Was HR von Rugby lernen kann : Über Rollen, Kommunikation und Vertrauen im Hochleistungsmodus
Rugby zeigt: Leistung entsteht dort, wo Rollen geklärt, Entscheidungen transparent erklärt und Beziehungen aktiv gestaltet werden. Was kann sich HR hier abschauen?

Rugby ist ein körperbetonter Sport. Vor allem aber ist Rugby ein Lehrstück über Zusammenarbeit unter Druck. Kaum ein anderes Spiel zeigt so eindrücklich, wie klare Rollen, respektvolle Kommunikation und Vertrauen zwischen allen Beteiligten zu Leistung führen – selbst in hochemotionalen Situationen. Jede Entscheidung, jede Kommunikation und jede Rollenklärung beeinflussen unmittelbar den Erfolg. Für HR-Verantwortliche bietet diese Dynamik ein anschauliches Modell, um Führungs- und Zusammenarbeitsprozesse im Unternehmen zu reflektieren und zu verbessern.
Komplexe Rollen – klare Verantwortung
Im Rugby stehen hochdynamische Situationen auf der Tagesordnung. Spieler kommunizieren in Sekundenschnelle, Trainer geben situative Impulse, Schiedsrichter erklären Entscheidungen in Echtzeit. Besonders deutlich wird dies, wenn ein Regelverstoß passiert: Der Schiedsrichter ruft den betreffenden Spieler und die Kapitäne zusammen, erläutert seine Wahrnehmung und Entscheidung, bevor er die Strafe ausspricht. Die Rollen sind klar, die Kommunikation transparent – und das in einem emotional aufgeladenen Umfeld. Diese Struktur gibt Orientierung, setzt Grenzen und schafft Akzeptanz für Entscheidungen im Team.
Für Unternehmen bedeutet das:
- Rollen müssen eindeutig definiert sein, damit Verantwortlichkeiten nicht verschwimmen.
- Entscheidungen sollten nachvollziehbar erklärt werden, gerade wenn sie unbequem sind.
- Zuhören ist genauso wichtig wie sprechen.
Vier Bausteine effektiver Zusammenarbeit
Beim genaueren Blick auf das Miteinander im Rugby kristallisieren sich Faktoren heraus, die auch in Organisationen über Leistung und Zufriedenheit entscheiden:
- Kommunikation als Erfolgsfaktor
Klare, präzise und zugleich zugängliche Kommunikation sorgt dafür, dass alle Beteiligten auf dasselbe Ziel hinarbeiten. Im Rugby werden Ansagen kurz und eindeutig getroffen – ähnlich sollten Informationen in Unternehmen gestaltet werden, um Reibungsverluste zu minimieren. - Vertrauen schafft Handlungsspielraum
Vertrauen ist in Rugby und Unternehmen ein Produkt wiederholter, verlässlicher Interaktionen. Spieler verlassen sich darauf, dass Teamkollegen ihre Aufgaben erfüllen. Trainer vertrauen darauf, dass Vereinbarungen umgesetzt werden. Fehlt dieses Vertrauen, entstehen Silos, Absicherung und Ineffizienz – ein Muster, das HR aus Organisationen nur zu gut kennt. - Emotionale Intelligenz steuert Interaktionen
Emotionen spielen in schnellen, belastenden Situationen eine große Rolle und sie entscheiden darüber, wie Teams mit Druck umgehen. Kapitäne beruhigen nach strittigen Entscheidungen, Spieler zeigen Empathie bei Verletzungen. Wer Emotionen regulieren kann, bleibt handlungsfähig. Für Führungskräfte ist das besonders in Transformations- oder Krisensituationen zentral. - Führung prägt Kultur und Performance
Starke Kapitäne und Trainer lenken nicht nur sportliche Aktionen, sie schaffen Orientierung und steigern die Motivation im Team. Rituale, etablierte Verhaltensnormen und gelebte Werte fördern den Zusammenhalt und geben dem Team Identität. So sind die All Blacks für ihren Haka oder den Grundsatz „Sweep the Sheds“ (die Kabine nach dem Spiel selbst reinigen) bekannt. Sie stehen für Zusammenhalt, Demut und gegenseitige Verantwortung. Kultur ist hier kein Leitbild, sondern wird gelebter Alltag.
Was HR aus den vier Faktoren ableiten kann
Rugby zeigt: Leistung entsteht dort, wo Rollen geklärt, Entscheidungen transparent erklärt und Beziehungen aktiv gestaltet werden. Führung ist sichtbar, Kommunikation klar und Vertrauen nicht verhandelbar. Für HR-Verantwortliche bedeutet das, genau diese Faktoren systematisch zu fördern – in Führungskräfteentwicklung, Organisationsdesign und Kulturarbeit.
Praxis-Reflexion – Was nehme ich aus der Rugby-Metapher mit in meine HR-Arbeit?
- Wo erleben wir in unserem Unternehmen „Schiedsrichter-Situationen“ – und wie gehen wir damit um?
- Welche Kommunikationsregeln brauchen wir, damit Entscheidungen nachvollziehbar werden?
- Welche Rollen sind bei uns noch unklar oder mehrfach besetzt?
- Welche Rituale fördern oder hemmen unser Teamgefühl?

Über den Autor
Dr. Frank Edelkraut ist Interimsmanager, Führungskräfte- und Personalentwickler sowie Autor mit über 20 Jahren Erfahrung in operativer Führung und Transformationsprojekten. Er begleitet Unternehmen darin, Leadership praktisch zu denken und wirkungsvoll umzusetzen – auch mit Blick auf menschliche Leistungsdynamiken und Teaminteraktionen.

Buchinfo
Frank Edelkraut, Leadership vom Kopf auf die Füße stellen: Führung klar und fokussiert aufs Wesentliche ausrichten, BusinessVillage, Göttingen, 1. Auflage 2025, ca. 288 Seiten. Das Buch richtet Leadership neu aus: weg von theoretischen Konstrukten, hin zu praktischer Anwendung in dynamischen Veränderungen. Es zeigt, wie klare Entscheidungen, transparente Kommunikation und eine Kultur des Lernens Teams resilienter und leistungsfähiger machen – mit vielen Beispielen aus dem Spitzensport und der Praxis. (businessvillage.de)



