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„Wir können uns in der digitalen Welt keine veralteten Berufsbilder mehr leisten“

Deutschland wird in der digitalen Welt nur dann attraktiv werden, wenn den weit verbreiteten Wünschen nach einer flexiblen Arbeitszeitgestaltung besser Rechnung getragen wird.

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Foto: ©AdobeStock/Nuthawut

Das Bundeskabinett hat vor Kurzem verkündet, wie auf den Fachkräftemangel reagiert werden soll. Dazu die Meinung von Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder.

„Die Fachkräftestrategie der Bundesregierung ist überfällig, der Fachkräftemangel wurde viel zu lange ignoriert und unterschätzt. Er ist eine der größten Bedrohungen für Wachstum, gesellschaftlichen Zusammenhalt und Zukunftsfähigkeit unseres Landes. So fehlen zum Beispiel 96.000 IT-Expertinnen und IT-Experten, um die Digitalisierung von Unternehmen, Verwaltung und Gesellschaft voranzubringen.

Bitkom begrüßt die Fachkräftestrategie der Bundesregierung, jetzt gilt es schnell in die Umsetzung zu kommen. Im Zentrum müssen zum einen konkrete Maßnahmen zur Aktivierung der Potentiale innerhalb Deutschlands stehen. Zum anderen müssen wir als Land attraktiver werden für Fachkräfte von außerhalb. So sollte auf eine behördliche Prüfung der Qualifikation von IT-Fachkräften aus dem Nicht-EU-Ausland ohne formalen Abschluss, aber mit ausgeprägter praktischer Erfahrung verzichtet werden.

Ein Befähigungsnachweis des künftigen Arbeitgebers sollte für die Erteilung eines Visums ausreichen. Zudem spielt die deutsche Sprache in der Digitalbranche eine untergeordnete Rolle, die Forderung von Deutschkenntnissen für IT-Fachleute ist für den Zeitpunkt der Zuwanderung verzichtbar.

Wir begrüßen, dass die Strategie bei der Aus- und Weiterbildung verstärkt Frauen, Ältere, Menschen mit Migrationshintergrund sowie Menschen mit Schwerbehinderungen in den Blick nimmt. Zudem ist es mit Blick auf die rasanten Entwicklungen in der Digitalbranche der richtige Ansatz, die Aus- und Fortbildungsordnungen in der dualen Berufsausbildung laufend zu modernisieren.

Wir können uns in der digitalen Welt keine jahre- oder jahrzehntealten Berufsbilder und Ausbildungspläne mehr leisten, sie müssen die Anforderungen der digitalen Transformation jeweils aktuell widerspiegeln. Das gilt aber auch für die Weiterbildung. Eine Erleichterung und systematische Stärkung des Quereinstiegs in die Digitalwirtschaft ist zur Bekämpfung des Fachkräftemangels dringend notwendig. Dazu gehört zum Beispiel die stärkere Förderung von praxisnahen Coding-Schools und Bootcamp-Kursen. Geplante Maßnahmen wie der Aufbau einer Nationalen Weiterbildungsplattform können hilfreich sein, wenn sie den bereits bestehenden Flickenteppich an Weiterbildungsangeboten zusammenweben und nicht weiter vergrößern.

Deutschland wird in der digitalen Welt nur dann attraktiv werden, wenn den weit verbreiteten Wünschen nach einer flexiblen Arbeitszeitgestaltung besser Rechnung getragen wird. Zu oft orientiert sich die deutsche Gesetzgebung noch am Stahlkocher oder Kohlekumpel, nicht an Software-Ingenieuren, die in weltweit verteilten Teams virtuell zusammenarbeiten. Unter anderem die Umstellung von einer täglichen auf eine wöchentliche Höchstarbeitszeit ist deshalb überfällig.“

Quelle: bitkom

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