So hoch ist das Burnout-Risiko in Deutschland : Studie zeigt, wer besonders gefährdet ist
Burnout bedroht die Arbeitskräfte in Deutschland, insbesondere in den Bereichen Gesundheitswesen, öffentlicher Dienst und Einzelhandel. Neue Studien zeigen, dass Beschäftigte in diesen Frontline-Berufen besonders gefährdet sind, auszubrennen und Erschöpfung zu erleben.

Die Untersuchung von Personio, einem Anbieter von HR-Software, basiert auf dem sogenannten Burnout-Risiko-Index. Dieser Index bewertet Faktoren wie Arbeitsplatzunsicherheit, emotionale Belastung, Arbeitsstunden und Fluktuation, um zu bestimmen, in welchen Branchen die Mitarbeitenden am stärksten von Burnout bedroht sind.
Die Ergebnisse zeigen: Das höchste Risiko tragen Beschäftigte in Gesundheit und Pflege mit einem Wert von 67/100. Es folgen der öffentliche Dienst (58), der Einzelhandel (50) und das Bildungswesen (49). Damit wird deutlich, wie stark der Druck in Berufen ist, die viel Kontakt zu Menschen erfordern.
Im Vergleich dazu schneiden typische Büroberufe wie Finanzen (40), Recht (32) und Technologie (30) besser ab, doch auch dort sind lange Arbeitszeiten und hohe Arbeitsbelastungen ein Problem.
Ranking der Branchen nach Burnout-Risiko:
Branche | Burnout-Risiko-Wert |
|---|---|
Gesundheits- und Sozialwesen | 67 |
Öffentlicher Dienst | 58 |
Einzelhandel | 50 |
Bildung | 49 |
Industrie & Bau | 48 |
Finanzen | 40 |
Gastronomie | 38 |
Darstellende Künste | 37 |
Recht | 32 |
Kreative (z. B. Journalismus) | 32 |
Technologie (IT, Software, Daten) | 30 |
Tipps für Arbeitgeber zur Vorbeugung von Burnout
Dorothea Schoeneberg, People Business Partner bei Personio betont, wie Unternehmen aktiv entgegensteuern können:
- Gestalten Sie Arbeit so, dass sie zum Leben passt – und nicht andersherum. Es reicht nicht, bloß „flexible“ Richtlinien zu haben, wenn die Arbeitsabläufe, Deadlines und Meetings das Privatleben nicht wirklich respektieren. Die Balance muss ins System integriert werden.
- Psychische Gesundheit ist Priorität – kein großes Budget und keine aufwendigen Programme nötig. Stress kann man oft schon reduzieren, indem Prioritäten klar sind, Deadlines realistisch bleiben und Pausen respektiert werden. Entscheidend ist eine Kultur, in der man sich gegenseitig unterstützt und offen sagen kann: „Mir geht’s gerade nicht gut.“ Regelmäßige kleine Hilfen wirken stärker als große einmalige Gesten.
- Wertschätzung sollte fester Teil des Arbeitsalltags sein. Wenn Anerkennung nur einmal im Jahr stattfindet, verlieren Mitarbeitende schnell die Motivation. Anerkennung muss häufig, ehrlich und sich sowohl auf Ergebnisse als auch auf den Einfluss beziehen. Kleine Momente der Wertschätzung stärken langfristig die Resilienz.
- Offene Kommunikation fördern: Eine echte Kommunikationskultur entsteht nicht, indem man sagt „sprich mit mir“. Führungskräfte sollten aktiv nach Feedback fragen, sich verletzlich zeigen und Mitarbeitenden wirklich zuhören – und sie an Entscheidungen beteiligen.
Burnout-Risiko ist für deutsche Arbeitnehmende ernst
Dorothea Schoeneberg kommentiert: „Diese Ergebnisse zeigen, wie ernst das Burnout-Risiko für deutsche Arbeitnehmende tatsächlich ist – gerade im Gesundheitswesen, im öffentlichen Dienst und im Einzelhandel. Unternehmen müssen unbedingt das Wohlbefinden ihrer Beschäftigten und eine gesunde Arbeitskultur zur Priorität machen. Ohne konkrete Maßnahmen riskieren wir eine erschöpfte Generation und Einbußen bei Produktivität und Mitarbeiterbindung.“
Der Burnout-Risiko-Index basiert auf Daten von Personio (2025), mit Unterstützung von Quellen wie Clockify, Destatis, IAB und Statista. Bewertet wurden Indikatoren wie Arbeitszeiten, Gehälter, Fluktuationsraten, Krankheitstage, Stresslevels und gemeldete psychische Beschwerden. Jeder Wert wurde von 1 bis 10 für Burnout-Gefährdung bewertet, zum Durchschnitt berechnet und auf eine Skala von 0 bis 100 übertragen.
Quelle: Personio



