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Zeitwertkonto: Abgesichert ins Sabbatical

Statt für das Sabbatical zu kündigen oder unbezahlten Urlaub zu nehmen, bieten immer mehr Unternehmen ihren Angestellten ein Zeitwertkonto an.

Das Prinzip ist wie bei einem Bankkonto ganz einfach: Guthaben ansparen, Guthaben wieder aufbrauchen. Nur, dass es sich beim Abheben nicht um Währung handelt, sondern um Zeit. Der Vorteil im Vergleich zu unbezahltem Urlaub: Arbeitnehmer*innen bleiben während des Sabbaticals weiterhin bei ihrem Arbeitgeber beschäftigt und müssen ihre Sozialversicherungsbeiträge deshalb nicht selbst tragen.

Zeitwertkonto: die Zielgruppe

Mitarbeitende – egal ob in Voll- oder in Teilzeit – die sozialversicherungsbeschäftigt sind, können von einem solchen Konto profitieren. Es gibt lediglich zwei Ausnahmen: Geschäftsführer*innen einer GmbH und Vorstände einer Aktiengesellschaft. Hier entschied der Bundesfinanzhof, dass ein solches Konto nicht mit den Aufgaben dieser beiden Positionen vereinbar ist. Einzahlungen könnten wie eine verdeckte Gewinnausschüttung bewertet werden.

Die zwei Phasen: Ansparen und Aufbrauchen

1. Guthaben sammeln

Wenn der Arbeitnehmende länger ins Ausland möchte, muss er zunächst sparen. Der Vorteil: Während er das macht, muss er auf das eingezahlte Guthaben weder Lohnsteuer noch Sozialabgaben zahlen. Wie der Arbeitnehmende Guthaben auf seinem Konto ansammelt, bleibt letztlich ihm und dem Arbeitgebenden überlassen. Klar ist: Der Mitarbeitende kann klassisch Überstunden oder Resturlaub auf dem Konto parken. Denkbar ist aber auch, dass er Geld einbezahlt – beispielsweise als Sonderzahlungen oder Prämien, die ihm der Arbeitgeber später als Zeit zurückvergütet.

Achtung: Das Wertguthaben auf dem Zeitwertkonto darf eine bestimmte Höhe nicht überschreiten. Der Arbeitgebende muss sicherstellen, dass der Mitarbeitende während seiner Auszeit das Guthaben vollständig aufbrauchen kann. Ansonsten müssten schon in der Phase des Ansparens Steuern und Sozialabgaben bezahlt werden. Arbeitgebende sollten daher regelmäßig auf die Höhe des Kontos achten. Ansonsten drohen Nachzahlungen. Das gilt vor allem für Arbeitnehmer*innen, die das Konto nicht für ein Sabbatical nutzen, sondern beispielsweise damit früher in Rente gehen möchten.

2. Guthaben aufbrauchen

Von dieser Phase profitieren vor allem Arbeitnehmer*innen. Der Arbeitnehmende kann die Zeit jetzt nutzen, um die Seele in der Ferne baumeln zu lassen. Und das völlig unbeschwert: Denn er bekommt während der Freistellung Geld von seinem Arbeitgeber und ist weiterhin versichert.

Die Kontoeröffnung – das ist zu beachten

Wie bei der Bank muss auch der Arbeitnehmende ein Zeitwertkonto bei seinem Arbeitgebenden „eröffnen“. Und das schriftlich mittels einer sogenannten Wertguthabenvereinbarung. Hier sollte der Mitarbeitende mit dem Arbeitgebenden klären, für welche Zwecke er das Zeitwertkonto verwendet. Größere Unternehmen regeln das normalerweise in ihrer Betriebsvereinbarung oder im Tarifvertrag. Auch sollte der Arbeitnehmende mit einer Einbringungserklärung festlegen, wie viel er monatlich einzahlen möchte. Achtung: Der Mitarbeitende sollte darauf achten, dass sein Arbeitgeber ihm nach Abzug weiterhin mehr als 450 Euro monatliches Gehalt auszahlt (ab Oktober 2022 mehr als 520 Euro).

Mitarbeiter-Auszeit: Welche Vorteile haben Arbeitgeber?

Monatelang auf einen wichtigen Mitarbeiter verzichten? Das wollen die wenigsten. Dennoch kann es sich für Unternehmen lohnen, ihren Mitarbeiter*innen ein Sabbatical durch ein Zeitwertkonto zu ermöglichen. Diese Gründe sprechen dafür:   

1. Mehr Motivation nach der Rückkehr

Unternehmen, die ihren Mitarbeiter*innen eine Auszeit gewähren, erhalten häufig kreativere und engagierte Angestellte zurück. Durch den Blick über den Tellerrand haben sie neue Perspektiven bekommen und bringen frische Impulse mit in den Job.

2. Mitarbeiter*innen binden sich langfristig

Glückliche Mitarbeiter*innen binden sich langfristig an ihren Arbeitgebenden. Sie sind in der Regel loyaler und engagierter. Unternehmen, die ihren Angestellten ein Sabbatical ermöglichen, haben gute Chancen, mit diesen noch lange zusammen zu arbeiten.

3. Nase vorn beim Fachkräftemangel: Zeitwertkonto als spannendes Corporate Benefit

In Zeiten des Fachkräftemangels ist ein Zeitwertkonto ein klarer Wettbewerbsvorteil. Dabei spielt es letztlich keine Rolle, ob das Zeitwertkonto für eine Auszeit oder als Alternative zur betrieblichen Altersvorsorge genutzt wird. Das Konto als Corporate Benefit steigert klar die Arbeitgeberattraktivität. 

Fazit: Wer attraktiv sein will, muss leisten

Sich eine Auszeit zu nehmen, galt in der Arbeitswelt lange als verpönt. Auch heute spielt Leistung in unserer Gesellschaft eine zentrale Rolle. Aber: Unternehmen erkennen zunehmend, dass die mentale Gesundheit ihrer Mitarbeiter*innen die Voraussetzung dafür ist, dass diese überhaupt etwas leisten können. Ein Sabbatical ist also kein Zeichen von Schwäche. Sondern ein Signal, dass Unternehmen die Bedürfnisse ihrer Mitarbeitenden ernst nehmen. Wer als Arbeitgebender attraktiv bleiben will, muss umgekehrt eben auch seinen Beitrag dazu leisten.

Autor: Philipp R. Kinzel

Foto: AdobeStock/BillionPhotos.com