Positive Leadership: Mehr als ein Modetrend?!
"In einer Welt, die so volatil wie unsere ist, brauchen die Unternehmen Mitarbeitende, die nicht nur Befehle ausführen, sondern sich auch eigeninitiativ engagieren.": Interview über Positive Leadership, die Eigeninitiative von Mitarbeitenden und eine nachhaltige Transformation.

In unserer von Unsicherheit und rasanter Veränderung geprägten Welt wird Positive Leadership zu einem Schlüsselfaktor für den Erfolg von Unternehmen. Warum erläutern die Autoren des Buchs „Positiv führt! Mit Positive Leadership Teams und Organisationen empowern“ im folgenden Interview.
Frau Meyer, Herr Nesemann und Herr Werner, warum propagieren Sie ein Positive Leadership?
Elke Katharina Meyer: Wir leben in einer Zeit, in der eine langfristige Planung immer schwieriger wird und die Mitarbeitenden der Unternehmen – top-down – in immer kürzeren Zeitabständen vor neuen Herausforderungen stehen. Daran wird sich 2026 nichts ändern.
Stimmt, das haben die Ereignisse seit Jahrbeginn bereits bewiesen?
Meyer: Deshalb bedarf heute mehr denn je eines Führungsstils, der die Menschen mitnimmt, sie inspiriert und ihnen hilft, ihre Hoffnung und Zuversicht nicht zu verlieren. Positive Leadership leistet genau das: Es
• schafft die Basis für ein wechselseitiges Vertrauen,
• bewahrt bzw. steigert die Motivation auch in schwierigen Zeiten und
• erhöht die Resilienz, also Widerstandskraft der Mitarbeitenden.
…und ermöglicht die nötigen Veränderungen?
Frank Nesemann: Ja. Wir arbeiten seit Jahren als Berater, Trainer und Coaches für Profit- und Non-Profit-Organisationen und sehen dabei immer wieder, wie wichtig gerade in einem von rascher und starker Veränderung geprägten Umfeld ein werteorientierter, zukunftsfähiger Führungsstil ist.
Aus gespürter Wertschätzung erwächst Vertrauen
Gilt das auch für die Unternehmen, die zurzeit ihre Organisation umbauen und zum Teil sogar Personal abbauen. Ist unter solchen Rahmenbedingungen ein Positive Leadership überhaupt möglich?
Thomas Achim Werner: Es ist nicht nur möglich, es ist sogar unverzichtbar. Gerade in Krisenzeiten bzw. Zeiten des Umbruchs ist ein fairer, menschlicher Umgang miteinander für den Erfolg von Unternehmen wichtig. Denn nur wenn die wegweisenden Entscheidungen transparent getroffen, offen kommuniziert und respektvoll umgesetzt werden, bleibt auch bei großen, oft schmerzhaften Einschnitten das Vertrauen der Mitarbeitenden bestehen.
Nesemann: Kleinere und mittelständische Unternehmen sind hierbei im Vorteil.
Auch in Krisenzeiten fair und menschlich bleiben
Warum?
Nesemann: Sie können in Krisenzeiten schneller agieren und zum Beispiel den Schwebezustand, der oft mit einem Personalabbau einhergeht, zügiger beenden.
Ein Zustand, der vermutlich von allen Betroffenen, auch den letztlich verbleibenden Mitarbeitern als belastend empfinden wird?
Meyer: Ja, deshalb müssen auch sie den Trennungsprozess als fair gestaltet erleben. Denn wenn sie das Gefühl haben, die Trennung von meinen Kollegen verläuft unfair, bleibt bei ihnen das Misstrauen zurück: Mir ergeht es irgendwann vielleicht ähnlich. Das mindert ihre Identifikation mit dem Unternehmen und ihr Engagement.
Positive Leadership scheint speziell bei Dienstleistungsunternehmen einen großen Zuspruch zu finden.
Nesemann: Das stimmt. Zumindest Vorreiter beim Versuch, die Erkenntnisse der Positiven Psychologe im Führungsbereich anzuwenden, waren in der Vergangenheit oft Organisationen, bei denen Menschen für Menschen arbeiten – wie Schulen, Krankenhäuser und soziale Einrichtungen. Aber auch Dienstleister wie Banken und Versicherungen setzen häufig auf diesen Führungsstil.
Die Menschen und ihre Beziehungen stärken
Warum?
Werner: Der Erfolg von Dienstleistungsunternehmen hängt zumeist unmittelbar von der Qualität der zwischenmenschlichen Beziehungen ab. Denn Mitarbeitende, die sich wertgeschätzt fühlen, strahlen dies auch im Kundenkontakt aus; sie engagieren sich zudem stärker im Team.
Meyer: Hinzu kommt, Unternehmen, die Dienstleistungen für andere Menschen erbringen, können ihren Mitarbeitenden oft leichter, den Sinn hinter ihrer Arbeit vermitteln – über das reine Geldverdienen hinaus. Das wirkt sich ebenso wie Wertschätzung positiv auf das Engagement der Mitarbeitenden aus.
Die Eigeninitiative der Mitarbeitenden stärken
Und wie verhält es sich in Produktionsunternehmen? Werden dort diese Führungsprinzipien auch angewendet?
Werner: Ja, denn auch sie haben in den zurückliegenden Jahren erkannt, dass eine bereichsübergreifend vertrauensvolle Zusammenarbeit und eine hohe Identifikation der Mitarbeitenden mit den Unternehmenszielen entscheidend für den Erfolg sind.
Meyer: Denn in einer Welt, die so volatil wie unsere ist, brauchen die Unternehmen Mitarbeitende, die nicht nur Befehle ausführen, sondern sich auch eigeninitiativ engagieren.
Nesemann: Ein solches Engagement kann man jedoch nicht erzwingen. Es entsteht, wenn die Mitarbeitenden das Gefühl haben „Ich werde hier gebraucht und kann hier meine Fähigkeiten entfalten“ und sich als Mensch gesehen und geschätzt fühlen. Unternehmen, die ein Positive Leadership praktizieren, setzen deshalb bei der Mitarbeiterführung auf Vertrauen, Respekt und eine gemeinsame Vision und schaffen so eine Kultur der Zusammenarbeit und des kollektiven Lernens, die langfristig erfolgreich ist.
Nachhaltige Transformationen ermöglichen
Das heißt, Positive Leadership ist aus Ihrer Warte mehr als ein modischer Trend?
Werner: Ja, denn hierbei handelt es sich um einen Führungsstil, der statt auf Kontrolle, auf Vertrauen setzt – und dadurch eine echte Transformation ermöglicht und somit den Unternehmenserfolg nachhaltig sichert.
Und die Fähigkeit, ihre Mitarbeitenden entsprechend zu führen, vermitteln Sie Führungskräften in Ihren Weiterbildungen?
Nesemann: Ja, wir wollen Führungskräfte dazu inspirieren und befähigen, diesen Weg einzuschlagen, denn: Positive Leadership kann aus Unternehmen Orte machen, an denen Menschen gern arbeiten, sich entfalten und gemeinsam Großes erreichen – auch in schwierigen Zeiten; unter anderem, weil ihnen die Hoffnung und Zuversicht lebt „Wir schaffen das, wenn ….“.
Frau Meyer, Herr Nesemann und Herr Werner, danke für das Gespräch!
Das Interview führte Silas Koch.
Zu den Interviewten: Elke Katharina Meyer, Frank Nesemann und Thomas Achim Werner bilden das Führungsteam des Beratungsunternehmens Positivity Guides, Berlin/Braunschweig, das auf das Themenfeld Positive Führung und Positive Leadership spezialisiert ist. Sie haben gemeinsam das Buch „Positiv führt! Mit Positive Leadership Teams und Organisationen empowern“ verfasst.



