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Mangelnder Wissenstransfer wird oftmals zum Problem

Häufig wird dem strukturierten Offboarding, also einem geregelten Austrittsprozess aus dem Unternehmen, zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. In beiden Fällen geht dem Unternehmen wertvolles Wissen verloren. Wissensmanagement kann dazu beitragen, Wissen systematisch zu sichern und zugänglich zu machen.

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Wissenstransfer: Hände übergeben Glühbirne
Foto: ©AdobeStock/Andrii

Niederschwellige Wissensvermittlung wie Learning by Doing und informeller Informationsaustausch: Darauf setzen viele Unternehmen. Wichtig ist jedoch, dass Führungskräfte diese Ansätze stärken. Nur so lässt sich wichtiges internes Know-how sichern.

Laut dem aktuellen Hernstein Management Report geben rund 60 Prozent der befragten Führungskräfte an, dass erworbenes Wissen von Mitarbeitenden häufig kaum an nachfolgende Personen oder im Kollegenkreis weitergegeben wird. In einer repräsentativen Studie wurden 1.600 Führungskräfte in Deutschland und Österreich zu den Themen Lernen und Wissensweitergabe befragt.

Wissensweitergabe ist in vielen Unternehmen noch nicht ausreichend strukturell verankert“, erklärt Gabriele Fantl, Leiterin des Bereichs Vertrieb und Projektmanagement des Bildungsinstituts Hernstein der FH Wien der Wirtschaftskammer Wien. „Wenn Wissen stark an einzelne Personen gebunden bleibt, kann das unterschiedliche Ursachen haben – etwa fehlende Übergabeprozesse, begrenzte zeitliche und personelle Ressourcen oder Unsicherheit darüber, wie Wissen geteilt werden soll.

Häufig wird dem strukturierten Offboarding, also einem geregelten Austrittsprozess aus dem Unternehmen, zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. In beiden Fällen geht dem Unternehmen wertvolles Wissen verloren. Wissensmanagement kann dazu beitragen, Wissen systematisch zu sichern und zugänglich zu machen. Voraussetzung dafür ist eine Unternehmenskultur, die Austausch fördert und von der Führungsebene aktiv getragen wird“, so Fantl weiter.

Qualifikationsdefizite bei Neueinstellungen

Unternehmen spielen eine wichtige Rolle bei der Ausbildung ihrer Mitarbeitenden. „Das beginnt bei der dualen Berufsausbildung für Auszubildende, betrifft aber ebenso Einarbeitungs- oder Qualifizierungsprogramme sowie Learning-on-the-Job. Rund sieben von zehn Führungskräften sind der Ansicht, dass neue Mitarbeitende nicht ausreichend qualifiziert in die Unternehmen kommen. Ein möglicher Grund dafür ist der Fachkräftemangel in vielen Branchen, zugleich gewinnen unternehmensspezifische Anforderungen an Bedeutung“, erklärt Fantl.

Learning by Doing ist beliebte Weiterbildungsmaßnahme

84 Prozent der Befragten messen dem Lernen im Arbeitsalltag und dem informellen Informationsaustausch große Bedeutung zu – in Deutschland mit 81 Prozent etwas weniger als in Österreich mit 88 Prozent. Auch formale Lernformate bleiben relevant: Interne Schulungen erreichen 75 Prozent, externe Schulungen werden von 60 Prozent als wichtiger Bestandteil der Kompetenzentwicklung gesehen.

„Informeller Austausch und kollegiale Beratung ermöglichen einen unmittelbaren Wissenstransfer im Arbeitskontext und fördern Zusammenarbeit und Vertrauenskultur. Gleichzeitig bieten externe Schulungen strukturierte Impulse, neue Perspektiven und methodische Vertiefung. Entscheidend ist das Zusammenspiel beider Lernformen“, sagt Fantl.

„Informelles Lernen ist dabei häufig stark von einzelnen Personen abhängig. Ohne klare Standards oder Dokumentation besteht das Risiko, dass Wissen nicht systematisch gesichert wird. Mit steigender Managementebene gewinnt daher auch die gezielte externe Weiterbildung weiter an Bedeutung“, konkretisiert Fantl.

Laufende Weiterbildung notwendig

Drei Viertel der Führungskräfte sind der Ansicht, dass laufende Weiterbildung der Mitarbeitenden aufgrund der raschen Veränderungen notwendig ist. Je höher die Führungsebene, desto stärker wird diese Ansicht vertreten.

Als Gründe, weshalb Weiterbildung an Bedeutung gewonnen hat, werden eine gestiegene Bedeutung von Soft Skills sowie veränderte Anforderungen an Mitarbeiterführung (19 Prozent) genannt. Schnelllebigkeit und ständige Veränderung (17 Prozent) sowie eine höhere Komplexität von Prozessen und Aufgaben (14 Prozent) machen ebenfalls mehr Weiterbildung erforderlich. Weiterbildung kann auch monetäre Vorteile bringen. „Acht von zehn Führungskräften sind der Ansicht, dass Weiterbildung mit mehr Gehalt verbunden sein sollte “, so Fantl.

Auf die Frage, welche Ursachen es geben könnte, dass Unternehmen dem Bereich Weiterbildung eine sinkende Bedeutung zuschreiben, wurden mit 21 Prozent die hohen Kosten sowie mit 19 Prozent der Mangel passender Angebote am häufigsten genannt.

Wunschthemen für Weiterbildung

Auf die Frage, zu welchem Thema sie sich Weiterbildung wünschen, um ihre Führungsaufgaben besser erfüllen zu können, nannten 13 Prozent der Führungskräfte „Social Skills“ und 10 Prozent Krisen- und Konfliktmanagement. „Bei der Weiterbildungsform bevorzugen die befragten Führungskräfte am stärksten Präsenzformate; ob unternehmensintern oder extern ist dabei nicht relevant“, zitiert Fantl aus den Antworten.

Über die Studie

Der Hernstein Management Report erhebt seit über 20 Jahren ein jährliches Stimmungsbild unter Führungskräften und Unternehmerinnen und Unternehmern. Befragte Personen: 1.600 Führungskräfte sowie Unternehmerinnen und Unternehmer, davon 1.000 in Deutschland und 600 in Österreich. Maximale Schwankungsbreite: +/- 2,5 Prozent. Befragungsart: Online-Befragung, durchgeführt von Triple M Matzka Markt- und Meinungsforschung.

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