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Managerdämmerung

Früher galten Führungspositionen als sichere Karriereposten. Heute schmelzen sie wie das Gletschereis hinweg. Das mittlere Management hat in Zeiten flacher Hierarchien scheinbar ausgedient. Siemens geht hier einen eigenen Weg.

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Kronleuchter hängt im Baum im Dunkeln
Foto: ©AdobeStock/fotomaximum

Es vergeht fast kein Tag, an dem nicht ein Unternehmen einen nennenswerten Stellenabbau ankündigt. Hunderttausende haben in den letzten Jahren ihre Jobs verloren. Darunter sind auch sehr viele Manager, die damit nicht gerechnet hatten. Früher galten Führungspositionen als sichere Karriereposten. Heute schmelzen sie wie das Gletschereis hinweg. Das mittlere Management hat in Zeiten flacher Hierarchien scheinbar ausgedient.

Das Handelsblatt meldete, das der Volkswagen Konzern bis Ende des Jahrzehnts 5.500 Führungsstellen weltweit abbauen will. Unternehmen senken die Anzahl ihrer Führungsebenen. Größere Verantwortungsbereiche ersetzen Abteilungsleiter- und Bereichsleiter. Und mit schrumpfendem Umsatz werden frei werdende Managementpositionen nicht mehr besetzt.

Einen eigenen Weg geht hier das Unternehmen Siemens. Es schafft die ganzen Cheftitel ab. In einem aktuellen Interview in der Süddeutschen Zeit vom 4. November 2026 sagt die Personalchefin Judith Wiese, dass an die 300 Führungskräfte weltweit ihren Cheftitel verlieren werden: “Die vielen Cheftitel sind ein Artefakt aus einer anderen, einer alten Welt. Es passt nicht mehr zum heutigen Siemens. Wir wollen Siemens einfacher und verständlicher machen – für unsere Kunden, Partner und auch nach innen. Es ändern sich Titel – nicht aber Rollen, Verantwortlichkeiten oder Entscheidungswege. Und in modernen Technologie-Unternehmen gibt es genau einen CEO.“  Siemens will nicht weniger Führung, sondern weniger Hierarchien. Für die Personalchefin ist klar: „Je mehr sich verändert, desto wichtiger sind Menschen, die Orientierung geben und andere befähigen, Verantwortung zu übernehmen.“ Das schließt nicht aus, dass KI dabei auch Führungskräfte entlasten kann.

Mein neuer Chef heißt KI

Noch heißt eine zukünftige Führungsebene bei Siemens nicht KI. Im Frühjahr hieß es, das Meta-Chef Mark Zuckerberg einen KI-Agenten entwickelt, der ihm Informationen schneller direkt aus dem Unternehmen liefern soll, ohne den Umweg über mehrere Managementebenen. Im Silicon Valley heißt das Schlagwort dafür „Agentic AI“. In der Techbranche spricht man bereits über vollwertige digitale Mitarbeiter. Im Bewerbungsprozess hat sich die KI heute schon fest etabliert, auch wenn nicht alle Unternehmen dazu stehen. Und manche können sich schon vorstellen, dass die mittlere Managementebene durch KI-Systeme ersetzt wird. Andere halten hybride Teams aus Menschen und agentischen Systemen für sehr realistisch. In diesem Frühjahr strich DeepL-Chef Jarek Kutylowski jede vierte Stelle, insgesamt 250 Jobs. KI-Systeme sollen für ihn in Zukunft zentrale Aufgaben übernehmen. Er sprach dabei von einem „massiven strukturellen Wandel“ durch künstliche Intelligenz. Er ist überzeugt, dass nur Unternehmen, die diesen Weg gehen, in Zukunft liefern werden.

Rückenwind für die Optimisten

Wer nicht liefert, gerät in der Demokratie auf die Verliererbahn. Auch das beste Narrativ wird von der Lebenswirklichkeit abgestraft. Das haben uns die aktuellen Wahlen in den USA gezeigt. Der in dieser Höhe nicht erwartete Sieg der Demokraten bedeutet einen Rückschlag für den Autokratismus und für die Schwarzmaler. Nach den Niederlagen von Victor Orban in Ungarn, von Aleksandar Vučić in Serbien  und Donald Trump in den USA gibt es verstärkt Rückenwind für die Optimisten. Die Morgendämmerung und die Abenddämmerung trennt nur die Nacht. Und während die einen ihren Sieg wie einen Sonnenaufgang feiern, bleiben den Verlierern der Schmerz und die Hoffnung, dass die Zeit Wunden heilt. Judith Wiese spricht am Schluss ihres Interviews von einer ausgleichenden Gerechtigkeit. „Seien wir doch mal ehrlich: Jeder Job hat Vor- und Nachteile.“ Und ich füge hinzu, dass alle Jobs zeitlich befristet sind. Somit entstehen immer wieder Räume für Neues und für die junge Generation. Ein guter Grund, weiter optimistisch zu bleiben.

Franz Langecker, Chefredakteur HR Performance

Franz Langecker

Chefredakteur HR Performance

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