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Die Reisesicherheit der Mitarbeitenden erhöhen

HR-Abteilungen nehmen im Rahmen des Reise-Risikomanagements eine zunehmend strategische Funktion ein und tragen maßgeblich zur Etablierung einer Sicherheitskultur im Unternehmen bei. Dies umfasst die Schulung von Mitarbeitenden, die Kommunikation von Verhaltensregeln sowie die enge Zusammenarbeit mit Sicherheits-, Rechts- und Compliance-Abteilungen. Ein Überblicksbeitrag.

5 Min. Lesezeit
Weg durch eine schöne Landschaft, Unternehmen müssen auch hier Reisesicherheit sicherstellen
Foto: ©AdobeStock/pngking

Ein neuer Leitfaden zur Gefährdungsbeurteilung von Geschäftsreisen und Entsendungen nach ISO 31030 von International SOS unterstützt Personalabteilungen bei der Erfüllung der Fürsorgepflicht des Arbeitgebers.

In einer zunehmend globalisierten Arbeitswelt sind Dienstreisen und Entsendungen fester Bestandteil vieler Unternehmen. Doch mit der Mobilität steigen auch die Risiken – von gesundheitlichen Gefahren über politische Instabilität bis hin zu Naturkatastrophen. Unternehmen stehen damit vor der Herausforderung, nicht nur die organisatorischen Aspekte von Auslandsaufenthalten zu managen, sondern auch die Sicherheit und Gesundheit ihrer Mitarbeitenden zu gewährleisten.

Genau hier setzt der neue, überarbeitete Leitfaden der International SOS Stiftung an. Er bietet eine praxisnahe Orientierungshilfe zur Durchführung von Gefährdungsbeurteilungen bei beruflichen Auslandsreisen und Entsendungen – unter Berücksichtigung von ISO 31030:2021 für Travel Risk Management.

Was ist die ISO 31030 – und warum ist sie relevant?

ISO 31030 ist ein internationaler Standard, der Unternehmen einen strukturierten Rahmen für das Reiserisikomanagement bietet. ISO 31030 wurde im Jahr 2021 veröffentlicht und richtet sich an alle Unternehmen, die Mitarbeitende auf Reisen schicken – ob national oder international. Ziel ist es, Risiken systematisch zu identifizieren, zu bewerten und durch geeignete Maßnahmen zu minimieren.

Für HR-Abteilungen bedeutet das: Der Standard ISO 31030 hilft, die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers durch eine detailliert beschriebene Anzahl von Maßnahmen zu erfüllen, damit Risiken für Geschäftsreisende und Entsandte reduziert und gleichzeitig das Vertrauen der Mitarbeitenden in die Sicherheitsmaßnahmen des Unternehmens gestärkt wird. Der Standard fördert und fordert eine Unternehmenskultur, in der Reisesicherheit als strategisches Thema verstanden wird – nicht als reine Compliance-Aufgabe.

Inhalt des neuen Leitfadens

Die zweite, überarbeitete Auflage des Leitfadens zur Gefährdungsbeurteilung wurde im Jahr veröffentlicht und entstand in Zusammenarbeit mit dem Gesamtverband der versicherungsnehmenden Wirtschaft (GVNW), dem Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf sowie der Non-Profit-Organisation ISSA Mining. Die zweite Auflage wurde vor allem um Aspekte des Standards ISO 31030 ergänzt.

Der Leitfaden gliedert sich in mehrere praxisorientierte Kapitel:

  • Fürsorgepflicht und Erläuterung der gesetzlichen Grundlagen in Deutschland (§ 5 ArbSchG, DGUV-Vorschriften, Arbeitsmedizinische Vorsorgeverordnung)
  • Hinweise zur Anwendung des Standards ISO 31030 als Ergänzung zur nationalen Gesetzgebung
  • Gefährdungsbeurteilung Schritt für Schritt
  • Von der Reisevorbereitung über die Durchführung bis zur Nachsorge
  • Identifikation spezifischer Risiken je nach Reiseziel (z. B. medizinische Versorgung, politische Lage, Naturgefahren).
  • Berücksichtigung individueller Risikofaktoren (z. B. Vorerkrankungen, Geschlecht, Alter).
  • Checklisten

Risikobewertung bei Auslandsreisen – wichtige Einflussfaktoren

Die Ermittlung und Bewertung potenzieller Gefährdungen umfasst mehrere Aspekte. Dazu zählen medizinische und sicherheitsrelevante Risiken im Zielland ebenso wie die Reiseplanung sowie das Profil des Unternehmens und der reisenden Person.

  1. Profil der reisenden Person

Neben dem Einsatzort ist die individuelle physische und psychische Verfassung der reisenden Person entscheidend. In die Bewertung sollten u. a. folgende Aspekte einfließen:

  • Vorhandene Grunderkrankungen
  • Alter, Geschlecht und Nationalität
  • Religiöse Zugehörigkeit sowie gesellschaftliche oder berufliche Stellung
  1. Unternehmensprofil

Auch das Unternehmen selbst ist Teil der Risikobewertung:

  • In welchen Ländern ist das Unternehmen aktiv?
  • Welche Tätigkeiten werden vor Ort ausgeführt?
  • Wie sind die lokalen Arbeitsbedingungen?

Beispiel: Büroangestellte sind anderen Risiken ausgesetzt als Mitarbeitende auf Baustellen oder in NGO-Einsätzen, wo politische und kulturelle Sensibilitäten eine größere Rolle spielen können.

  1. Reiseplanung

Reisedatum und -dauer beeinflussen die Risikoeinschätzung maßgeblich. Zu berücksichtigen sind:

  • Religiöse, kulturelle oder politische Feiertage und Ereignisse
  • Wahlen, Großveranstaltungen oder Naturphänomene wie Taifun- oder Hurrikansaisons

Diese Faktoren können sowohl die Sicherheitslage als auch die Infrastruktur erheblich beeinträchtigen.

  1. Zielregion und Infrastruktur

Nicht nur das Zielland, sondern auch der konkrete Zielort ist relevant:

  • Wie leistungsfähig ist das lokale Gesundheitssystem?
  • Gibt es Zugang zu medizinischer Versorgung bei Notfällen?
  • Urbanes Zentrum oder abgelegene Region?

Weitere Einflussfaktoren: Infrastruktur, Unterkünfte, Kriminalität, Extremismus, Klima und geografische Gegebenheiten.

  1. Gesundheitliche Risiken

Zu bewerten sind:

  • (Regionale) Infektionskrankheiten (z. B. Malaria, Typhus, Masern)
  • Verfügbarkeit und Wirksamkeit von Schutzimpfungen
  • Zugang zu medizinischer Versorgung und Medikamenten
  • Einfuhrbestimmungen für persönliche Arzneimittel
  • Besondere Risiken wie Hitze, Höhenlage, Smog oder gefährliche Tiere

Auch psychische Belastungen (Isolation, kulturelle Unterschiede, Arbeitsdruck) sollten nicht unterschätzt werden.

  1. Sicherheitslage

Sicherheitsaspekte umfassen:

  • Mögliche Vorbehalte gegenüber dem Unternehmen oder der entsendeten Person (z. B. aufgrund von Geschlecht, Religion oder sexueller Orientierung)

Politische Spannungen, Demonstrationen oder gewaltsame Proteste

  • Naturereignisse und saisonale Risiken
  • Lokale Feiertage und kulturelle Besonderheiten mit Einfluss auf Mobilität und Sicherheit

Warum HR jetzt handeln sollte

Die Anforderungen an Arbeitgeber steigen – nicht nur gesetzlich, sondern auch durch die Erwartungen der Mitarbeitenden. Wer heute Talente gewinnen und binden will, muss zeigen, dass er Verantwortung für reisende Mitarbeiter und Entsandte übernimmt – auch über Landesgrenzen hinweg. Der neue Leitfaden bietet Unternehmen eine fundierte Grundlage, um Reiserisiken professionell zu managen und die Fürsorgepflicht glaubwürdig umzusetzen.

Zudem hilft die Orientierung am Standard ISO 31030 dabei, interne Prozesse zu standardisieren, Audits besser zu bestehen und die Resilienz des Unternehmens insgesamt zu stärken. Gerade in Zeiten geopolitischer Unsicherheiten, Pandemien oder Naturkatastrophen ist ein robustes Reiserisikomanagement kein „Nice-to-have“, sondern ein Muss.

Fazit

HR-Abteilungen nehmen im Rahmen des Reise-Risikomanagements eine zunehmend strategische Funktion ein und tragen maßgeblich zur Etablierung einer Sicherheitskultur im Unternehmen bei. Dies umfasst die Schulung von Mitarbeitenden, die Kommunikation von Verhaltensregeln sowie die enge Zusammenarbeit mit Sicherheits-, Rechts- und Compliance-Abteilungen.

Der neue Leitfaden zur Gefährdungsbeurteilung bei Dienstreisen und Entsendungen bietet ein praxisnahes und normbasiertes Instrument, um Reiserisiken systematisch zu erfassen und zu minimieren.

Durch die Integration der ISO 31030 wird nicht nur die gesetzliche Fürsorgepflicht erfüllt, sondern auch ein wichtiger Beitrag zur Sicherheit, Gesundheit und Zufriedenheit der Mitarbeitenden geleistet. In einer Welt, in der Mobilität und Unsicherheit Hand in Hand gehen, ist ein strukturiertes Reiserisikomanagement kein optionales Extra mehr – sondern ein strategischer Erfolgsfaktor für moderne Unternehmen.

Darüber hinaus kann ein professionelles Travel Risk Management ein entscheidender Wettbewerbsvorteil sein. Unternehmen, die Risiken proaktiv managen und transparente Prozesse etablieren, stärken nicht nur das Vertrauen ihrer Mitarbeitenden, sondern positionieren sich auch als verantwortungsbewusste Arbeitgeber. Dies wirkt sich positiv auf das Employer Branding aus und kann die Mitarbeiterbindung nachhaltig verbessern.

(Dieser Beitrag ist in der HR Performance 4/2025 erschienen.)

Dr. Stefan Esser
Foto: ©Mario Andreya

Dr. Stefan Esser, Regional Medical Director, International SOS

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