Startseite » News » Keine langfristigen Nachteile durch längere Elternzeiten

Keine langfristigen Nachteile durch längere Elternzeiten

Jene Neueingestellten, die als Vertretung für die anstehenden Elternzeiten in den Betrieb eintraten, hatten im Schnitt die gleiche Wahrscheinlichkeit, länger als 12 Monate im Betrieb zu bleiben wie andere Neueingestellte. „Demnach könnten Elternzeitvertretungen in vielen Fällen ein Weg in eine dauerhafte Beschäftigung sein“, so Mathias Huebener vom BiB.

2 Min. Lesezeit
Elternzeit
Foto: ©AdobeStock/Evrymmnt

Das Elterngeld löste das Erziehungsgeld ab und führte dazu, dass zunächst die Abwesenheiten der Mütter nach der Geburt des Kindes länger wurden. Dadurch sank kurzfristig die Beschäftigung in kleinen und mittleren Unternehmen. Es ergaben sich jedoch auf Dauer keine negativen Effekte auf Beschäftigung, Löhne oder den Fortbestand der Betriebe, wie eine kürzlich veröffentlichte Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) und des Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) zeigt.

Während unter den Regelungen des Erziehungsgeldes etwa 40 Prozent der Mütter innerhalb von 12 Monaten nach der Geburt in den Betrieb zurückkehrten, waren es unter den Regelungen des Elterngeldes nur 20 Prozent. In diesem Zeitraum ging infolge der längeren Abwesenheit der Mütter die Gesamtanzahl der Beschäftigten im Betrieb um drei Prozent zurück. Kurzfristige Beschäftigungslücken blieben aber ohne negative langfristige Konsequenzen wie dauerhaft niedrigere Beschäftigung oder häufigere Betriebsschließungen. „Überproportionale Belastungen für Betriebe durch längere Elternzeiten scheinen somit kein stichhaltiges Argument gegen diese wichtige familienpolitische Maßnahme zu sein“, erklärt Michael Oberfichtner, Leiter des Forschungsbereichs „Betriebe und Beschäftigung“ am IAB und Mitautor der Studie.

Etwa ein Drittel aller Mütter wurden von Betrieben durch Neueinstellungen in den Monaten vor der Geburt ersetzt. Der Anstieg an Neueinstellungen war dabei größer, wenn nur wenige andere Beschäftigte im Betrieb den gleichen Beruf ausübten und somit die Arbeit der Mütter teilweise übernehmen konnten. In den Monaten vor dem Geburtstermin stellten Betriebe vermehrt Personen mit ähnlichen demografischen Merkmalen wie die werdenden Mütter ein, also insbesondere jüngere Frauen. Jene Neueingestellten, die als Vertretung für die anstehenden Elternzeiten in den Betrieb eintraten, hatten im Schnitt die gleiche Wahrscheinlichkeit, länger als 12 Monate im Betrieb zu bleiben wie andere Neueingestellte. „Demnach könnten Elternzeitvertretungen in vielen Fällen ein Weg in eine dauerhafte Beschäftigung sein“, so Mathias Huebener, Leiter der Forschungsgruppe „Bildung und Humanvermögen“ am BiB und Mitautor der Studie.

Die längere Erwerbsunterbrechung wirkte sich darüber hinaus auch nicht negativ auf die Erwerbsverläufe der Mütter aus. Ab dem Ende der maximalen Bezugszeit des Elterngeldes waren die Anteile der Mütter, die zu ihrem früheren Betrieb zurückgekehrt sind, sehr ähnlich wie vor der Einführung des Elterngeldes. Zudem hatte dessen Einführung keine negativen Konsequenzen für die Beschäftigungsaussichten junger Frauen. In den Betrieben veränderten sich weder die Anzahl an Neueinstellungen, der Anteil an jungen Frauen an den Neueingestellten noch die Löhne von jungen Frauen bei ihrer Anstellung.

Die Studie ist hier abrufbar.

Quelle: IAB

Andere interessante News

Eine Zickzack-Kurve vor dem Meer

Auf Datenwellen surfen und nicht darin ertrinken

Die Unternehmen wandeln sich, die Mitarbeiterschaft wird komplexer und der Gesetzgeber entwickelt permanent neue Regularien. So behalten Sie den Überblick.

Markus Stier und Franz Langecker auf den HR & Payroll Tools Days 2026

So waren die 1. HR & Payroll Tools Days in Köln

Die HR & Payroll Tools Days 2026 brachten die HR- und Payroll-Branche in Köln zusammen. Ein Rück- und Ausblick auf ein gelungenes Event.

Frau hält Schild vor ihr Gesicht, auf dem No! steht

Im Prozess ist die Absage die Regel

Standardfloskeln, Ghosting und wochenlanges Schweigen: Eine aktuelle Studie deckt auf, wie Arbeitgeber mit schlechten Absagen ihre Arbeitgebermarke massiv beschädigen. Die Zahlen s...