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Was wird aus dem Homeoffice-Hype?

Viele Recruiter haben festgestellt, dass „New Work“ ein noch gar nicht so etablierter Begriff ist, wie es uns Presse, Social-Media-Threads und die Tagungswelt bereits glauben lassen wollen – vielen Beschäftigungssuchenden sagt diese zukunftsträchtige Wortschöpfung immer noch nichts.

Durch die Corona-Krise haben viele Unternehmen ihre Mitarbeiter zunächst von sich aus ins Homeoffice geschickt – eine beidseitige Regelung wurde hier in den seltensten Fällen getroffen, sondern eine Anordnung erlassen. Der „Erfüllungsort“ ist grundsätzlich der Betriebssitz des Arbeitgebers und dort ist die tatsächliche Arbeitsleistung auch zu erbringen. Problematischer gestaltet sich die Bestimmung des Erfüllungsorts, wenn der Arbeitnehmer eben nicht dauerhaft im Betrieb, sondern vielmehr regelmäßig oder dauerhaft im Homeoffice arbeitet. Hierbei fallen Tätigkeitsort und Betriebssitz auseinander, dann ist aber in der Regel ein einheitlicher (gemeinsamer) Erfüllungsort zu bestimmen (Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 20.04.2004 – 3 AZR 301/03).

Werden Gehälter künftig standortabhängig sein?

Im Herbst machte nun Google von sich reden, weil das Unternehmen im September 2021 an der vollen Bezahlung seiner Mitarbeiter bei standort-abhängigen Vergütungspaketen rüttel-te – Facebook und Twitter kürzten die Gehälter ihrer Beschäftigten bei Umzügen in günstigere Gegenden. Müssen deutsche Arbeitnehmer solche Einbußen im Rahmen ihrer (bestehenden) Arbeitsverhältnisse künftig auch fürchten? Vor allem sogar dann, wenn die Arbeitsortbestimmung einseitig durch den Arbeitgeber geändert wurde oder wird? Nicht solange die Bezahlung an die Leistung geknüpft ist, also gleicher Lohn für gleiche Arbeit, und das ortsunabhängig, beruhigt ver.di im Moment seitens der Gewerkschaften – auch im Hinblick darauf, dass einige Firmen sogar versuchen, ihre Büroflächen durch die Abmietung von Flächen zu verkleinern.

Bleibt der Homeoffice-Hype auch nach der Pandemie bestehen?

Im Gespräch mit GMX gibt Florian Haggenmiller (Leiter Fachgruppen Telekommunikation und IT/DV, ver.di) aber zu bedenken: „Generell gibt es keine Sau, bei der ich mir nicht vorstellen kann, dass sie durchs Dorf getrieben wird.“ Was soll nach der Pandemie kommen? Wie planen die Arbeitgeber für die Zeit nach der Pandemie in Sachen Homeoffice? Laut einer Umfrage des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) vom Juni 2021 wollen rund zwei Drittel der Betriebe ihr Homeoffice-Angebot auf den Stand vor der Corona-Krise zurückfahren. Wie die Erhebung zeigt, haben die Unternehmen ganz unterschiedliche Pläne für die Zukunft. Es wäre also falsch, zu vereinfacht von allgemeinen Entwicklungen und Tendenzen zu sprechen. Noch auffälliger: Immerhin etwa jedes zehnte Unternehmen will nach der Pandemie sogar weniger Homeoffice anbieten als vor der Corona-Krise. „Der Anteil der Betriebe, die die Homeoffice-Option ausbauen wollen, ist bei den Großbetrieben mit über 250 Mitarbeitenden sehr viel höher als bei kleinen und mittleren Betrieben“, so IAB-Forscher Christian Kagerl. Während in Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten rund 65 Prozent einen Ausbau des Homeoffice-Angebots planen, sind es bei Betrieben mit weniger als 50 Angestellten nur knapp 20 Prozent. Natürlich kann man diese Botschaft insgesamt auch „umdrehen“ und sagen: „Jedes fünfte Unternehmen will stärker auf Homeoffice setzen.“

Fazit: Es gibt nicht nur ein Homeoffice – und damit nicht nur einen Trend

Über alle Firmengrößen hinweg zeigen die betrieblichen Pläne zum Einsatz von Mobilarbeit in sehr unterschiedliche Richtungen. Es gibt eben nicht nur „ein“ Homeoffice und damit einen Trend, sondern unterschiedliche und stets neue Entwicklungen, die es zu beachten und zu berücksichtigen gilt. Und genau deshalb kommt es trotz aller erkannt geglaubten „Tendenzen“ weiter auf die Details, Vernunft und Weitsicht an.

Autorin: Dr. Silvija Franjic,Onlineredakteurin + Jobcoach

Der vollständige Artikel ist erschienen in der Lohn + Gehalt, Dezember 2021.

Teaserfoto: © Adobe Stock/moofushi