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Zeitwertkonto für Geschäftsführer – das ist zu beachten

Flexibilität – darauf setzen auch immer mehr Führungskräfte in der Handhabung von Arbeitszeitkonten. Jedoch gelten seitens des Fiskus strenge Vorschriften für derartige Langzeitkonten. Was Firmen und Chefs bei Zeitwertkonten beachten sollten: ein Überblick.

Die Vorteile eines Zeitwertkontos für Geschäftsführer:

-          Finanzierung der Altersvorsorge,

-          Realisierung der Bezüge bei vorübergehender Freistellung,

-          Vorziehung des Ruhestandes

So funktioniert ein Zeitwertkonto:

Überstunden, Urlaubsgeld, Provisionen oder Boni werden nicht ausgezahlt, sondern als Gutschrift steuer- und sozialabgabenfrei angespart. Auf diese Weise sinkt der Lohnsteuersatz, da das Entgelt über einen längeren Zeitraum gestreckt wird. Lohnsteuer wird erst in der Auszahlungsphase fällig.

Langzeitkonten sind für GmbH-Geschäftsführer möglich

GmbH-Geschäftsführern und Vorständen einer Aktiengesellschaft verweigerte der Fiskus bislang die steuerliche Anerkennung: Es sei mit dem Aufgabenbild nicht vereinbar, dass sie auf die unmittelbare Entlohnung zugunsten später zu vergütender Freizeit verzichten. In einem jüngeren Urteil hat der Bundesfinanzhof diese Sichtweise teilweise revidiert (Az. VI R 17/16).

Die Richter sehen in Gutschriften nur dann einen gegenwärtig zufließenden Arbeitslohn, wenn das Arbeitszeitkonto einem beherrschenden Gesellschafter-Geschäftsführer gehört. Das Urteil eröffnet Firmen nun die Möglichkeit, Arbeitszeitkonten als zusätzliches Instrument für die Gewinnung und Bindung von Geschäftsführern einzusetzen.

Ein neues Schreiben des Bundesfinanzministeriums zeigt auf, in welchen Fällen die Finanzbehörden Arbeitszeitkonten für Geschäftsführer steuerlich anerkennen (Az. IV C 5 – S 2332/07/0004 :004). Grundsätzlich unkritisch ist die Einrichtung von Zeitwertkonten für Fremdgeschäftsführer, die an der Firma keine Anteile halten. Auch bei Gesellschafter-Geschäftsführern ohne Mehrheitsbeteiligung ist eine Anerkennung möglich. Voraussetzung ist hier, dass keine verdeckte Gewinnausschüttung vorliegt.

Diese Fallstricke gibt es

Verdeckte Gewinnausschüttungen führen zum Verlust von Steuervorteilen. Die Folge: hohe Nachzahlungen samt Zinsen und ggf. strafrechtliche Konsequenzen. Haben Geschäftsführer aufgrund ihrer Mehrheitsbeteiligung eine beherrschende Stellung inne, wird bei der Vereinbarung von Arbeitszeitkontenmodellen nach derzeitigem Rechtsstand stets eine verdeckte Gewinnausschüttung (vGA) angenommen.

Fazit: Rechtsprechung bei Arbeitszeitkonten im Blick behalten

Zeitwertkonten für Geschäftsführer sind komplex. Firmen und zukünftige Chefs sollten aufgrund der Tragweite stets einen steuerlichen Berater konsultieren. Zudem sollten sie die Rechtsprechung bezüglich Arbeitszeitkonten für Mehrheitsgesellschafter im Blick behalten. Denn ob hier die generelle Verweigerung des Fiskus auch künftig Bestand haben wird, bleibt abzuwarten.

Quelle: Matthias Gehlen, Steuerberater WWS-Gruppe, „Arbeitszeitkonten für Geschäftsführer nutzen“, HR Performance 1/2020