Wie der Workplace-ROI das Büro steuerbar macht
Büroflächen sind keine statische Größe mehr, sondern werden mit der richtigen Strategie zum intelligenten Ökosystem. Wie das gelingen kann, zeigt der Office-ROI.

In deutschen Büros klafft oft eine große Diskrepanz zwischen theoretischer Planung und gelebter Realität: Im Regelfall sind bis zu 60 % der Ressourcen ungenutzt, das Büro gleicht einer Geisterstadt. Klassische Planungslogiken wie „x Mitarbeitende = y Schreibtische“ greifen in einer modernen Arbeitswelt nicht mehr. Realität und Nutzung stimmen nicht überein. Heute muss das Büro seinen wirtschaftlichen und menschlichen Wert stärker denn je rechtfertigen. Es geht nicht mehr nur darum, Schreibtische und andere Ressourcen bereitzustellen, sondern Flächen intelligent zu gestalten, Kosten zu optimieren und gleichzeitig die Bedürfnisse der Mitarbeitenden zu berücksichtigen. Gleichzeitig sollen Office Management und Administratorinnen bzw Administratoren den Verwaltungsaufwand reduzieren, Klarheit über die Nutzung schaffen und fundierte Entscheidungen treffen.
Office ROI: Definition und Berechnung
In der Praxis ist es oft jedoch gar nicht so leicht, die richtige Mischung aus Schreibtischen, Meetingräumen und Co. für die eigene Belegschaft zu ermitteln. Genau hier kommt der Office-ROI ins Spiel. Er verknüpft die tatsächliche Nutzung von Büroflächen mit den Kosten und zeigt damit die aktuelle Flächeneffizienz und Potenziale für Optimierung auf.
Berechnet wird der ROI auf Basis von Schreibtischbuchungen, der Reduktion der Arbeitsplatzanzahl, der Standardfläche pro Arbeitsplatz und den Mietkosten pro Quadratmeter anhand folgender Formel:
ROI = Reduction Desk Ratio x m2 per Desk x Lease Cost per m2 p.a. / Desk Booking Cost per User p.a.
Erklärung der Komponenten der ROI-Formel:
- Reduktionsfaktor der Arbeitsplätze:
Dieser Faktor zeigt, welcher Anteil an Arbeitsplätzen potenziell eingespart werden kann, ohne die Mitarbeitendenzufriedenheit zu beeinträchtigen. Erfahrungswerte zeigen hier im Durchschnitt einen Wert von rund 20 % (Faktor 0,2), Abweichungen sind aber möglich. - 10 m² pro Arbeitsplatz:
Dies entspricht der Standardfläche für einen einzelnen Arbeitsplatz. Sie umfasst den persönlichen Bereich sowie den Anteil pro Person an Gemeinschaftsflächen. - Mietkosten pro Quadratmeter und Jahr:
Dieser Wert gibt an, wie hoch die jährlichen Kosten für die Fläche pro Quadratmeter sind. Zusammen mit der Fläche zeigt er die finanziellen Auswirkungen von Flächennutzung und Einsparungen.
Lizenzkosten: Dies sind die Kosten, die pro Mitarbeiter:in im Jahr für das Desk Booking anfallen. Sie variieren je nach Mitarbeitendenzahl.
Messbarkeit in der Praxis
Damit der Office-ROI aussagekräftig wird, müssen Unternehmen die Nutzung ihrer Büroflächen kontinuierlich messen und analysieren. Digitale Tools wie Buchungssysteme, Sensoren oder Workplace-Management-Apps liefern eine verlässliche Datenbasis.
Wichtige Kennzahlen in der Praxis sind:
- Büroauslastung: Der Sweet Spot liegt zwischen 70 und 90 %. Das ist ein Bereich, in dem Flächen effizient genutzt werden, ohne dass Mitarbeitende das Gefühl eines überfüllten Büros erhalten.
- Flächen pro Person: Für konzentriertes Arbeiten ist eine Bürofläche von rund 10 m² pro Person empfehlenswert, während für Meetingräume 1,5 m² pro Person plus 2,5 m² Puffer vorgesehen sind, um Flexibilität und ausreichenden Raum für Besprechungen zu gewährleisten.
- Optimierte Auslastung: Digitale Tools und Plattformen ermöglichen es, die Auslastung der Schreibtische, also das Verhältnis von Mitarbeitenden zu Schreibtischen, zu verbessern.
Vom Datenpunkt zum Flächenkonzept
Daten allein zu erheben, reicht jedoch nicht aus. Entscheidend ist, die Erkenntnisse auch in die Praxis zu übersetzen. Eine kombinierte Flächen- und Nutzungsanalyse zeigt zunächst, welche Räume intensiv genutzt werden. Darauf basierend lässt sich ableiten, welche Flächen sich umfunktionieren oder reduzieren lassen, ohne die Arbeitsqualität der Mitarbeitenden zu beeinträchtigen. Beispielsweise können Workplace Manager:innen durch eine gezielte Umwandlung weniger genutzter Besprechungsräume in Rückzugs- oder Projektzonen die Effizienz der Fläche steigern. Zugleich können Unternehmen bei Umzügen kleine Büroflächen anmieten und so zusätzliche Kosten sparen.
Damit aus den Daten ein tragfähiges Konzept entsteht, braucht es flexible Nutzungskonzepte, die sich an hybride Arbeitsmodelle anpassen lassen. Dazu zählen:
- Multifunktionale Meetingräume, die sich an Gruppengröße und Zweck anpassen lassen.
- Rückzugs- und Konzentrationsbereiche für fokussiertes Arbeiten.
- Offene Projekt- und Kollaborationszonen, die Teamarbeit fördern.
- Desk-Sharing-Modelle, die die Anzahl benötigter Schreibtische reduzieren.
Die Optimierung bedeutet dabei nicht automatisch weniger Fläche, sondern eine funktionale, sinnvolle Gestaltung. Bedarfsanalysen und digitale Dashboards helfen, Szenarien zu simulieren, Abweichungen zwischen Planung und Realität zu erkennen und den optimalen Bereich zwischen Kosten, Auslastung und Mitarbeitendenzufriedenheit zu bestimmen.
Human Factor: Raumkonzepte als Spiegel der Unternehmenskultur
Klar wird: Die Gestaltung der Bürofläche ist immer auch Ausdruck der Unternehmenskultur. Offene, kollaborative Zonen motivieren zum Austausch und zur Zusammenarbeit, während klare Rückzugsräume zeigen, dass das Unternehmen Wert auf Konzentration und Ruhe legt. Unternehmen, die ihren Mitarbeitenden Wahlmöglichkeiten bieten, zeigen Wertschätzung und fördern sowohl Kreativität als auch Bindung.
Beispielsweise kann eine Firma mit stark projektorientierter Arbeitsweise modulare „Project-Labs“ einrichten, die je nach Teamgröße und Phase flexibel umgestaltet werden. Für Teams mit vielen Wissensarbeiter:innen können kleine, akustisch geschützte Arbeitsnischen sinnvoll sein, die Konzentration fördern. So lassen sich individuelle Anforderungen in eine Gestaltungsstrategie integrieren.
Bei aller Individualität müssen Flächen jedoch auch wirtschaftlich sein. Das bedeutet nicht, Kosten gegen Mitarbeitendenzufriedenheit auszuspielen, sondern beides intelligent zu verbinden. So werden wenig genutzte Konferenzräume beispielsweise zu „Multi-Purpose-Spaces“ mit mobiler Möblierung. Eingesparte Ressourcen lassen sich aber auch smart reinvestieren, etwa in Form ergonomischer Möbel oder für eine verbesserte Akustik. So wird die Arbeit im Büro attraktiver. Wirtschaftlichkeit und Menschlichkeit sind also keine Gegensätze, sondern zwei Dimensionen einer ganzheitlichen Strategie.
Den Wandel gemeinsam gestalten
Damit Mitarbeitende solche Veränderungen akzeptieren, braucht es ein durchdachtes Change Management unterstützt durch intelligente Workplace-Management-Lösungen. Verantwortliche sollten die Belegschaft frühzeitig einbinden, etwa durch Befragungen zu ihren individuellen Anforderungen an das Büro oder im nächsten Schritt beim Test von Pilotflächen. Anpassungen lassen sich iterativ testen, wobei digitale Tools Transparenz schaffen und Feedback direkt in die Weiterentwicklung einfließt. Transparente Kommunikation, z. B. über Dashboards mit Auslastungs- und Buchungsdaten, fördert zusätzlich die Akzeptanz. So wird das Büro nicht nur zur Arbeitsfläche, sondern auch zur kulturellen Ressource, die Identität, Effizienz und Zufriedenheit stärkt.
Fazit: Büroflächen als wertschöpfende Ressource
Der Office-ROI macht deutlich: Büroflächen sind keine statische Größe mehr, sondern werden mit der richtigen Strategie zum intelligenten Ökosystem. Unternehmen, die diese Kennzahl konsequent nutzen, erhöhen ihre Effizienz und schaffen Räume, die den Mitarbeitenden echten Mehrwert bieten. Für HR und Facility Management bedeutet dies, die Nutzung kontinuierlich zu messen, Szenarien zu simulieren, den Sweet Spot zu ermitteln und Büroflächen flexibel, funktional und individuell zu gestalten. Auf diese Weise wird das Büro zu einer Ressource, die Wirtschaftlichkeit und Mitarbeitendenzufriedenheit vereint – und damit zu einem echten Wettbewerbsvorteil.

Ivan Cossu, CEO von deskbird



