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Wie will die Generation Y geführt werden?

Amel Lariani spricht im Interview mit der HR Performance über die Generation Y und was gute Führung für sie ausmacht.

 

HRP: Was zeichnet die Generation Y aus? 

Amel Lariani: Die Generation Y ist mit dem Thema Digitalisierung aufgewachsen, sie nutzen regelmäßig neue soziale Medien und beziehen ihre Informationen aus dem Internet. Viele sind nicht bereit für Informationen und Nachrichten zu bezahlen, weil alles, was sie brauchen, frei zugänglich und verfügbar ist. Sie sind sehr gut ausgebildet, besser als die Generationen zuvor und schöpfen aus einer Vielfalt von Wahlmöglichkeiten. Es handelt sich generell um eine optimistische Generation mit selbstbewusster Einstellung. Sinnsuche, Selbstverwirklichung und eine erfüllende Arbeit sind wichtiger, als das Streben nach materiellem Erfolg.

HRP: Wie ist die Generation Y beim Aufwachsen (durch Eltern, Schule, Ausbildung) „geführt“ worden? 

Lariani: Die Generation Y und Z wachsen nicht über Befehl und gehorsam auf. Der Erziehungsstil zielt mehr denn je auf die individuellen Bedürfnisse ihrer Kinder ab. Für Eltern der Generationen Y und Z ist die Potenzialentfaltung ihrer Kinder wichtig, sie legen vermehrt den Fokus auf die Entwicklung von Selbstbewusstsein und Selbstständigkeit. Schon frühzeitig binden sie ihre Kinder über Verhandlungsstrategien in die Gestaltung des Familienlebens und des persönlichen Lebens mit ein. Elternbefragungen zeigen jedoch auch die Kehrseite der Medaille auf. Wenn sie zu stark mit eigenen Problemen beschäftigt sind, wird die Förderung der Kinder auf das notwendigste minimiert.

HRP: Was ist der Generation Y beim Thema Führung wichtig?

Lariani: Aus den vorhergehenden Fragen und  Antworten erfolgt die logische Ableitung. Die Kommunikation sollte transparent, offen und ehrlich sein. Die Generation Y hat eine hohe Leistungsbereitschaft, wenn die intrinsische Motivation berücksichtigt wird. Neben der Kommunikation ist die Berücksichtigung von Eignung und Neigung wichtig. Wenn sie Aufgaben bekommen, die ihrer Eignung und Neigung entsprechen, wird ihr Bedürfnis nach Spaß an der Arbeit erfüllt. Gemeinschaft und Zugehörigkeit sind wichtige Werte der Generation. Sie sind sich ihrer Individualität bewusst, arbeiten jedoch lieber gemeinsam an einem übergeordneten Ziel. Erfahrungsgemäß wollen sie geführt werden, weil nicht die Verantwortung der Entscheidungen im Vordergrund steht, es geht vielmehr darum, beteiligt zu werden. Das Thema Lebensstilintegration ist ein weiterer wichtiger Punkt. Unternehmen die Möglichkeiten zur flexiblen Arbeitsgestaltung geben, liegt ganz weit vorne.

HRP: Was ist der größte Unterschied zu vorhergehenden Generationen? 

Lariani: Der Wunsch nach Subjektivierung. Die vorherige Generation wurde objektifiziert. Gewinnstreben als übergeordnetes Ziel und der Mensch als ausführendes Instrument, die Zielvorgaben über Leistung zu erfüllen. Der Fokus lag auf Leistungssteigerung, mit dem Ziel der Gewinnmaximierung. An Status und Geld wurde der Erfolg festgelegt. Der jüngeren Generation geht es hauptsächlich um das Thema Lebensqualität und darum, einen sinnvollen Beitrag zu leisten. Das Bewusstsein für das WOZU ist stärker ausgeprägt. Jede Tätigkeit führt zu einer bestimmten Wirkung, deswegen rücken Themen wie Umweltschutz, Kulturwandel und Corporate Social Responsibility mehr in den Fokus der Aufmerksamkeit.

HRP: Was für ein Führungsstil motiviert die Generation Y am besten? 

Lariani: Kein Stil wird sie motivieren. Die Grundhaltung in der Führung sollte menschenorientiert sein. Echtes Interesse am Menschen und seinen Bedürfnissen. Dazu gehört beispielsweise eine offene Kommunikation auf Augenhöhe, bedürfnisorientierte Förderung und Befähigung, Rücksichtnahme auf persönliche Bedürfnisse. Jeder von uns kennt es aus eigener Erfahrung. Wenn wir jemanden schätzen und mögen, sind wir automatisch motivierter diese Person zu unterstützen. Für jemanden zu arbeiten, der seine eigenen Interessen und Absichten über alles stellt, hat die Konsequenz, dass Arbeit zur Pflichterfüllung und nicht zur Erfüllung wird.

HRP: Was ist ein „No-Go“ beim Thema Führung der Generation Y?

Lariani: Befehle empfangen und gehorsam erwarten. Generell hat die Generation Y mehr Möglichkeiten, bedingt durch den Fachkräftemangel und die Vielfalt an Wahlmöglichkeiten. Sie sind sehr flexibel, das betrifft auch die Bereitschaft den Arbeitgeber zu wechseln. Sie identifizieren sich mehr mit der Tätigkeit und den Rahmenbedingungen, als mit dem Unternehmen an sich. Von daher ist ein autoritärer Führungsstil ein „NO-GO“ mit Konsequenzen für den Arbeitgeber.

 

_DSC7457Amel Lariani ist Inhaberin, Beraterin und Coach bei Embodyment Guide – menschenorientierte Personalarbeit. Sie ist Gastdozentin an der Universität in Bayreuth für Wirtschafts- und Unternehmensethik und hat acht Jahre lang menschenzentrierte Forschung betrieben.

 

 

 

Mehr zum Thema Mitarbeiterführung können Sie auch in der nächsten Ausgabe der HR Performance lesen, die am 30. Oktober 2018 erscheint.

(Foto: peshkova/Fotalia)

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