Wie wir als Lernexperten die KI-Revolution meistern : Praxis-Tipps für L&D-Professionals
Als Lernexperten stehen wir vor einer Doppelherausforderung: Wir müssen KI-Kompetenzen entwickeln und gleichzeitig KI für unsere eigene Arbeit nutzen. Genau diese Doppelrolle macht uns zu idealen Change-Agents für die KI-Transformation. Unsere Erfahrungen mit KI-Tools können zu authentischem Lernmaterial werden. Unsere Fehler zu wertvollen Lektionen. Unsere Erfolge zu Best Practices. Denn KI versteht man nur, indem man sie anwendet.

Von der Doppelrolle zur Chance: KI trainieren und mit KI trainieren – dies zeigt unser Learning- und KI-Experte Thomas Jenewein, Business Development Manager bei SAP Training & Adoption Europe, in seinem neusten Artikel für die HR Performance praxisorientiert auf.
Kennen Sie das? Sie sitzen in Meetings über KI-Strategien, und sollen KI-Trainings entwickeln, während Sie selbst noch experimentieren, was ChatGPT & Co. eigentlich können. Gleichzeitig nutzen Ihre Teilnehmenden längst KI-Tools – nur reden sie nicht darüber. Ethan Mollick, KI-Experte und Professor für Management an der Wharton University, bringt es auf den Punkt: „Menschen nutzen KI ständig als Coach für ihre Arbeit, aber sie sprechen nicht mit dem Management darüber.“
Als Lernexperten stehen wir vor einer Doppelherausforderung: Wir müssen KI-Kompetenzen entwickeln und gleichzeitig KI für unsere eigene Arbeit nutzen. Genau diese Doppelrolle macht uns zu idealen Change-Agents für die KI-Transformation. Unsere Erfahrungen mit KI-Tools können zu authentischem Lernmaterial werden. Unsere Fehler zu wertvollen Lektionen. Unsere Erfolge zu Best Practices. Denn KI versteht man nur, indem man sie anwendet.
Wenn wir ehrlich sind: Die 360-Milliarden-Dollar-Weiterbildungsindustrie steht vor der größten Disruption seit dem E-Learning-Boom. Josh Bersin, weltweit führender Branchenanalyst, Forscher und Vordenker im Bereich HR, spricht von einer Revolution im Corporate Learning“. Bei SAP sahen wir die Entwicklung von 90 KI-Use-Cases im Oktober 2025 auf geplante 430 bis Jahresende 2025. Das ist nicht linear – das ist exponentiell.
Und das bedeutet: Business as usual funktioniert nicht mehr. Und die nächste Welle steht schon vor uns – doch dazu nachfolgend mehr.
Die heimliche KI-Nutzung: Ein Alarmsignal für Learning and Development (L&D)
Wenn Mitarbeitende KI heimlich nutzen, ist das kein Compliance-Problem – es ist ein Vertrauensproblem. Und wir in der Personalentwicklung und Weiterbildung tragen Mitverantwortung. Stellen Sie sich diese Fragen:
- Haben wir einen sicheren Raum geschaffen, in dem Experimente erwünscht sind?
- Leben wir selbst vor, wie wir KI nutzen – mit allen Erfolgen und Fehlschlägen?
- Sammeln wir die wertvollen Use Cases, die gerade überall entstehen?
- Oder verhindern wir Innovation durch Kontrolle statt Enablement?
Meine Empfehlung: Starten Sie ein internes „Prompt Sharing“ – eine Sammlung funktionierender Prompts aus der Praxis. Bei SAP nutzen wir dafür Communitys. Das schafft psychologische Sicherheit und macht implizites Wissen explizit.
Von Adoption zu Adaptation: Was wir als L&D anders machen müssen
Adoption heißt: Leute nutzen KI-Tools. Adaptation bedeutet: Wir denken Lernen, Arbeit und Rollen neu. Mit Agentic AI – autonomen KI-Agenten, die komplexe Aufgaben eigenständig erledigen – verschiebt sich unsere Rolle fundamental. Mollick fragt: „Was mache ich allein? Was ko-intelligent mit KI? Was delegiere ich komplett an KI?“
Diese Frage gilt auch für uns L&D-Professionals:
Was können wir an KI delegieren?
- Erstentwurf von Schulungsskripten
- Quiz- und Assessment-Fragen generieren
- Übersetzungen von Lernmaterialien
- Zusammenfassungen von Dokumentationen
- Video-Avatare für standardisierte Erklärungen
Was sollten wir behalten?
- Priorisierung und Strategieentwicklung
- Kuration und Qualitätssicherung
- Facilitation und menschliche Interaktion
- Kontextualisierung für spezifische Unternehmenskultur
- Emotionale Begleitung in Lernprozessen
Obwohl auch bei den letzteren Punkten KI unterstützen kann – wir müssen als Menschen da nur im Lead sein. Bei SAP nutzen wir bereits AI-Services auf mehreren Ebenen in der Weiterbildung: für Autoren zur Content-Erstellung (Quizzes, Skripte, Medien via Synthesia), für Lernende zur Wissenssuche und Personalisierung.
KI-Training: Was Lernende wirklich brauchen (und was nicht)
Vergessen Sie 3-Tages-Kurse zu „Einführung in KI“. Eine allgemeine Einführung gibt es überall kostenlos (auch bei SAP). Was funktioniert:
Hands-on-Promptathons statt Frontalschulungen
Mein Lieblings-Format: zwei bis acht Stunden, kleine Teams, echte Arbeitsprobleme, verschiedene KI-Tools, die auch sonst nutzbar sind.
Das Setup:
- Max. fünf Teilnehmende, je nach Gruppe
- Jede Gruppe bringt eine reale Challenge mit (oder Sie bereiten das im Vorfeld vor)
- Digitales Whiteboard (Miro, Mural) für Dokumentation
- Minimal Input (20 Minuten), Maximum Practice (2+ Stunden)
- Am Ende: Prompts und Learnings teilen
Unternehmen wie die Deutsche Telekom und Continental nutzen dieses Format bereits. In der Corporate Learning Community haben wir hybrid Promptathons durchgeführt – funktioniert remote genauso gut wie on-site. Bei SAP machen wir dies für Hunderte Mitarbeiter online mit Break-out Groups.
Rollenbasiertes Upskilling statt „One size fits all“
Ein Entwickler braucht Code-Copiloten, ein HR-Manager braucht Textgenerierung, ein Vertriebler braucht Recherche-Skills. Unsere Lösung bei SAP:
- Self-Assessment zur Standortbestimmung (Awareness, Motivation, Wissen, Anwendung)
- Rollenspezifische Learning Journeys im SAP Learning Hub
- Themenbasierte Vertiefung (Joule Copilot & Agents, Embedded AI, ML Services, Responsible AI)
Bauen Sie auf Selbstorganisation: Lernende erstellen ihren eigenen Lernplan. Wir kuratieren eher.
Peer-Learning als Kernformat
Die besten KI-Trainings? Kollegen zeigen Kollegen ihre Use Cases.
Lesen Sie den vollständigen Beitrag aus der HR Performance 2/2026.



