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Nutzen und Kür von Mobile-Learning-Systemen

HRP: Welche Themen und Trends stellen Sie momentan beim Thema Mobiles Lernen fest?

Björn Carstensen, geschäftsführender Gesellschafter von SENSOR Digitalmedia Björn Carstensen: Mobile Lernsysteme unterstützen die Anwender in Organisationen beim selbstständigen und individuellen Lernen. Die Lerner können sich selbst aussuchen, wie oft, wann und wo sie sich weiterbilden und wie viel Pensum sie pro Session erledigen wollen – ob allein oder in der Gruppe. Insbesondere die mobilen Berufseinsteiger von morgen werden diese Flexibilität einfordern. Für unseren Teil der Wertschöpfung bedeutet das beispielsweise, Lernsysteme in Form von nativen Apps zur Verfügung zu stellen. Diese funktionieren auch abseits von WLAN-Zonen, weil sie nicht Browser-basiert sind.

HRP: Welches sind derzeit noch die größten Herausforderungen, die es bei mobilen Lernsystemen zu meistern gilt?

Carstensen: Unternehmen sollten ihre interne Weiterbildung attraktiv gestalten, damit ihre Mitarbeiter die Lerninhalte und -formen nicht als Belastung empfinden. Nur so können Firmen – auch mit der Hilfe von Mobile Learning – das kollektive Potenzial der eigenen Mitarbeiter voll ausschöpfen. Dazu muss die gesamte Mobile-Learning-Wertschöpfung neben intuitiven Smartphone- und Tablet-Funktionalitäten, etwa Gestensteuerung oder Push-Nachrichten, auch Gamification-Ansätze und Incentivierungen bedienen.

HRP: Welche Erfahrungen haben Sie bezüglich der Akzeptanz von mobilen Lernlösungen gemacht?

Carstensen: Lernlösungen müssen Spaß machen. Sie sollten sehr leicht zu bedienen sein, damit auch ältere Mitarbeiter einen einfachen Zugang finden. Außerdem steigt die

User-Akzeptanz mit dem Grad der interaktiven Lernmöglichkeiten. Die Zeichen der Zeit deuten auf kleine „Lernnuggets“, etwa ein unterhaltsames Quiz oder wirkungsvolle Lernvideos und Podcasts. Selbstständiges Lernen in Verbindung mit einem permanenten fachlichen Austausch mit Kollegen und Trainern schafft nachweislich zufriedenere Mitarbeiter.

HRP: In welchen Bereichen lohnt sich der Einsatz mobiler Lernsysteme besonders? Haben Sie Beispiele?

Carstensen: Dezentrale Organisationen mit vielen Mitarbeitern in Vertrieb, Logistik oder Service, die nicht über einen festen PC-Arbeitsplatz verfügen, sind geradezu prädestiniert, die flexiblen individuellen Möglichkeiten des Mobile Learnings zu nutzen. So versorgen Banken, Versicherungen, aber auch Pharmaunternehmen ihre Filial- oder Vertriebsmitarbeiter mit aktuellen Informationen über E-Learning auf Tablets und Smartphones. Servicetechniker können ihr Produktwissen immer leicht aktuell halten und vor Ort beim Kunden auch offline mit ihren Tablets arbeiten.

HRP: Wie hoch ist der Aufwand für Unternehmen, ihre Lerninhalte für mobiles Lernen aufzubereiten?

Carstensen: Es kommt darauf an, ob ein Unternehmen seine Lerninhalte bereits digitalisiert hat und diese in einem Lern-Management-System (LMS) verwaltet. Kann das Unternehmen den Content über eine Datenschnittstelle eins zu eins übernehmen, dann fällt der Aufwand gering aus. Hat es sein Wissen indes nur unzureichend digitalisiert, dann muss es noch in digitale Lernpfade, die Erstellung von Lernvideos, -podcasts, Web-based-Trainings und Präsentationen, investieren. Um den Lerner-Trainer-Dialog sicherzustellen und alle Mitarbeiter auf die Reise in den digitalen Lern-Change mitzunehmen, benötigt das Unternehmen obendrein ein mobiles Lernsystem. Dieses amortisiert sich bereits nach bis zu zwei Jahren – je nach Mitarbeiterzahl und Kosten für mobile Endgeräte. Indem sie den gesunden Lern-Mix unterstützen, sparen Firmen vor allem am Aufwand für Präsenzschulungen – ohne diese ganz substituieren zu wollen.

HRP: Vielen Dank für das Interview!

 

Foto: Björn Carstensengeschäftsführender Gesellschafter von SENSOR Digitalmedia Germany, Hamburg