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Wir haben kein Leistungs-, sondern ein Transformationsproblem

In vielen Köpfen dominiert noch der alte Leistungsbegriff, der Leistung hauptsächlich quantitativ versteht. Dabei korrelieren Menge und Produktivität (Output pro Zeit). Dieses Verständnis war typisch für die Industriegesellschaft und die Massenproduktion. Der heutige Leistungsbegriff ist breiter und gewichtet mehr die Qualität.

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Dienstangestellte von früher bügeln
Foto: ©AdobeStock/Maria

Unter dem Stichwort „HR-Report 2026“ haben das Institut für Beschäftigung und Employability IBE und Hays die empirische Studie „Leistung fördern, nicht nur fordern“ veröffentlicht. Die Diskussion über das Thema Leistung bewegt seit Jahren Köpfe, Herzen und Gemüter in unserem Land. Die Studie hat das Thema auf unterschiedlichen Ebenen mit Hilfe einer empirischen Befragung genauer betrachtet. Die Ergebnisse zeigen, es braucht passende Rahmenbedingungen auf verschiedenen Ebenen. Im Vorwort der Studie heißt es: „Doch fest steht: Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, dann spüren wir das, denn dann können wir zur Höchstform auflaufen und unsere Leistung abrufen.“

Gesellschaft nimmt Leistung ambivalent wahr

Das Thema Leistung ist in ihren Unternehmen sehr wichtig, meinen zwei Drittel der Befragten. Die Studie trägt viele Daten und Aussagen zusammen. Sie bestätigt nicht das Klischee, dass die junge Generation leistungsunwillig ist. Sie zeigt, eindimensionale Aussagen gehen an der gesellschaftlichen Wahrnehmung von Leistung vorbei. Die Studie fokussiert sich weitgehend auf den klassischen Begriff von Leistung. Politiker und Entscheider in der Wirtschaft fordern mehr Leistung und mehr Arbeitszeit. Sowohl diese Studie als auch die Zahlen über die Arbeitszeit zeigen, es mangelt nicht an der Leistungswilligkeit. Und obwohl Bayern bis zu 14 Feiertage hat, liegt dort die Produktivität sehr hoch.

In vielen Köpfen dominiert noch der alte Leistungsbegriff

In vielen Köpfen dominiert noch der alte Leistungsbegriff, der Leistung hauptsächlich quantitativ versteht. Dabei korrelieren Menge und Produktivität (Output pro Zeit). Dieses Verständnis war typisch für die Industriegesellschaft und die Massenproduktion. Der heutige Leistungsbegriff ist breiter und gewichtet mehr die Qualität. Dabei geht es um Effizienz, Innovation, Kundenzufriedenheit, Teamarbeit, soziale Kompetenzen und Nachhaltigkeit. Das rein mengenorientierte Verständnis von Leistung ist von einem umfassenderen Konzept mit qualitativen und sozialen Aspekten abgelöst worden. Für die Babyboomer bedeutete Leistung vor allem hohen Arbeitseinsatz, lange Arbeitszeiten, Pflichtbewusstsein, Disziplin und Loyalität gegenüber dem Unternehmen.

Gen Y und Z verbinden Leistung stärker mit Sinn

Für die Generation X sind Effizienz, Ergebnisorientierung, Karriere, beruflicher Erfolg und Eigenverantwortung wichtig. Die Leistung wird am Ergebnis gemessen. Die Generationen Y und Z verbinden Leistung stärker mit Sinn in der Arbeit, Work-Life-Balance, Flexibilität, Teamarbeit und Kreativität. Ihr Ziel ist es, gute Ergebnisse zu erzielen, ohne das Privatleben zu vergessen. In der gesamtgesellschaftlichen Betrachtung hilft es einige Aspekte zusammenzubringen: die Leistungsvorstellungen der Mitarbeiter, die Arbeitsaufgaben erfüllen, zum Unternehmenserfolg beitragen, Gehalt,  Prämie, Karriere und Anerkennung mit den Zielen des Unternehmens und der Gesellschaft, Güter und Dienstleistungen zu produzieren, Werte zu schaffen, Gewinne zu erzielen, wettbewerbsfähig zu bleiben, Arbeitsplätze zu schaffen und wirtschaftlichen Fortschritt und Wohlstand zu erreichen.

Der Leistungsbegriff der Zukunft setzt auf menschliche Fähigkeiten und Stärken

Viele Studien zeigen, die Leistung der Mitarbeiter ist nicht schlechter geworden. Sie ist nur langsamer gestiegen. Das gilt auch für die Produktivität. Wir stecken im Strukturwandel, der weltweite Kreise zieht. Wir brauchen neue Wege und Antworten. LinkedIn hat bereits darauf reagiert und versteht sich jetzt eher als Facebook für das Business. Dienstleistungen lassen sich nicht so einfach messen. Bürokratie und komplexe Prozesse bremsen. Der Fachkräftemangel und die Demographie senken die Produktivität. Soziale und kreative Arbeit gewinnen an Bedeutung.

Zum heutigen Verständnis von Leistung gehören Qualität, Teamarbeit, Innovation, soziale Verantwortung, Gesundheit und Nachhaltigkeit. In dieser „Netzwerkwelt“ verändert sich auch die Rolle der Führungskräfte. Ihr Fokus liegt stärker auf der Förderung der Stärken der Mitarbeiter und der Teams. Gleichzeitig steigen die Autonomie und die Verantwortung der Beschäftigten. Das erfordert eine gesunde Selbstführung, die viele Mitarbeiter noch lernen müssen, um sich nicht ständig am Limit zu bewegen. Mit KI verschiebt sich der Leistungsbegriff noch mehr in Richtung menschliche Fähigkeiten und Stärken. Dabei geht es um Kreativität, Problemlösungskönnen,  Reaktion auf Veränderungen und Unwägbarkeiten, kritisches Denken, soziale Kompetenzen und nicht zuletzt den Umgang mit KI. Vielen der hier angesprochenen Überlegungen und Themen können Sie auf der Zukunft Personal Nord in Hamburg begegnen.

Und Teil der ganzen Veränderungen ist, dass der Arbeitsmarkt wieder stärker von den Arbeitgebern getrieben wird. Damit verändern sich auch die Regeln für das Recruiting. Die Arbeitgeber bekommen es mit einer Generation zu tun, die weder idealisiert noch resigniert, sondern bewusst Mitgestaltung will.

Wir wünschen allen Ausstellern, Referenten und Besuchern eine erfolgreiche Messe.

Franz Langecker, Chefredakteur HR Performance

Franz Langecker

Chefredakteur HR Performance

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