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Gut reisen, gut führen : Was HR von C-Level-Gewohnheiten unterwegs lernen kann

Geschäftsreisen sind weit mehr als organisatorische Abläufe. Richtig gestaltet, werden sie zu einem Führungsinstrument, schreibt unser Autor Eugen Triebelhorn. Das Thema Wohlbefinden auf Geschäftsreisen rückt immer stärker in den Mittelpunkt und wird zum Führungsprinzip.

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Zwei Führungskräfte mit Trolleys auf Geschäftsreise
Foto: ©AdobeStock/Drazen

Gute Führungsentscheidungen entstehen nicht allein im Boardroom. Sie basieren auf Routinen und Gewohnheiten, die Führungskräfte fokussiert und leistungsfähig halten – gerade dann, wenn sie viel unterwegs sind.

Während Geschäftsreisen für viele in der Chefetage zum Alltag gehören, zeigt eine aktuelle TravelPerk-Studie unter 600 C-Level-Führungskräften in Deutschland, Großbritannien, den USA und Spanien eine bemerkenswerte Entwicklung: Das Thema Wohlbefinden auf Geschäftsreisen rückt immer stärker in den Mittelpunkt. Für viele Führungskräfte ist es längst kein „Nice-to-have“ mehr, sondern vielmehr ein Führungsprinzip und zentraler Performance-Treiber. HR-Abteilungen können daraus wertvolle Impulse ziehen.

Reisen als Balanceakt

Nur 25 Prozent der befragten CEOs empfinden Reisen als Herausforderung für ihre Work-Life-Balance. Fast die Hälfte (49 Prozent) setzt bewusst Zeitgrenzen, um ihre Produktivität aufrechtzuerhalten, ohne in einen Dauerstress-Modus zu verfallen. Dabei geht es nicht nur darum, rund um die Uhr zu arbeiten, sondern die Balance durch gezielte Pausen zu wahren und Ressourcen zu schonen. Für viele Führungskräfte ist Reisen Teil eines Lebensstils, der Fokus und Regeneration gleichermaßen ermöglicht, statt in einen Burnout zu führen.

Wohlbefinden als Erfolgsfaktor

Für Manager ist Wohlbefinden kein Luxus, sondern eine der Voraussetzungen für Spitzenleistungen. Ihre Reiseentscheidungen spiegeln diese Haltung wider:

  • 43 Prozent wählen Hotels in einer ruhigen Umgebung
  • 40 Prozent legen Wert auf ein hochwertiges Frühstück
  • 34 Prozent achten bewusst auf gesunde Ernährung

Auch die ersten Momente nach der Ankunft folgen diesem Muster: Statt direkt ins Büro zum nächsten Termin zu hetzen, nehmen sich 21 Prozent die Zeit, zu duschen oder sich frisch zu machen, während 17 Prozent ihre Familie oder Freunde anrufen. Nur 3 Prozent starten ohne Pause direkt ins Meeting. Die Botschaft ist klar: Zuerst die eigene innere Balance wiederherstellen – dann erst geht es zurück an die Arbeit. Das spiegelt einen grundlegenden Wandel im Denken wider: Führungskräfte wenden sich von kurzfristiger Produktivität um jeden Preis ab und setzen stattdessen auf nachhaltige Leistung – um ihre Energie und mentale Klarheit langfristig zu erhalten.

Beziehungen als Ressource

Wohlbefinden hat auch eine starke soziale Dimension. Geschäftsreisen können isolierend wirken – doch viele Führungskräfte halten bewusst dagegen: 73 Prozent reisen nicht immer allein, sondern nehmen Partner:innen (53 Prozent), Kinder (22 Prozent), Freunde (21 Prozent) oder sogar Haustiere (9 Prozent) mit.

Die Verbindung von Beruflichem und Privatem schafft emotionale Stabilität und Resilienz. So verlängert etwa einer von fünf Führungskräften (21 Prozent) seine Geschäftsreise um private Zeit. Hybrides Reisen ist kein Sonderfall mehr, sondern zunehmend  Teil eines modernen Führungsstils.

Stabilität durch feste Routinen

Eine weitere wichtige Erkenntnis: Neben Balance und sozialen Kontakten setzen viele Executives auf Konsistenz. Kleine Rituale sorgen unterwegs für Struktur und sichern Leistungsfähigkeit. 44 Prozent bevorzugen ruhige Abteile im Zug, während 37 Prozent für WLAN im Flugzeug bezahlen. Was wie Komfort klingt, ist in Wahrheit ein Werkzeug, um einen gleichmäßigen Rhythmus aus Fokus, Erreichbarkeit und Erholung aufrechtzuerhalten.

Auch meine eigenen Erfahrungen als Führungskraft zeigen: Zeit und Energie sind die wertvollsten Ressourcen. Reisen kann intensiv sein und unvorhersehbare Situationen mit sich bringen, deshalb habe ich kleine Routinen entwickelt, die einen großen Unterschied für mich machen. Wann immer es möglich ist, buche ich Flüge früh am Morgen – sie sind weniger voll und pünktlicher. Damit ist mir ein konzentrierter und entspannter Start in den Tag gesichert. Am Flughafen nutze ich Priority-Sicherheitskontrollen,  Lounge-Zugang und plane bewusst ausreichend Vorlaufzeit ein – selbst bei späteren Flügen. So vermeide ich Stresssituationen und kann die Wartezeit nutzen, um fokussiert zu arbeiten. Am Zielort angekommen, steht mir dann noch ein kompletter Arbeitstag bevor. Diese scheinbar kleinen Routinen schenken mir jeden Tag Stunden zurück und tragen dazu bei, meine beste Leistung zu erbringen. 

Was HR mitnehmen kann

Für HR lassen sich aus den Ergebnissen konkrete Handlungsempfehlungen ableiten:

●      Reiserichtlinien neu denken: Neben Kosten und Compliance sollten auch Wohlbefinden, Flexibilität und Balance berücksichtigt werden.

●      Persönliche Routinen ermöglichen: Mitarbeitenden die Freiheit geben, ihre Gewohnheiten unterwegs beizubehalten – durch passende Hotels, flexible Flugzeiten oder gesunde Ernährung.

●      Hybrides Reisen fördern: Die Kombination von Arbeit und Freizeit  unterstützen – für mehr Engagement, nachhaltige Leistungsfähigkeit und eine stärkere Mitarbeiterbindung.

HR kann Geschäftsreisen damit vom reinen Kostenfaktor in einen Hebel für Performance, Engagement und langfristige Motivation verwandeln.

Mehr als Logistik: Reisen als Wettbewerbsvorteil

Geschäftsreisen sind weit mehr als organisatorische Abläufe. Richtig gestaltet, werden sie zu einem Führungsinstrument – und damit zu einem echten Wettbewerbsvorteil. Führungskräfte, die unterwegs ihre Balance wahren, treffen bessere Entscheidungen, erzielen nachhaltigere Ergebnisse und bringen mehr Energie in ihre Teams. Wohlbefinden auf Reisen ist kein „Nice-to-have“. Es ist ein Führungsprinzip – und passt in jedes “Handgepäck”.

 

Autor: Eugen Triebelhorn, Vice President of Revenue für DACH bei TravelPerk

 

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