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Radikale Optimisten leben länger

Radikale Optimisten leben länger: Frederik G. Pferdt, ehemaliger Google-Innovationschef und heute Dozent in Stanford, erklärt, wie Zukunftsgeist, Entdeckergeist und Dankbarkeit Unternehmen und Menschen voranbringen.

4 Min. Lesezeit
Viele lachende bunte Smileys
Foto: ©AdobeStock/Dmitry Berg

So lautete eine der Botschaften von Frederik G. Pferdt auf der Messe ZPE in Köln am 16. September auf der Keynote Stage. Vor gut 10 Jahren durfte ich Frederik selbst bei einem Besuch im Silicon Valley kennenlernen. In meinem Nachbericht in der HR Performance 5/2016 schrieb ich damals:

Frederik G. Pferdt, geboren in Ravensburg und studiert in Münster, ist heute Head of Innovation und Creativity Programs bei Google. Seine Botschaft: „Mein Team und ich kümmern uns darum, überall im Unternehmen ein Umfeld für Kreativität und Innovation zu schaffen.“

Tausende Teams hat er – der Google Chief Innovation Evangelist – in den mehr als zehn Jahren seiner Zeit bei Google auf den Zukunftsgeist eingeschworen. Sein „Trainingscenter“ hieß ganz einfach „The Garage“. Viele Ideen, die die Welt in den vergangenen Jahrzehnten verändert und geprägt haben, entstanden in Garagen – auch in seiner.

In seinem Buch „Radikal besser“, erschienen im Murmann Verlag 2024, schreibt er auf Seite 24:

Ich habe zudem herausgefunden, dass es diesen Googlern nicht um die Innovation an sich geht. Sie konzentrieren sich auf etwas, das über das neue Produkt oder die Dienstleistung, die sie entwickeln, hinausgeht. Sie denken über die Zukunft nach.…Ich glaube, dass die Haltung, die ich bei Tausenden von innovativen Googlern beobachtet habe – ich nenne sie „Zukunftsgeist“–, der Schlüssel zur Entfaltung des Potentials der Zukunft ist.

Mit dieser Botschaft ist Frederik inzwischen weltweit unterwegs. Er lehrt seit über zehn Jahren in Stanford und begleitete zahlreiche Unternehmen und Organisationen wie den DFB, die UN, SAP, und die NASA. Er plädiert für radikalen Optimismus.

Den Zukunftsgeist in dir wecken

Frederik hat sich seinen Job und seine Rolle bei Google selbst geschaffen. Diese Form eines „Evangelisten“ gab es dort zuvor nicht. Auf die Frage nach seinem Beruf lässt er in den Formularen die Lücke. Er möchte nicht in eine „Schublade“ gesteckt werden. In seiner Keynote auf der Messe betonte er: „Eigentlich will ich Dinge nicht zweimal tun.“ Deshalb ist er nach gut 12 Jahren von Google weggegangen, um Neues zu machen.

Immer weniger Menschen passen in die klassischen Rollen und Muster. Schön zu lesen, dass eine Mehrheit der Betriebe offen für Fachkräfte auch ohne anerkannten Abschluss ist.

Frederik sagt: „Wir kommen gar nicht zum Machen, weil sich sofort die Skeptiker und Bremser in uns und um uns herum melden.“ Er sieht sich als Realist. Während für den Pessimisten das Glas halb leer ist, spricht der Optimist von halbvoll. Der Realist sagt, da geht noch mehr. Er sieht das Potential.

Für ihn ist Zukunftsgeist nichts Neues. Es ist eine Leidenschaft, die in allen von uns steckt. Sie gilt es zu entdecken, zu fördern, und zu mobilisieren. Dafür braucht es Empathie und Offenheit, ohne zu wissen, was passieren wird. Für Frederik sind wir alle Zukunft. Es ist unsere Zukunft, die wir gemeinsam gestalten. Trotz Katastrophen sollen wir optimistisch bleiben. Nicht einfach auf die Zukunft warten, sondern sie mitgestalten.

Dabei macht das Alter keine Grenze. Fast jeder dritte Beschäftigte über 55 würde über das Rentenalter hinaus arbeiten und Zukunft gestalten. Immer nur die anderen für die Zukunft verantwortlich machen, ist keine Lösung.

Er appellierte an den Entdeckergeist in uns. Wir müssen wieder wie die Kinder werden, die täglich mindestens hundert Fragen stellen. Leider nimmt die Quote mit zunehmendem Alter radikal ab. Wo bleibt der Entdeckergeist in uns?

Die Zukunft entsteht durch viele kleine Experimente, die nicht immer gelingen, aber das Ziel verfolgen, die Dinge besser zu machen. Das gilt auch für Unternehmen, die ihre Arbeitsinfrastruktur neu denken müssen.

Er sagt: „Wir machen uns zu viele Sorgen um die Zukunft, vor allem um Dinge, die wir nicht beeinflussen können. Diese Angst blockiert den kreativen und optimistischen Geist in uns.“

Danke Sagende sind glücklicher

Auch eine Botschaft von Frederik. Wem in meinem Team möchte ich Danke sagen? Unser Danke sagen ist ausbaufähig. In manchen Ländern und Unternehmen gibt es ein Danke-Budget, eine pauschale Geldsumme, die der Mitarbeiter im Jahr verteilen kann. Es gibt viele Formen der Dankbarkeit, die wir tagtäglich leben können.

Bei meinem jüngsten Besuch in Japan war ich perplex, wie alle Busfahrer beim Aussteigen und Zahlen mit der Karte zu jedem Gast Danke sagten. Danke sagen ist ein wichtiger Teil der japanischen Kultur. Wir dürfen gern von anderen lernen. Das ist auch ein Teil des Zukunftsgeistes, den Frederik in uns wecken will.

Wir haben immer viele Möglichkeiten zu reagieren. Wir können verbinden, wir können aufheizen, wir können herunterfahren. Wir lassen dem „Negativity Bias“ zu viel Raum. Mehr Optimismus täte uns allen gut. Vieles kann noch besser werden.

Sein Buchtitel „Radikal besser“ steht für den Geist einer Bewegung, deren Teil wir sein können.

Franz Langecker, Chefredakteur HR Performance

Franz Langecker

Chefredakteur HR Performance

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