So viele Beschäftigte über 55 würden über das Rentenalter hinaus arbeiten
Der demografische Wandel verstärkt den Fachkräftemangel in ganz Europa. Um die kleiner werdende Erwerbsbevölkerung auszugleichen, erhöhen viele Länder das gesetzliche Renteneintrittsalter. Doch wie denken die Beschäftigten darüber?

Eine aktuelle Studie des europäischen HR-Unternehmens SD Worx zeigt: 30 Prozent der Beschäftigten in Deutschland ab 55 Jahren wären bereit, über das gesetzliche Renteneintrittsalter hinaus weiterzuarbeiten, sofern die Arbeitsbedingungen stimmen. Dabei spielen vor allem Gesundheit, eine als sinnvoll empfundene Tätigkeit und ein wertschätzendes Arbeitsumfeld eine zentrale Rolle.
Arbeitskräfteknappheit ist in vielen Unternehmen spürbar
Europa altert und damit wird der Arbeitsmarkt zunehmend schwieriger. Laut Eurostat waren 2005 noch 17 Prozent der europäischen Bevölkerung 65 Jahre oder älter gewesen; 2025 lag dieser Anteil bereits bei 22 Prozent. Die Europäische Kommission erwartet, dass die Erwerbsbevölkerung in Europa zwischen 2022 und 2070 trotz steigender Erwerbsquoten von Frauen und älteren Menschen um rund zwölf Prozent zurückgehen wird.
Die Folgen sind in Unternehmen bereits spürbar: Mehr als die Hälfte der HR-Verantwortlichen in Europa (52 Prozent) berichtet von Arbeitskräfteknappheit. In Deutschland liegt der Anteil mit 55 Prozent sogar noch etwas höher.
Lebensvorstellungen bei Beschäftigten ab 55 Jahren zweigeteilt
Der Wunsch nach einer längeren Beschäftigungsdauer für ältere Angestellte liegt auf der Hand. Und tatsächlich können sich 30 Prozent der Beschäftigten ab 55 Jahren in Deutschland vorstellen, auch nach Erreichen des gesetzlichen Renteneintrittsalters weiterzuarbeiten. Gleichzeitig möchte mehr als die Hälfte dieser Altersgruppe (54 Prozent) früher aus dem Berufsleben ausscheiden.
Finanzielle Gründe stehen bei dem Wunsch nach einem früheren Renteneintritt vergleichsweise selten im Vordergrund. Am häufigsten nennen Beschäftigte in Deutschland den Wunsch, sich stärker um die eigene Gesundheit zu kümmern (62 Prozent). Es folgen der Wunsch nach mehr Zeit für Familie und persönliche Interessen (51 Prozent) sowie der Wunsch, bestimmte Aktivitäten oder Lebensziele zu verwirklichen (44 Prozent). Ein Drittel der Befragten nennt eine nachlassende Motivation. Auch körperlich belastende Arbeit (23 Prozent) und psychische Belastungen (27 Prozent) spielen eine Rolle.
Im europäischen Vergleich liegt die Bedeutung der eigenen Gesundheit für deutsche Beschäftigte über dem Durchschnitt (53 Prozent). Den höchsten Wert erreicht Rumänien mit 72 Prozent.
Beschäftigte ab 55 fühlen sich fit und zufrieden
Die große Mehrheit der Beschäftigten ab 55 Jahren in Deutschland fühlt sich körperlich und mental fit genug, den eigenen Job weiterhin auszuüben: 79 Prozent stimmen dieser Aussage zu. Auch die grundsätzliche Einstellung zur Arbeit ist positiv: 84 Prozent empfinden ihre Tätigkeit als sinnstiftend, 83 Prozent sind mit ihrem Job zufrieden. 70 Prozent geben zudem an, im Arbeitsalltag Anerkennung zu erfahren.
Stabilität wichtiger als Wechsel und Weiterbildung
Die Gruppe der über 55-Jährigen zeigt sich außerdem wenig wechselbereit: Nur drei Prozent suchen aktiv nach einer neuen Stelle. Auch ein interner Stellenwechsel wird nur von einem kleinen Teil der Beschäftigten angestrebt.
Bei der Weiterbildung gibt etwa die Hälfte der Beschäftigten ab 55 Jahren (52 Prozent) an, derzeit keine Weiterbildung anstreben zu wollen. Berufserfahrung und ein gefestigter Platz im Berufsleben können dabei zu einem höheren Gefühl von Sicherheit beitragen – auch in einem Arbeitsmarkt, der sich schnell verändert.
„Europa wird den Arbeitskräftemangel nicht allein dadurch lösen, dass Menschen länger arbeiten. Entscheidend ist, dass Unternehmen die Qualität von Arbeit weiter verbessern und Beschäftigten nachhaltige Karrierewege ermöglichen“, sagt Thomas Walther, Sales Director Deutschland bei SD Worx. „Arbeit, die Energie gibt statt zu erschöpfen, als sinnvoll erlebt wird und Raum für Entwicklung bietet, stärkt die Motivation. Unternehmen müssen deshalb ein Umfeld schaffen, in dem Beschäftigte sich wohlfühlen, ihre Talente einbringen und erleben, dass ihr Beitrag zählt. Dann bleiben Menschen länger im Berufsleben – weil sie es wollen, nicht weil sie es müssen.“
Quelle: SD Worx



