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Sitzen ist das neue Rauchen

Der Alltag für viele Berufstätige bedeutet vor allem eines: Sie sitzen. Im Auto zur Arbeit, im Büro stundenlang vor dem Rechner oder als Fahrer hinter dem Lenkrad eines Busses. Und wann bewegen sie sich? „Auf jeden Fall viel zu wenig – und das macht krank“, sagt Prof. Dr. Claus Backhaus vom Zentrum für Ergonomie und Medizintechnik der FH Münster. Für seinen Beitrag zur „Messung der körperlichen Aktivität an Fahrerarbeitsplätzen am Beispiel von Busfahrern im Stadt- und Langstreckenverkehr“ wurde Backhaus nun in Hamburg mit dem renommierten Julius-Springer-Preis für Arbeitsmedizin der Deutschen Gesellschaft für Arbeits- und Umweltmedizin (DGAUM) ausgezeichnet. „Sitzen ist das neue Rauchen“, sagt Backhaus. Denn der Bewegungsmangel könne zu Rückenschmerzen, Krampfadern, Verdauungsproblemen, Übergewicht und sogar zu einem erhöhten Herzinfarkt-, Diabetes- oder Krebsrisiko führen.


Um sich ein genaues Bild von den bewegungsarmen, sitzenden Tätigkeiten zu machen, untersuchte Backhaus in seiner Studie die körperlichen Aktivitäten von Busfahrern im Stadt- und Langstreckenverkehr und verglich diese. Dazu stattete er die Fahrer während ihres Dienstes mit 14 Bewegungssensoren an Kopf, Rumpf, Armen und Beinen aus, um eine biomechanische Bewegungsanalyse vornehmen zu können. „Eigentlich hatten wir erwartet, dass sich Langstreckenfahrer deutlich weniger bewegen, aber das Gegenteil ist der Fall“, beschreibt der Forscher ein erstaunliches Ergebnis der Untersuchung. „Die Ergebnisse zeigten, dass sie auf Langstrecken den Tempomat nutzen und zeitweise die Füße von den Pedalen nehmen, um die Beine zu bewegen.“ Dadurch könne belegt werden, dass Fahrerassistenzsysteme zur autonomen Fahrzeugführung einen positiven Effekt auf die körperliche Aktivität haben könne. Außerdem leitete Backhaus aus den Ergebnissen eine Reihe von Maßnahmen – von ergonomischer Arbeitsplatzgestaltung über Bewegungspausen oder Sportangeboten im Unternehmen – ab, die mehr Bewegung in den Alltag von Busfahrern bringen können.

„Anhand dieser Studie ist es jetzt besser möglich, andere bewegungsarme Berufstätigkeiten miteinander zu vergleichen“, erklärt Backahaus. Denn die Forschung sei angesichts der Vielzahl von sitzenden Berufstätigkeiten und den damit verbundenen gesundheitlichen Risiken sicher noch lange nicht abgeschlossen.

 

(Foto: © Konstantin Sutyagin/Fotolia.com)