Kundenservice Veranstaltungen: 02234-9894940
Kundenservice Bücher: 089-21837921
Aboservice Zeitschriften: 089-21837110

Ökonomie im Dienst der Menschen

Wirtschaftskrisen fallen nicht vom Himmel. Sie sind von Menschen gemacht. Bis jetzt ist es nicht gelungen, sie dauerhaft zu vermeiden. Sie gehören bis heute zum Kapitalismus. Der Stress, den diese Krisen auslösen und der Preis, den wir alle dafür bezahlen ist enorm hoch. Schließlich werden dadurch auch immense Werte, die Menschen für sich und für die Volkswirtschaft geschaffen haben, über Nacht vernichtet. Müssen wir das alles so hinnehmen, weil es womöglich systemimmanent ist? Ich meine nicht. Es kann doch nicht sein, dass wir nur die Kurzarbeit als wirksames Mittel gegen den Abschwung kennen. Wo bleiben all die Ideen und Alternativen der Ökonomen, Politiker und Gewerkschafter?

Der Preis, den wir für jede Krise bezahlen, steigt drastisch.

Da es schwerfällt, in Zeiten des Wachstums Krisenminimierungsinstrumente zu errichten, ist jetzt die Zeit reif, über neue Wege und Mechanismen nachzudenken. John Maynard Keynes hat das Konzept der Geldspritzen für die Wirtschaft in den 30-er Jahren des letzten Jahrhunderts entwickelt. Sein Rezept hilft uns heute. Aber das kann und darf doch nicht alles gewesen sein! Corona hat uns in den letzten Wochen gezeigt, wie viel Solidarität in unseren Gesellschaften steckt. In den letzten 100 Jahren haben sich unsere Gesellschaft und die Ökonomie gewaltig verändert. Überall sind partizipative Strukturen entstanden. Wir Menschen gestalten und verändern Wirtschaft und Gesellschaft. Noch dominieren vielerorts die Strukturen der Industriegesellgesellschaft. Das Modell der großen Industrie- oder IT-Giganten hat seine Faszination noch nicht verloren. Das bestätigt ein Blick in die DAX Welt. In den USA dominieren die IT-Giganten das Börsengeschehen. Sie profitieren heute von der Wirtschaftskrise.

Die Wissensgesellschaft muss neue Antworten finden

In unseren Unternehmen stecken soviel Intelligenz, Motivation, Innovation und Manpower, dass es uns eigentlich nicht bange sein sollte. Wir müssen neue Wege gehen, Innovationen entstehen zu lassen, Risiken eingehen und uns gegenseitig helfen. Bei einem Besuch im Silicon Valley vor vier Jahren habe ich selbst die Erfolgsformel dieser Region erlebt. Die Menschen collaborieren losgelöst von Hierarchien und Unternehmensgrenzen. Sie sind cocreativ und treiben Ideen voran. Die Bedenkenträger werden erst zu einem späteren Zeitpunkt konstruktiv eingebunden. Die Innovationen bilden die Seele des Unternehmens. Obwohl Unternehmen im Wettbewerb miteinander stehen, suchen sie ständig das gemeinsame Gespräch. Entscheidungsträger kennen sich und teilen ihre Erfahrungen. Daraus entstehen neue Kooperationen. Der Gedanke, dass wir Wissen verdoppeln, wenn wir es teilen, ist bei uns noch nicht verbreitet.

Wenn die Ökonomie den Menschen dienen soll, brauchen wir krisenresistentere Strukturen. Dazu gehören gelebte Lern- und Innovationskulturen in den Betrieben. Da es der Wirtschaft nie überall gleich gut oder gleich schlecht geht, brauchen wir übergreifende Personaltauschkonzepte. Wir sollten die Barrieren zwischen freischaffenden und festangestellten Menschen abbauen. Wir alle sind Teil einer Ökonomie, die nicht nur national, sondern auch international aufgestellt ist. Die Menschen sind der Schlüssel für die Lösungen. Deshalb muss man ihnen mehr Raum lassen. Die Coronakrise zeigt uns deutlich: Der Mensch steht im Mittelpunkt und das Kapital ist Mittel zum Zweck. Das wünschen wir uns auch für die Zukunft.

Franz Langecker, Chefredakteur HR Performance