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Der positive Umgang mit Arbeitszeit gehört zum deutschen Erfolgsmodell

Die Wenigsten wollen zurück in das Arbeitsleben des letzten Jahrhunderts. Die Modernisierung der Arbeitswelt bleibt ein permanentes zeitloses Projekt. Die aktuellen Arbeitszeitdiskussionen verunsichern und helfen nicht wirklich weiter.

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Flexibler Buntstift im Mittelpunkt von geraden Buntstiften
Foto: ©AdobeStock/Aliaksandr

Zeit ist Geld, sagen die Unternehmerinnen und Unternehmer. Zeit ist Lebenszeit, betonen die Beschäftigten. Beide Seiten legen viel in die Waagschale. Arbeitszeit ist für alle wichtig. Es wäre töricht, die Errungenschaften bei der Arbeitszeit in den letzten Jahrzehnten leichtsinnig aufs Spiel zu setzen.

Wer die Entwicklungen der Flexibilisierung der Arbeitszeit in den vergangenen 60 Jahren betrachtet, wird bestätigen, dass sie unverzichtbar waren und sind für die Schaffung und den Erhalt unseres Wohlstands. Sie sichern den sozialen Frieden. Sie stellen sich den Herausforderungen der Zeit und finden immer wieder neue Antworten. Die Lebens- und Arbeitswelten haben sich in den zurückliegenden Jahrzehnten spürbar verändert. Vor zehn Jahren waren die Begriffe Homeoffice und Telearbeit noch negativ besetzt. Als Willi Haller in den 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts die Gleitzeit erfand, liefen viele im Land Sturm dagegen. Gleichzeitig entwickelte sich die Gleitzeit/Flextime in der gesamten industrialisierten Welt zum Erfolgsmodell. Über die Jahrzehnte haben die Tarifparteien die Welt der Arbeitszeit konstruktiv weiterentwickelt, zum Nutzen der Unternehmen und zum Wohle der Beschäftigten. Diese Errungenschaften zu kippen, wäre ein Angriff auf den sozialen Frieden in diesem Land. Die Beschneidung der Teilzeit würde nur den Fachkräftemangel verschärfen.

Wer Misstrauen sät, verspielt die Unterstützung für Reformen

Die Wenigsten wollen zurück in das Arbeitsleben des letzten Jahrhunderts. Die Modernisierung der Arbeitswelt bleibt ein permanentes zeitloses Projekt. Die aktuellen Arbeitszeitdiskussionen verunsichern und helfen nicht wirklich weiter. Die Menschen in Griechenland arbeiten mehr Stunden als die Deutschen. Sind sie produktiver? Womöglich arbeiten die Schweizer mehr. Sie verdienen auch besser. Die Bayern arbeiten weniger als der Rest der Republik. Trotzdem hat das Bundesland eine höhere Produktivität. Die positive Einstellung zur Arbeit gehört zur DNA der Menschen in unserem Land. Jede Generation hat bisher Wege und Lösungen gefunden, den Wohlstand und den Frieden in Deutschland zu sichern. Derzeit arbeiten 46 Millionen Erwerbstätige hier. Den meisten macht die Arbeit Freude, sie gibt Struktur und Halt. Sie stiftet Sinn, ermöglicht soziale Kontakte und ist ein wesentlicher Teil ihrer Identität und Entfaltung. An dieser Stelle lässt sich auch das Aktivrentengesetz nennen.

Nach der Teslaoffensive, der Flüchtlingskrise, der Coronaepidemie und dem anhaltenden Ukrainekrieg spüren die Menschen, dass sich dieses Land verändern muss, wenn es wieder besser werden soll. Sie erwarten konstruktive Vorschläge und Reformdiskussionen. Mit der Kanzlerschen Disziplinierungsrhetorik lässt sich niemand gewinnen und überzeugen. Man bringt nur Menschen gegen sich und andere auf. Mit einfachen Parolen lassen sich komplexe Probleme nicht lösen. Weitsichtig denkende Unternehmen arbeiten daran, die Gründe für die Mitarbeiterfluktuation niedrig zu halten. Wer gute Beschäftigte halten will, sollte ihnen nicht vorschreiben, wie lange sie arbeiten oder welchen Lifestyle sie zu bevorzugen haben. Übrigens entfielen insgesamt weniger als ein Zehntel aller ausgeschriebenen Stellen 2025 auf Teilzeit. So gesehen beruht die Lifestyle-Teilzeit wohl auch auf Gegenseitigkeit.

KI erfordert womöglich noch mehr Flexibilität in der Arbeitswelt

Unternehmen und Beschäftigte spüren bereits den Umbruch, den KI mit sich bringt. Wissen und lernen helfen hier nur begrenzt weiter. Es geht um strukturelle Veränderungen, die gemeistert werden müssen. In der neuen Welt des Human Capital Managements dürfen die Unternehmensführung und die Mitarbeiter dabei Unterstützung von der Personalabteilung erwarten. Wie die Flexibilität der Arbeitswelt in Zeiten von KI aussehen wird, lässt sich heute noch nicht sagen. Die Tarifparteien werden dafür Lösungen finden. KI durchdringt all unsere Lebens- und Arbeitsbereiche. Sie verändert Politik und Verwaltung. Deshalb wäre eine lebendige Diskussion über Chancen und Risiken der KI hilfreicher für unser Land. Es geht darum, die Zukunft zu sichern und zu gestalten. Dafür brauchen wir ein Gesamtprogramm, das Arbeitsmarkt  und Sozialstaat reformiert und die Lasten fair verteilt. 46 Millionen Beschäftigte stehen bereit. Sie wollen ernstgenommen, mitgenommen und wertgeschätzt werden.

Franz Langecker, Chefredakteur HR Performance

Franz Langecker

Chefredakteur HR Performance

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