehmer “sprechen” deutlich häufiger mit einer KI-Lösung als mit ihrem Vorgesetzten. Insgesamt gaben 20,2 Prozent der Befragten an, täglich mit KI im Austausch zu stehen. Nur 12,2 Prozent der Angestellten holen sich hingegen täglich Input von ihrer Führungskraft.

Unbequeme Fragen und die KI

Doch in welchen Situationen ziehen Angestellte den Austausch mit KI dem Gang in die Chefetage vor? Laut der Indeed-Studie sehen 43,4 Prozent die KI bei der gemeinsamen Ideenentwicklung als fähiger. Ähnlich viele (43,2 Prozent) glauben, KI verfüge über mehr Fachwissen als der Vorgesetzte und auch beim Strukturieren von Aufgaben ziehen 42,2 Prozent die KI vor. Bei Feedback und Reflexion sind es immerhin 32,6 Prozent. Nur 11,4 Prozent glauben, ihre Vorgesetzten stünden KI in nichts nach.

Im Zweifel vertrauen allerdings mehr Befragte ihrem Chef als dem Chatbot, auch wenn der Unterschied nicht riesig ist. 32,8 Prozent der Befragten vertrauen bei einer fachlichen Unsicherheit eher ihrem Chef, nur 26 Prozent eher der KI. Für 35,6 Prozent macht es keinen Unterschied: Sie vertrauen gleichermaßen auf die Meinung von ChatGPT und Chef.

Besonders sollte den Führungskräften in Deutschland die Erkenntnis zu denken geben, dass 58,2 Prozent der Befragten sich bei der KI freier als beim Vorgesetzten fühlen, auch mal eine unbequeme oder vermeintlich einfache Frage zu stellen. Bei Frauen liegt dieser Wert besonders hoch:  64,8 Prozent der Frauen möchten solche Themen am liebsten mit der KI diskutieren. Bei Männern liegt der Wert bei 51,6 Prozent.

KI und das Gefühl der Sicherheit

Laut der Indeed-Befragung glaubt ein Großteil, dass KI das Verhältnis zwischen Arbeitnehmer  und Arbeitgeber in Zukunft grundlegend ändern wird: 79,6 Prozent der Befragten glauben, dass KI-Tools Führungskräfte stellenweise entlasten oder sogar ersetzen könnten. Nur 2,2 Prozent glauben, dass das “auf keinen Fall“ passiert. Gleichzeitig demonstriert die Umfrage auch, dass diese Veränderungen für Angestellte positive Auswirkungen haben können: Jeder Zweite (50,8 Prozent) fühlt sich dank KI bei beruflichen Herausforderungen sicherer, weitere 18 Prozent können viele Aufgaben nun unabhängiger lösen.

Dr. Stefanie Bickert, Job- und Karriere-Expertin bei Indeed, kommentiert die Ergebnisse:

“Unsere Umfrage zeigt, dass generative KI nicht nur einfache Arbeitsabläufe beeinflusst, sondern auch die Schwächen klassischer Führung offenbart. Viele Beschäftigte wenden sich bei Unsicherheiten bereits heute eher an den Chatbot als an ihren Chef oder ihre Chefin. Das liegt einerseits vermutlich daran, dass die KI meist schneller und einfacher verfügbar ist als die Führungskraft. Andererseits ist dies aber auch ein Indiz dafür, dass es im Arbeitsalltag an Offenheit und Vertrauen fehlt. KI wird nämlich nicht nur wegen ihres Fachwissens genutzt, sondern weil sie nicht urteilt, nicht unterbricht und keine Sanktionen befürchten lässt. Doch wo Führung von KI ersetzt wird, entstehen zwar weniger offen ausgetragene Konflikte, aber eben auch weniger Innovation, Vertrauen und echtes Miteinander.

Insofern müssen Führungskräfte diese Entwicklung ernst nehmen. KI kann gewiss schnell und niedrigschwellig fachliche Orientierung bieten, aber die Bedeutung für Arbeitszufriedenheit und Produktivität entscheidet sich in der Interaktion. Daher braucht es auch in Zukunft Führungskräfte, die Input aufgreifen, validieren und Raum für Neues schaffen. Gute Führung heißt dann weiterhin: zuhören, ernst nehmen und zusammen weiterdenken. Gleichzeitig dürfen auch Beschäftigte KI nicht als stillen Ausweg vor unangenehmen Gesprächen begreifen, denn Widerspruch und Diskussion gehören ebenso zu einer gesunden Arbeitskultur wie Vertrauen und Unterstützung.“

Quelle: indeed

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