Kundenservice Veranstaltungen: 02234-9894940
Kundenservice Bücher: 089-21837921
Aboservice Zeitschriften: 089-21837110

Zukunft der Arbeit: Kommt die „Soziale Organisation“?

Laut der Human Capital Trends-Studie 2018 sollen Unternehmen das zunehmende Führungsvakuum in der Gesellschaft füllen. Die Studie zeigt: Der Wirtschaft wird mehr Handlungssicherheit zugetraut als der Politik. Vor allem Millennials hinterfragen die ökonomischen und sozialen Prinzipien ihrer Arbeitgeber: Sie legen hohen Wert auf den sozialen Fußabdruck der Organisation, für die sie arbeiten. Auch KI und Robotik verändern Rollen und Kompetenzen und lassen einzigartig menschliche Fähigkeiten in den Fokus rücken.

Ist die Wirtschaft ein vertrauenswürdigerer Adressat als die Politik, wenn es um die Gestaltung unseres Zusammenlebens geht? Viele Menschen weltweit scheinen genau dieser Ansicht zu sein: Wie die Globale Human Capital Trends-Studie 2018 von Deloitte „Der Aufstieg der ‚Sozialen Organisation‘“ zeigt, messen sie den Unternehmen eine zentrale Funktion im Hinblick nicht nur auf Einkommenssicherheit, sondern auch auf Diversity oder Gesundheitsvorsorge zu. Für die Unternehmen bedeutet das eine deutlich größere Verantwortung – die über das hinausgeht, was bislang unter dem Begriff der Corporate Social Responsibility zusammengefasst wurde. Treibende Kraft hinter der Entwicklung sind sowohl die Millennials, die einen immer größeren Teil der Arbeitnehmerschaft ausmachen, als auch die technische Entwicklung.  Besonders die Effekte der Digitalisierung und ihrer Auswirkungen auf den „Faktor Mensch“ kommen dabei ins Spiel. Die Studie identifiziert die maßgeblichen Trends – von einer neuen Führungskultur bis hin zum Gig Working.

„Konkret bedeutet der Megatrend ‚Soziale Organisation‘: Unternehmen müssen den einzelnen Menschen in den Mittelpunkt stellen, wenn sie Höchstleistung von ihren MitarbeiterInnen einfordern und erwarten. Dass diese Aufgabe in eine Zeit fällt, in der auch die Digitale Transformation die Führungsetagen intensiv beschäftigt, erleichtert die Aufgabe nicht“, erklärt Dr. Udo Bohdal-Spiegelhoff, Leiter Human Capital Advisory Services bei Deloitte.

Soziale Verantwortung: Mitarbeiterzufriedenheit im Fokus
Mitarbeiter und Öffentlichkeit üben dabei gleichermaßen Druck auf die Unternehmen aus, sich für mehr soziale Verantwortung einzusetzen.  Gerade die Millennials, denen ein gewisses Maß an Politikverdrossenheit nachgesagt wird, fordern von ihren Arbeitgebern mehr als „nur“ die Erfüllung der üblichen CSR-Verpflichtungen. Dabei steht für sie vor allem die Mitarbeiterbindung im Vordergrund. Doch fast zwei Drittel beklagen, dass die entsprechenden Budgets nicht oder kaum gestiegen sind.

Neue Führungskultur gefragt
Unternehmen werden immer mehr Führungsaufgaben zugemessen, die weit über ihren ursprünglichen Wirkungsbereich hinausgehen. Der Anspruch: Sie sollen dazu beitragen, die Welt gerechter zu machen – zumindest für diejenigen, die dort arbeiten. Dazu gehört auch, die eigene Führungskultur kritisch zu hinterfragen und zu verändern. So müssen Top-Manager zunehmend in der Lage sein, Teams nicht nur zu führen, sondern selbst in cross-funktionalen Teams zu agieren. In Deutschland ist das der Ansicht von 62 Prozent der Studienteilnehmer zufolge nur rudimentär der Fall.

Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit
Das Wohl der Belegschaft rückt zunehmend in den Fokus – die Mitarbeiterzufriedenheit wird zur strategischen Priorität. Die Studie zeigt jedoch bei den deutschen Teilnehmern auch hier eine Lücke zwischen Erwartung und Realität. Ob flexible Arbeitszeiten, Mobile Working, Kinderbetreuung, oder Prävention: Nachfrage und Angebot klaffen jeweils um 30 bis 40 Prozentpunkte auseinander.

Ältere Arbeitnehmer einbinden
Ein wichtiger Aspekt ist die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer – vor allem wegen ihrer Erfahrung. Tatsächlich arbeiten in Deutschland mehr ältere Arbeitnehmer mit ihren jüngeren Kollegen zusammen als international. Auf der anderen Seite hat die „goldene Generation“ aber auch spezielle Bedürfnisse wie mehr Arbeitszeit-Flexibilität, Umschulungen sowie Weiterbildungs-optionen. Und auch hier, so zeigt die Studie, steht Deutschland im internationalen Vergleich recht gut da.

Neue Strukturen durch Gig Economy, Crowd Working und Freelancing
Flexibilität wird in jeder Hinsicht großgeschrieben. Der traditionelle Vollzeitmitarbeiter ist auf dem Rückzug – zugunsten von Gig Working, Crowd Working oder auch Freelancing. Für das Management bedeutet das viele Herausforderungen, vom Onboarding bis hin zu adäquaten Kommunikationsstrukturen. Weitere wichtige Elemente einer neuen Unternehmenskultur sind intelligente und vor allem flexible Incentivierungs- und Vergütungsmodelle sowie mehr Karriere-Gestaltungsmöglichkeiten. Dabei stellen die deutschen Teilnehmer den Unternehmen ein besseres Zeugnis aus als der internationale Durchschnitt – „nur“ 30 Prozent bescheinigen starke Defizite.

Ergänzung menschlicher und digitaler Kompetenzen
Immerhin 61 Prozent der deutschen Studienteilnehmer sehen ihr Unternehmen gut auf die Digitalisierung vorbereitet – international sind es nur 31 Prozent. Wichtig ist die Kultivierung eines Modells, in dem sich menschliche und digitale Eigenschaften ergänzen. Zu den typisch menschlichen Charakteristika zählen für die Studienteilnehmer vor allem soziale Kompetenz sowie die Fähigkeit, Probleme zu lösen. Wie genau der ideale Mix aus digitaler und menschlicher Befähigung aussehen und strategisch entwickelt werden soll, davon hat ein gutes Drittel der Befragten eigenen Angaben zufolge jedoch noch keine Vorstellung.

Quelle: Deloitte

(Foto: XXL_mast3r/Fotalia)

Passende Artikel
Zeitschrift HR Performance

Franz Langecker

149,00 €

Preis für Jahresabonnement Inland