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Revolution der HR-Software – Wie KI die Interaktion neu definiert

Die ersten Schritte sind bereits sichtbar: Softwarehersteller experimentieren mit Spracheingabe und dialogbasierten Interfaces. Mittelfristig wird die klassische Benutzeroberfläche mit verschachtelten Menübäumen verschwinden. Stattdessen tritt eine intelligente Befehlszeile in den Vordergrund – vergleichbar mit einer Suchmaschine, aber deutlich mächtiger.

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Digitale Fäuste werden in den Himmel gestreckt und symbolisieren Revolution
Foto: ©AdobeStock/aliahmadmin

Auch wenn die autonome KI noch Zukunftsmusik ist, lässt sich jetzt schon sagen, dass sie zumindest die Personalmanagementsysteme, wie wir sie heute kennen, grundlegend wandeln wird. In den nächsten fünf bis zehn Jahren wird es zu einer Revolution der HR-Software kommen – und zwar nicht nur technologisch, sondern insbesondere in der Art, wie User mit HR-Systemen interagieren.

Von Menüs zu natürlicher Sprache

Die ersten Schritte sind bereits sichtbar: Softwarehersteller experimentieren mit Spracheingabe und dialogbasierten Interfaces. Mittelfristig wird die klassische Benutzeroberfläche mit verschachtelten Menübäumen verschwinden.

Stattdessen tritt eine intelligente Befehlszeile in den Vordergrund – vergleichbar mit einer Suchmaschine, aber deutlich mächtiger.

Der Arbeitsalltag könnte bald so aussehen:

  • „Erstelle einen neuen Arbeitsvertrag für Frau X und reduziere die Arbeitszeit auf 30 Stunden.“
  • „Buche alle Teilnehmenden des Seminars auf den Alternativtermin und informiere sie per E-Mail.“

Der KI-Assistent versteht die Anweisung, führt die Schritte aus, berücksichtigt Abhängigkeiten und denkt voraus. Er schlägt Folgeaktionen vor, erinnert an offene Punkte und stellt sicher, dass nichts übersehen wird.

Mit dem Einzug dieser Assistenten verändert sich HR-Software im Kern.

  • Benutzeroberflächen werden radikal vereinfacht. Komplexe Menüs und Masken entfallen, die Interaktion erfolgt intuitiv über Sprache oder Text.
  • Routineprozesse laufen automatisiert im Hintergrund. HR-Fachkräfte müssen nicht mehr durch mehrere Systeme navigieren, sondern steuern Prozesse mit wenigen Befehlen.

Dadurch werden personelle Ressourcen frei, die für strategische Aufgaben genutzt werden können wie zum Beispiel individuelle Personalentwicklung oder Führungsberatung.

Auswirkungen auf die Implementierung und Geschäftsmodelle von HR-Software

Die Revolution betrifft nicht nur die Nutzung, sondern auch die Einführung von HR-Systemen. Heute sind Implementierungsprojekte oft langwierig und teuer. Anbieter und deren Implementierungspartner generieren einen wesentlichen Teil ihres Umsatzes durch umfangreiche Konfigurationen der Software und Schulungen.

Doch wenn KI die Konfiguration übernimmt, könnte sich das grundlegend ändern:

Ein mögliches Szenario:

  • Die KI erhält den Anforderungskatalog, Prozessdefinitionen, Betriebsvereinbarungen und tarifliche oder gesetzliche Regelwerke.
  • Sie konfiguriert das System weitgehend selbstständig.
  • Das Feintuning erfolgt dialogbasiert, ähnlich wie ein Gespräch mit einem Experten, aber automatisiert.

Das würde nicht nur die Projektlaufzeiten stark verkürzen, sondern auch die Kostenstruktur der Anbieter verändern. Beratungs- und Schulungsumsätze sinken, während neue Geschäftsmodelle entstehen, wie etwa KI-gestützte Self-Service-Implementierungen.

Fazit und Ausblick

KI in HR-Software steckt Ende 2025 noch in den Kinderschuhen, doch ihr Potenzial ist klar erkennbar. Derzeit dominieren Anwendungen, die einfache Kommunikation und Textverarbeitung unterstützen.

In den kommenden Jahren wird sich das Bild jedoch ändern: Intelligente Assistenten werden Prozesse aktiv steuern, Muster erkennen und fundierte Handlungsempfehlungen geben. Autonome Systeme bleiben vorerst ein Zukunftsszenario, deren Mehrwert sich noch beweisen lassen muss.

Die nächsten fünf bis zehn Jahre markieren eine doppelte Revolution. Zum einen verändert sich die Technologie selbst. HR-Software wird nicht mehr über komplexe Menüs bedient, sondern über natürliche Sprache und kontextbasierte Befehle. Routineprozesse laufen im Hintergrund, während HR-Fachkräfte sich stärker auf strategische Aufgaben konzentrieren. Zum anderen wandeln sich die Geschäftsmodelle der Anbieter. Wenn KI-Konfigurationen übernimmt und Schulungsaufwände sinken, verlieren klassische Implementierungsprojekte an Bedeutung. Neue Wertschöpfung entsteht in Beratung, Datenstrategie und der Etablierung von Governance-Modellen.

Unternehmen sollten sich frühzeitig mit diesen Entwicklungen beschäftigen.  Erfolgsentscheidend wird ein pragmatischer Ansatz sein: KI-Funktionen gezielt testen, wirksame Anwendungen ausbauen und kritische Prozesse behutsam automatisieren. Dafür gilt es jetzt schon die Grundlagen wie eine Harmonisierung und Dokumentation von Prozessen sowie eine konsistente Datenbasis zu schaffen. Die Akzeptanz von KI-Systemen wird stark von einem transparenten Umgang mit ihnen abhängen.

Dabei ist es bereits jetzt abzusehen, dass mit der Ausbreitung von KI-Systemen, der menschliche Faktor an Wert gewinnen wird. Das „People Business HR“ wird auch zukünftig vom persönlichen Kontakt, Empathie und individueller Beratung leben.

Die Kombination aus technologischer Effizienz und menschlicher Kompetenz wird zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil für Unternehmen, die beides intelligent miteinander verbinden.

Dominic Daubenberger
Foto: ©Consult-HR

Autor:

Dominic Daubenberger ist Geschäftsführer von Consult-HR und berät als Senior Consultant Unternehmen bei der Digitalisierung von HR-Prozessen sowie bei der Auswahl und Einführung von HR-Lösungen. Der gelernte Historiker ist seit 2010 als Unternehmensberater mit Schwerpunkt Personalmanagement-Software tätig und hat 2017 mit Consult-HR ein eigenes spezialisiertes HR-Beratungshaus gegründet.

Dieser Beitrag erschien im Whitepaper „Automatisierung und Innovation: KI in der Personalverwaltung – HR-Software vor dem Umbruch“.

Künstliche Intelligenz (KI) hat die Welt im Sturm erobert, doch Ende 2025 bleibt der praktische Nutzen überschaubar. Meist beschränkt sich der Einsatz auf Chatbots mit Sprachmodellen, echte Durchbrüche sind rar. Das wird sich ändern.

Das Whitepaper zeigt, wo wir heute stehen, welche Entwicklungen realistisch sind und wo KI echten Mehrwert schafft, ohne den Menschen aus der Personalarbeit zu verdrängen.

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