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Recruiting: Studenten im Fokus

Wie gelingt es Unternehmen, Nachwuchskräfte bereits während des Studiums für sich zu begeistern? Wie ausgeprägt sind solche Modelle derzeit in Deutschland? Und was sind die Risiken solcher Kooperationen? Im Interview mit der HR Performance spricht Cecil von Croÿ, CEO und Co-Founder von PlusPeter, über die Möglichkeiten der Zusammenarbeit von Unternehmen und Universitäten im Hinblick auf Recruiting und Berufseinstieg. 

HRP: Welche Möglichkeiten gibt es für Unternehmen und Universitäten, im Hinblick auf Recruiting & Berufseinstieg, zusammenzuarbeiten?

Cecil von Croÿ: In Deutschland wird das Thema Recruiting vor dem Hintergrund des „War for Talents“ und in der heiß umkämpften Zielgruppe Generation Y - wie auch in anderen Ländern - zunehmend wichtiger. Aus diesem Grund entscheiden sich immer mehr Unternehmen dafür, mit Hochschulen zu kooperieren, um Nachwuchskräfte bereits während des Studiums für sich zu begeistern. Um sich früh in den Köpfen der jungen Talente von Morgen zu verankern, beziehen sich Zusammenarbeiten zwischen Unternehmen und Universitäten oftmals auf einen spezifischen Studiengang – von Gastvorträgen über mehrtägige Case Studies, bis hin zu externen Vorlesungen, beispielsweise im Rahmen einer Seminararbeit oder eines Forschungsprojekts, sind die Kooperationen vielfältig. Ein ebenfalls beliebter Weg ist das Schreiben von Abschlussarbeiten in Kooperation mit einem Unternehmen: während die Studenten von den Unternehmensdaten und dem Know-How der Mitarbeiter für ihre Datensammlung und -erhebung profitieren, gewinnen viele Firmen neue Kräfte in Form von Praktikanten, Werkstudenten oder Berufseinsteigern.

Über das Sponsoring besonderer Anlässe wie Sommer- oder Hochschulsportfeste und die Teilnahme an Karrieremessen, erhalten Unternehmen die Möglichkeit, im zwanglosen Rahmen mit Studierenden in den Dialog zu treten. Besonders stark besucht sind Job- & Career-Messen, bei denen Karriereinteressierte über interaktive Workshops, Guided Tours und eine Vielzahl an Networking-Formaten unterschiedliche Unternehmen und Berufsfelder kennenlernen können. Kleine Ableger dieser Karrieremessen finden sich auch immer häufiger auf dem Campus wieder, da sich die Qualität der Gespräche hier gegen die Quantität der erreichten Studierenden durchsetzt.

 

HRP: Wie ausgeprägt ist solch eine Zusammenarbeit momentan in Deutschland?

Von Croÿ: Besonders auf regionaler Basis, gibt es viele wirtschaftlich geprägte Zusammenarbeiten von Hochschulen und Unternehmen, wie zum Beispiel der Studiengang Optometrie der HTW Aalen, den der Technologiekonzern Zeiss mit Instrumenten und Materialien bezuschusst. Ein weiteres Erfolgsbeispiel ist die seit über zehn Jahren bestehende Kooperation zwischen dem Triebwerkshersteller Rolls Royce und der Cottbuser Hochschule, die gemeinsam ein 3D-Triebwerk-System entwickelt haben. Die Forschungsergebnisse vom Campus werden direkt in der Systementwicklung auf dem Firmengelände eingesetzt. Viele Lehrstühle, zumeist solche im Bereich Marketing, Controlling, Personal, IT und Innovation, pflegen über Gastdozenten einen regen Austausch mit der Praxis und sind stets daran interessiert, ihr Netzwerk zu erweitern, um ihren Studierenden den bestmöglichen Einblick in die Wirtschaft zu ermöglichen.

Dennoch erschweren Bürokratie und zähe Verwaltungsvorgänge mitunter eine erfolgreiche Zusammenarbeit, weshalb solche Kooperationen hierzulande nur an vereinzelten Standorten umgesetzt werden und die Ausnahme von der Regel bilden.

HRP: Wie funktioniert das im Ausland? Gibt es Vorreiter für diese Art der Zusammenarbeit?

Von Croÿ: Während unseres Auslandssemesters in den USA spürten wir schnell, wie eng die Verzahnung von US- amerikanischen Universitäten und Unternehmen ist. Dort sind Unternehmen, Marken und Unis viel stärker miteinander verknüpft als in Deutschland. Das spiegelt sich nicht nur in zahlreichen Starbucks-Bechern wieder, mit denen die Studenten selbstverständlich über den Campus laufen, sondern auch in der Präsenz potentieller Arbeitgeber, die sichtbar und selbstbewusst um Nachwuchs für ihre Einstiegsprogramme werben. Unternehmen sprechen die Zielgruppe dabei über einen Mehrwert, wie ein persönliches Karrierecoaching, Rabattaktionen oder den Aufruf zur Teilnahme an einem Projekt, bei dem im Anschluss ein Schnupperpraktikum oder eine Förderung herausspringt, direkt an.

HRP: Wie wird die Zusammenarbeit von beiden Seiten angenommen?

Von Croÿ: Firmen schätzen die Zusammenarbeit mit Universitäten: Eine Kooperation bietet gute Möglichkeiten, zeitnah Impulsgeber und Innovator von Lösungen zu sein, die mit dem Nachwuchs innerhalb der Hochschule entwickelt werden. So können sie bereits früh mit jungen Talenten in den Dialog zu treten und diese an das Unternehmen oder die Marke binden (Early Branding). Der direkte Austausch mit Studierenden erlaubt es zudem, Feedback zur Außenwahrnehmung (Employer Branding) einzuholen und neue Anregungen für den Innovationsprozess, zum Beispiel die Produktentwicklung, zu sammeln. Auf diese Weise können Trends abgelesen und weiterverfolgt, sowie ein Abdriften in vermeintlich „falsche“ Entwicklungsrichtungen vermieden werden. Daneben sind praktische Erfahrungen für die meisten Unternehmen ein wichtiges Einstellungskriterium. Je mehr Bewerber dieses Know-How schon während ihrer Studienzeit sammeln können, desto besser. Kommen Studierende quasi berufsfertig und mit den richtigen Erwartungen in das Unternehmen, profitieret nicht nur der Betrieb, sondern auch der Kandidat.

Universitäten und Hochschulen erfreuen sich wiederum an dem Praxisbezug, der eine wertvolle Ergänzung zur Theorie bietet und Diskrepanzen zwischen dem Erlernten und dem, was die Absolventen in diesem Berufsfeld später einmal erwartet, minimiert. Die Lehre muss sich mit der Arbeitswelt weiterentwickeln und gleichzeitig Impulse setzen, die den Arbeitsalltag bereichern. Das funktioniert immer dann am besten, wenn es direkt in den Piloten geht– zum Beispiel im Rahmen eines Semesterprojekts. Es gibt allerdings auch Kritiker, die die Unabhängigkeit der Lehre in Frage stellen, wenn Firmen in der Wissenschaft mitmischen. Diese Gefahr lässt sich aber ganz einfach durch klare Regeln und Formalabsprachen eindämmen.

HRP: Welche Vorteile haben Studenten / Absolventen von Kooperationen zwischen Universitäten und Unternehmen?

Von Croÿ: Eine praxisnahe Lehre ermöglicht, dass sich die Qualifikation der Studierenden stärker am Arbeitsmarkt orientiert. Die Studierenden begrüßen es, wenn sie praktisch erleben können, was sie theoretisch über Monate lernen und sehen und wissen, wo der Bedarf und die Anwendung in der Wirtschaft liegen. So können sie sich frühzeitig auf die Arbeitswelt vorbereiten. Die rechtzeitige Einbindung von Unternehmen in die Lehre bewirkt außerdem, dass Studierende ihre Studienziele fokussiert anpassen und gezielter nach für sie relevanten Jobvakanzen suchen. Während des Studiums bleibt neben der Prüfungsvorbereitung und dem Schreiben von Hausarbeiten allerdings gar nicht mehr so viel Zeit, um sich der intensiven Suche nach passenden Praktika und Einstiegspositionen zu widmen. Das zeigt auch eine unserer Umfragen bei PlusPeter: die Semesterferien werden zum Großteil mit der Vor- und Nachbereitung des Semesters oder zum Jobben verbracht. Gleichzeitig sind die Planung des Berufseinstiegs und das Sammeln von einschlägiger Erfahrung ungleich wichtiger für die Studierenden, konkurrieren aber mit der Paukerei und dem Minijob um die knappe Freizeit. An dieser Stelle sind eine enge Verknüpfung und die passgenaue Zusammenführung von Studierenden mit potenziellen Arbeitgebern sehr wertvoll, wenn sie bereits während des Semesters und “so ganz nebenbei” funktionieren. PlusPeter beispielsweise fungiert hierbei als Employer Branding Instrument und Bindeglied zwischen Studenten und Unternehmen: Kontakte  mit relevanten Arbeitgebern für Praktika, Werkstudentenjobs oder Berufseinstiege werden direkt über die Onlineplattform, das Retargeting über Social Media Kanäle und über die von PlusPeter gedruckten und gebundenen Lernunterlagen geknüpft. Bis zur Bewerbung ist es dann meistens nur noch ein Klick.

HRP: Wie kann diese Art des Recruitings den Berufseinstieg und das Onboarding erleichtern?

Von Croÿ: Je häufiger und zielgerichteter beide Parteien aufeinandertreffen, desto stärker die gegenseitige Auseinandersetzung miteinander. Entsprechend leichter lässt sich hier besonders seitens der Studenten Erwartungsmanagement betreiben - möglichst viel über ein Unternehmen im Vorhinein in Erfahrung bringen, das wünschen sich viele, bevor sie sich für ein Unternehmen entscheiden und vertraglich binden. Genauso wie ein Arbeitgeber seine Ressourcen nur auf diejenigen Bewerber konzentrieren möchte, die tatsächlich zur Firma passen. Interessant ist auch die Beobachtung, dass viele “echte” Talente sich heutzutage nicht mehr auf Stellenanzeigen bewerben, sondern bereits während der Abschlussphase ihres Studiums abgeworben werden und deshalb frühzeitig - sprich, noch während der Studienzeit - adressiert werden müssen. 

HRP: Wie könnten solche Modelle der Zusammenarbeit in Zukunft aussehen und wohin geht die Entwicklung?

Von Croÿ: Unternehmen könnten Studierende noch stärker in Problemlösungsprozesse einbeziehen, die entsprechend mit einem Jobangebot o.Ä. rewarded werden. Zukünftige Modelle können gute Leistungen von Studierenden belohnen und/oder den Zugang zu Smart Learning Tools für relevante Studiengruppen sponsoren. So werden Beziehungen zu den Talenten von Morgen geschlossen und Studierende erhalten im Gegenzug einen Mehrwert, indem sie im Lernalltag nachhaltig gefördert werden.

 

Cecil-von-Croy

Cecil von Croÿ (27) ist CEO und Co-Founder von PlusPeter, einem in 2016 gegründeten Startup, das sich mit der simplen Idee des kostenlosen Druckens von Uniunterlagen für Studenten zur crossmedialen Lernplattform und Marktführer im Personen-genauen Targeting etabliert hat. 

 

 

 

 

(Foto: contrastwerkstatt/Fotalia)

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