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Spaß bei der Arbeit - das indische Managementgeheimnis

Gehören Sie auch zu den Menschen, die morgens ganz gern ins Büro oder ins Homeoffice gehen? Finden Sie Ihren Job interessant? Wenn Sie nein sagen, wäre es doch ganz interessant zu wissen, was geschehen müsste, damit Sie Ihren Job lieben. Darüber nachzudenken lohnt sich auf jeden Fall. Manchmal lassen sich die Verhältnisse leichter ändern als man denkt.

Ist Ihnen schon aufgefallen, dass inzwischen in vielen Konzernen, nicht nur in der IT, die CEOs Inder sind bzw indische Wurzeln haben? Ich nenne nur ein paar Firmennamen: Twitter, Google, Microsoft, IBM, Adobe, Novartis u.a.m. Warum ist das so? Gibt es ein indisches Managementgeheimnis? Tatsache ist, dass indische Manager derzeit die Welt erobern.

Wertschätzung fällt uns zu schwer

Das Manager Magazin hat im Juni 2016 eine Statistik von Statista präsentiert. Die Headline lautete: „Die Inder haben am meisten Spaß bei der Arbeit“. Abgeschlagen folgten die USA, dann Brasilien und im Mittelfeld lag Deutschland. Japan bildete das Schlusslicht.

Ich glaube, da hat sich in den letzten fünf Jahren nicht viel verändert. Die Menschen gehen eigentlich gerne ins Büro, sagen die Marktforscher. Auch wenn die Studie schon ein paar Jahre alt ist, bestätigen die indischen CEOs noch immer ihre Aktualität. Die Marktforscher haben dabei drei Säulen des Wohlbefindens gefunden, die für den Spaß an der Arbeit stehen. Dabei geht es um das Umfeld, um die Wertschätzung und um die Emotion.

Unter dem Stichwort „New Work“ überlagert das Thema „Umfeld“ seit Monaten alle anderen Themen. Beim Stichwort „Wertschätzung“ sieht es in Deutschland seit jeher eher mager aus. „Nicht geschimpft, ist genug gelobt“, sagt der Schwabe. Wenn Sie vor 20 Jahren Ihre Kinder in die Schule gebracht haben, erinnern Sie sich sicher noch, dass alle Eltern vehement ihre eigenen Kinder verteidigt haben und nichts über sie kommen ließen. War das die Wertschätzung? Zumindest fühlte es sich so an.

Gut vorstellbar, dass die Generation dieser Kinder heute die Wertschätzung, die sie früher erfahren hat, in vielen Unternehmen vermisst. Darüber lohnt es sich nachzudenken. Wenn wir uns alle mit mehr Wertschätzung begegnen und sie auch aussprechen, können wir nur gewinnen.

Das indische Geheimnis heißt wohl Emotion

Vielleicht haben Sie das Glück und Ihr CEO ist Inder, dann können Sie leichter nachvollziehen, warum gerade Emotion die Inder als Manager so erfolgreich macht. Wieviel Emotion erleben Sie in Ihrem Unternehmen? Wahrscheinlich eher im Kollegenkreis als über die Hierarchien hinweg. Die Schweizer Zeitung NZZ am Sonntag beschäftigte sich vor einiger Zeit ebenfalls mit dem wundersamen Aufstieg der indischen Manager. Im multiethnischen Indien mit 22 Hauptsprachen treffen sich an den großen Universitäten Menschen aus allen Sprachen und Kulturen. Das vermittelt soziale Kompetenz. Ich zitiere den Redakteur des Artikels Jörg Wimalasena: „An den Universitäten ist niemand in der Mehrheit. Jeder ist eine Minderheit. Es gibt keine Hierarchien, deshalb muss jeder mit jedem auskommen“. In Großfirmen werden Inder geschätzt, weil sie gut mit Kollegen zusammenarbeiten können. Bekannt ist ihre zurückhaltende Führungskultur. Sie treten eher bescheiden und unkompliziert auf. Sie hören mehr zu, sie fragen mehr, als sie diktieren und sie suchen lieber den Konsens, als sich durchzusetzen. Wer wünscht sich diese Art von Emotion nicht auch in seinem Unternehmen.

Franz Langecker