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Neue Logitech-Studie: Workplace Experience gilt als Produktivitätsfaktor – wird aber selten strategisch gesteuert

"Das größte Missverständnis ist, Workplace Experience mit einer einzelnen Zufriedenheitskennzahl messen zu wollen. Ein Arbeitsplatz funktioniert nicht deshalb gut, weil er gut aussieht oder stark ausgelastet ist. Entscheidend ist, ob Menschen dort ohne unnötige Reibung arbeiten können." Wir haben mit Serkan Ates über den Wert einer guten Workplace Experience gesprochen.

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Blick in ein modernes, helles, schönes Büro
Foto: ©AdobeStock/G.Go

Moderne Arbeitsumgebungen sollen Produktivität und Zusammenarbeit fördern. Doch die neue Workplace Experience Study von Logitech zeigt: Zwischen Erkenntnis und Umsetzung klafft eine deutliche Lücke. The Harris Poll befragte im Auftrag von Logitech 1.700 Entscheidungsträger für Workplace Experience in elf Ländern, darunter 200 in Deutschland.

Die Ergebnisse der deutschen Teilstichprobe zeigen: Viele der Befragten erkennen den Wert einer guten Workplace Experience, behandeln sie jedoch deutlich seltener als strategische Managementaufgabe. Im Interview erklärt Serkan Ates, Head of Logitech DACH, warum Workplace Experience vor allem an fragmentierten Zuständigkeiten, einer zu späten Einbindung der Technologie und fehlender Messbarkeit scheitert. Außerdem zeigt er auf, was Unternehmen konkret dagegen tun können.

HR Performance: Mit welchen Kennzahlen lässt sich eine Workplace Experience messbar machen?

Serkan Ates: Das größte Missverständnis ist, Workplace Experience mit einer einzelnen Zufriedenheitskennzahl messen zu wollen. Ein Arbeitsplatz funktioniert nicht deshalb gut, weil er gut aussieht oder stark ausgelastet ist. Entscheidend ist, ob Menschen dort ohne unnötige Reibung arbeiten können.

Deshalb sollten Unternehmen drei Ebenen zusammenführen: erstens die technische Performance, etwa Meeting-Startverzögerungen, Support-Tickets oder Gerätezuverlässigkeit; zweitens die tatsächliche Nutzung von Räumen und Arbeitsplätzen; und drittens die Erfahrung der Mitarbeitenden, beispielsweise über regelmäßiges Feedback.

Die entscheidende Frage ist nicht, ob jede einzelne Kennzahl gut aussieht. Entscheidend ist, ob die Daten zusammenpassen. Ein Meetingraum kann hervorragend ausgestattet sein und trotzdem an den Bedürfnissen der Mitarbeitenden vorbeigehen, wenn er kaum genutzt wird. Umgekehrt sagt eine hohe Auslastung wenig über die Qualität der Workplace Experience aus, wenn dort regelmäßig technische Probleme auftreten.

Genau hier zeigt die Studie eine strategische Lücke: Nur 47 Prozent der befragten Entscheider in Deutschland sind überzeugt, über die richtigen ROI-Daten zu verfügen, um Investitionen in Workplace Experience und Technologie zu begründen.

Was nicht gemeinsam gemessen wird, wird auch selten gemeinsam gesteuert. Für Unternehmen heißt das: Technologie-, Nutzungs- und Experience-Daten müssen in ein gemeinsames Steuerungsmodell überführt werden.

HR Performance: Welche Rolle spielen Technologie-Investitionen für eine gute Workplace Experience?

Serkan Ates: Technologie ist ein zentraler Bestandteil einer guten Workplace Experience. Eine wichtige Stellschraube liegt allerdings bereits vor der eigentlichen Investitionsentscheidung. Wird die IT erst einbezogen, wenn ein Raum weitgehend fertig geplant ist, muss sie im Nachhinein technische Lösungen an Rahmenbedingungen anpassen, die ohne ihre Perspektive entstanden sind.

In der deutschen Teilstichprobe zeigt sich genau dieses Muster: Nur 20 Prozent der befragten Organisationen beziehen IT- oder AV-Teams ein, bevor die Raumplanung beginnt. In vielen Fällen muss sich die Technologie damit an Räume anpassen, an deren Konzeption die verantwortlichen Teams nicht beteiligt waren.

Logitech bezeichnet dieses Muster in der internationalen Studienkommunikation als „Late-Tech Trap“: Erst wird der Raum geplant, anschließend soll die Technik möglichst reibungslos integriert werden.

Welche Folgen technische Reibung haben kann, zeigen die globalen Ergebnisse der Studie. Bei technischen Problemen in Meetings liegt der mediane Produktivitätsverlust bei 12,2 Minuten pro Person und Vorfall. 30 Prozent der befragten IT-Verantwortlichen berichten sogar von 16 Minuten oder mehr verlorener Zeit.

Deshalb sollte die entscheidende Frage nicht lauten: Welche Technologie wollen wir kaufen? Sondern: Welche Reibung wollen wir aus dem Arbeitsalltag entfernen? Gute Technologie muss nicht beeindrucken. Sie muss zuverlässig funktionieren und so früh mitgedacht werden, dass sie Teil der Lösung ist – und nicht nachträglich zum Kompromiss wird.

HR Performance: Moderne Arbeitsumgebungen sind enorm wichtig. Laut Ihrer neuesten Studie verbinden 85 Prozent der Befragten eine gute Workplace Experience mit höherer Produktivität, 87 Prozent verbinden sie mit besserer Zusammenarbeit. Doch Teil der Geschäftsstrategie ist das Thema nur sehr selten. Warum ist das Ihrer Meinung nach so?

Serkan Ates: Weil Workplace Experience in vielen Unternehmen mehreren Funktionen gleichzeitig gehört, aber häufig keine gemeinsame Steuerung dahintersteht.

HR betrachtet das Thema aus Sicht der Mitarbeitenden, IT aus Sicht von Technologie, Betrieb und Sicherheit, Real Estate aus Sicht von Flächen und Räumen. Jede Funktion hat einen berechtigten Blickwinkel. Das Problem entsteht dort, wo daraus drei getrennte Entscheidungslogiken werden.

Die deutsche Teilstichprobe macht diese strategische Lücke besonders sichtbar: 85 Prozent verbinden eine gute Workplace Experience mit höherer Produktivität, 87 Prozent mit besserer Zusammenarbeit, aber nur 28 Prozent behandeln sie als zentralen Bestandteil ihrer Geschäftsstrategie. Der Wert ist also erkannt. Die organisatorische Konsequenz daraus wird jedoch deutlich seltener gezogen.

Hinzu kommt die Frage der Messbarkeit. Wenn nur 47 Prozent der Befragten überzeugt sind, über die richtigen ROI-Daten zu verfügen, bleibt Workplace Experience schnell ein Thema einzelner Projekte statt einer systematisch steuerbaren Managementaufgabe.

Für mich ist deshalb klar: Wenn Workplace Experience Produktivität beeinflusst, gehört sie ins Kerngeschäft. Dafür braucht es nicht zwingend eine neue Abteilung. Aber es braucht eine gemeinsame Roadmap, gemeinsame Kennzahlen und klare Verantwortlichkeiten zwischen HR, IT und Real Estate.

HR Performance: Wie lassen sich Arbeitsumgebungen schaffen, die wirklich zu den Bedürfnissen der Mitarbeitenden passen?

Serkan Ates: Indem Unternehmen aufhören, Arbeitsplätze primär nach Fläche und Anwesenheit zu planen und anfangen, sie nach dem tatsächlichen Zweck der Arbeit zu gestalten.

Ein hybrides Meeting braucht andere Voraussetzungen als konzentriertes Arbeiten. Ein vertrauliches Gespräch stellt andere Anforderungen als spontane Zusammenarbeit. Trotzdem werden Räume häufig zunächst baulich definiert und anschließend technologisch und organisatorisch ausgestattet.

Diese Reihenfolge sollten Unternehmen umdrehen. Die erste Frage sollte lauten: Welche Arbeit soll hier möglich sein? Die zweite: Welche Erfahrung brauchen Mitarbeitende dafür? Und erst danach: Welche Raum- und Technologielösung unterstützt diese Anforderungen?

Auch die internationale Studie legt nahe, Räume stärker an ihrem konkreten Zweck und den gewünschten Arbeitsergebnissen auszurichten statt allein an Anwesenheit. Dazu gehört außerdem, Arbeitsumgebungen nicht als abgeschlossenes Bauprojekt zu verstehen. Unternehmen sollten regelmäßig prüfen, wie Räume tatsächlich genutzt werden, wo technische Reibung entsteht und wie Mitarbeitende ihre Arbeitsumgebung erleben.

Eine gute Workplace Experience entsteht nicht durch einzelne Maßnahmen. Sie entsteht, wenn Mensch, Raum und Technologie dieselbe Aufgabe lösen.

Serkan Ates

Serkan Ates ist Head of Logitech DACH der Logitech GmbH. Mit langjähriger Erfahrung an der Schnittstelle von Technologie und Organisation beschäftigt er sich mit den Auswirkungen digitaler Arbeits- und Kommunikationsformen auf Produktivität, Employer Branding und Zusammenarbeit in internationalen Unternehmen.

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