Viel zu viele Beschäftigte arbeiten im Energiesparmodus
Der Schaden durch Dienst nach Vorschrift ist groß. Dabei erfüllt eine große Mehrheit von 77 Prozent der Beschäftigten ihre Aufgaben pflichtbewusst. Das war es dann aber auch schon. Treffen diese Zahlen tatsächlich zu, dann bleiben ungeheure Ressourcen auf der Strecke, die wir eigentlich brauchen, um die anstehenden Herausforderungen zu meistern.

Die globalen Umbrüche und Veränderungen wirken sich auf alle Unternehmen und Wirtschaftsbereiche aus. Somit steigt der Transformationsbedarf weiter an. Nicht nur die Politik, auch die Wirtschaft muss sich umstellen. Noch gibt es viel Sand im Getriebe. Das Institut Gallup erstellt seit 25 Jahren einen Gallup Engagement Index in Deutschland. Vor wenigen Tagen wurden die aktuellen Zahlen veröffentlicht.
Die Schlagzeile im Kölner Stadt-Anzeiger vom 16. März lautete mit Bezug auf die veröffentlichten Daten: „Schaden durch Dienst nach Vorschrift… Die Gruppe der inneren Kündiger habe 2025 volkswirtschaftliche Produktivitätseinbußen zwischen 119,2 Mrd. und 142,3 Mrd Euro verursacht.“ Laut der Studie haben sich die erdrutschartigen schlechten Ergebnisse des letzten Jahres stabilisiert. Trotzdem bleibt die emotionale Bindung der Mitarbeitenden an ihren Arbeitgeber im Lande weiter auffällig niedrig. Dabei erfüllt eine große Mehrheit von 77 Prozent der Beschäftigten ihre Aufgaben pflichtbewusst. Das war es dann aber auch schon. Treffen diese Zahlen tatsächlich zu, dann bleiben ungeheure Ressourcen auf der Strecke, die wir eigentlich brauchen, um die anstehenden Herausforderungen zu meistern.
Viel zu viele Beschäftigte arbeiten im Energiesparmodus
Dazu heißt es in der Studie: „Das ist weniger ein Einstellungs- als vielmehr ein Führungsproblem. Wer sich von seiner Führungskraft nicht gesehen, eingebunden, gefördert und inspiriert fühlt, erfüllt seine Aufgaben – aber mehr auch nicht. Dabei geht es nicht um das Leisten von mehr Überstunden, sondern um den inneren Antrieb, sich einzubringen, Eigeninitiative zu zeigen, Verantwortung zu übernehmen und so aktiv zum Unternehmenserfolg beizutragen. Emotionale Bindung entsteht nicht durch Appelle, sondern durch gelebte Führungskultur.“ Wie sich emotionale Bindung tatsächlich schaffen läßt, bewies die BMW Group zuletzt vom 18. bis 20. März in München. Nach der offiziellen Vorstellung des neuen Modells am vorletzten Mittwoch mit rund 500 Gästen aus Wirtschaft, Politik, Gesellschaft und Medien sowie 4.000 Beschäftigten folgten in den Tagen darauf weitere sieben exklusive Veranstaltungen für die Mitarbeitenden des Unternehmens. Dabei ging es bewusst um Orientierung und um das gemeinsame Erleben. 35.000 Beschäftigte aus der Konzernzentrale, dem Entwicklungszentrum und dem Stammwerk hatten Gelegenheit, den Hoffnungsträger zu sehen, alles in der Arbeitszeit. Am Freitag ruhte sogar die Produktion, damit auch diejenigen, die künftig die Elektrovariante i3 bauen werden, die Show erleben konnten. HR begleitete die Transformation aktiv. Sie wollte mit den Mitarbeiterveranstaltungen im BMW Park auf offene Kommunikation und persönliche Begegnung setzen. „Denn verantwortungsvoller Wandel entsteht dort, wo Menschen sich eingebunden und wirksam erleben.“
Einen „Lagerfeuer-Moment“ für die Mitarbeitenden schaffen
Mit diesem „Lagerfeuer-Moment“ wollte man den Mitarbeitenden in der BMW Group die Anerkennung für ihren Beitrag und Motivation für die weiteren Schritte in Richtung Neue Klasse signalisieren. Es war ein gemeinsamer Zukunftsimpuls für die gesamte Belegschaft. Die spürbare Begeisterung der Mitarbeitenden für das Produkt war ein prägender Faktor der Veranstaltungen – ein gemeinschaftlicher BMW-Moment, der seine Wirkung in Zukunft nicht verfehlen dürfte. Dieses Erlebnis bleibt für alle unvergesslich. Das war eine Form des evidenzbasierten Lernens. Lernen ist nicht nur Kopf-, sondern auch Herzenssache.
Ilka Horstmeier, Personal- und Immobilienvorständin der BMW Group, betonte: „Gerade in Zeiten tiefgreifender Veränderungen ist persönliche Begegnung durch nichts zu ersetzen. Wenn Menschen zusammenkommen, wächst Vertrauen, Orientierung und gemeinsames Selbstbewusstsein. Die Neue Klasse ist Ausdruck dessen, was wir gemeinsam leisten können – und genau das wollen wir unseren Mitarbeitenden nicht nur erklären, sondern erlebbar machen.“ Mit diesem Event hat das Unternehmen eine starke Botschaft für ihre Arbeitgebermarke geliefert (LINK). Ein gutes Beispiel, das zeigt, wie Change Projekte auch gelingen können (LINK).
Im Fazit der Gallup-Studie heißt es: „Zukunftsfähigkeit entsteht durch gute Führung.“ Sie entscheidet, ob die Beschäftigten emotional hoch gebunden sind oder nur funktionieren. Sie entscheidet, ob sich die Mitarbeitenden zurückziehen, Zukunft aktiv mitgestalten oder abwarten. Appelle verhallen. Sie mobilisieren nicht das brachliegende Potenzial. Es braucht eine Art „Olympisches Feuer“, das Zuversicht und Orientierung ausstrahlt. Die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen hängt von den Menschen ab, die für sie arbeiten. Das gilt nicht nur für BMW, sondern auch für Organisationen wie „Ärzte ohne Grenzen“. Ohne die Menschen schaffen wir es nicht und gibt es keinen Erfolg.

Franz Langecker
Chefredakteur HR Performance



