Startseite » News » Mehr Chancen für Langzeitarbeitslose?

Mehr Chancen für Langzeitarbeitslose?

Die Bedeutung sozialer Kontakte zeigt, dass die Unsicherheit der Betriebe hinsichtlich des Leistungsvermögens und der Motivation Langzeitarbeitsloser ein wichtiges Einstellungshemmnis darstellt.

1 Min. Lesezeit
Foto: ©AdobeStock/Jelena

Ist es in Krisenzeiten einfacher für Langzeitarbeitslose, einen Job zu bekommen? Betrachtet man die Ergebnisse der jüngsten Studie des des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), lautet die Antwort: Ja. Zudem bauen persönliche Empfehlungen betriebliche Vorbehalte gegenüber Langzeitarbeitslosen ab.

Der Anteil der Betriebe, für die eine Besetzung offener Stellen mit Langzeitarbeitslosen generell nicht infrage kommt, lag im Jahr 2021 bei 54 Prozent. Rund die Hälfte dieser Betriebe wäre aber im Falle einer persönlichen Empfehlung dazu bereit, Bewerbungen dieser Personengruppe eine Chance zu geben. „Die Bedeutung sozialer Kontakte zeigt, dass die Unsicherheit der Betriebe hinsichtlich des Leistungsvermögens und der Motivation Langzeitarbeitsloser ein wichtiges Einstellungshemmnis darstellt. Die damit verbundenen Vorbehalte und Stigmatisierung können über persönliche Empfehlungen abgebaut werden“, erklärt Nicole Gürtzgen, Leiterin des Forschungsbereichs „Arbeitsmarktprozesse und Institutionen“.

„In Rezessionen wird Langzeitarbeitslosigkeit etwas stärker als Ergebnis der nachteiligen wirtschaftlichen Lage gesehen und weniger als Ergebnis eines geringeren Leistungsvermögens“, ergänzt IAB-Forscher Martin Popp. So stieg der Anteil an Betrieben, die Bewerbungen Langzeitarbeitsloser im Einstellungsprozess berücksichtigen, im Krisenjahr 2020 um rund einen Prozentpunkt gegenüber dem Vorjahr. „Wir können zumindest weitestgehend ausschließen, dass in konjunkturell schwachen Phasen für ein gegebenes Stellenangebot ein geringerer Anteil von Betrieben Langzeitarbeitslosen eine Chance gibt“, so Popp.

Der Anteil der Betriebe, die grundsätzlich dazu bereit wären, Bewerbungen Langzeitarbeitsloser zu berücksichtigen, lag im Jahr 2021 bei rund 39 Prozent. 38 Prozent der Betriebe gaben an, nur diejenigen arbeitslosen Bewerberinnen und Bewerber zu berücksichtigen, die maximal bis zu einem Jahr arbeitslos waren. 16 Prozent der Betriebe waren nicht bereit, Bewerbungen arbeitsloser Personen im Einstellungsprozess zu berücksichtigen.

Der Anteil der Langzeitarbeitslosen an allen Arbeitslosen stieg im Jahr 2021 auf rund 39 Prozent an, während er im Vorkrisenjahr 2019 im Schnitt bei 32 Prozent lag. In einem durchschnittlichen Monat des Jahres 2021 gingen knapp 2 Prozent der Langzeitarbeitslosen in Erwerbstätigkeit über.

Die Studie beruht auf Daten der IAB-Stellenerhebung, einer repräsentativen Befragung von Betrieben in Deutschland, an der sich jährlich zwischen 11.500 und 20.000 Betriebe und Verwaltungen beteiligen.

Quelle: IAB

Andere interessante News

Nicht die Algorithmen entscheiden, sondern der Mensch

Der Einsatz von KI wächst exponentiell. Wir werden weiter Erfolge und Misserfolge erleben. Das darf uns nicht ängstigen und entmutigen. Wir sollten uns von der Faszination für dieses Thema treiben lassen und gemeinsam neue Wege und Lösungen für die Herausforderungen von Morgen schaffen.

„Die Stechuhr passt nicht ins Homeoffice“

Wichtigste Aufgabe bei der Novelle des Arbeitszeit-Gesetzes muss sein, nicht alle Beschäftigten über einen Kamm zu scheren und insbesondere die Vorteile der Vertrauensarbeitszeit weiter nutzbar zu machen, anstatt sie zu erschweren oder gar zu verhindern.

Neue Zuwanderungsregeln: Eckpunktepapier nicht genug

Das neue Eckpunktepapier ist ein Schritt in die richtige Richtung: So ist sinnvoll, Personen mit sehr guten Perspektiven am deutschen Arbeitsmarkt auch ohne bestehendes Stellenangebot ein Visum zu erteilen.