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Hybrides Arbeiten strategisch umsetzen

Mehr als zwei Jahre hat das Fraunhofer IAO in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Personalführung e.V. (DGFP) fast 200 Unternehmen befragt zu dem Thema: Welche Folgen hat die Corona-Pandemie für die Arbeitswelt?

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Foto: AdobeStock/Robert Kneschke

Mehr als zwei Jahre hat das Fraunhofer IAO in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Personalführung e.V. (DGFP) fast 200 Unternehmen befragt zu dem Thema: Welche Folgen hat die Corona-Pandemie für die Arbeitswelt? Die letzte Studie stellt dabei einen besonderen Aspekt in den Mittelpunkt: Die langfristigen Folgen der Pandemie für die Beziehung zwischen Arbeitgeber und -nehmer in hybriden Arbeitswelten.

Die Corona-Pandemie hat unsere Arbeitswelt tiefgreifend verändert. Homeoffice, flexible Arbeitszeiten und -orte sowie virtuelle Meetings statt Dienstreisen sind für viele Unternehmen und ihre Mitarbeitenden zum Arbeitsalltag geworden. Wer den Anforderungen dieser oft als hybrid bezeichneten Arbeitswelt nicht gerecht wird, verliert an Attraktivität als Arbeitgeber. Welche Auswirkungen diese Veränderungen auf Unternehmen haben und mit welchen Strategien sie die hybride Arbeitswelt der Zukunft erfolgreich gestalten können, hat das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Personalführung e.V. (DGFP) im Rahmen einer groß angelegten Befragungsreihe in den letzten zwei Jahren untersucht.

Die letzte der resultierenden sieben Studien ist nun erschienen und beleuchtet im Schwerpunkt Fragen nach der Bindung zwischen Unternehmen und Mitarbeitenden und dem sozialen Miteinander. Es wurden langfristige Effekte rund um das Unternehmen als sozialer Ort beobachtet und die Ergebnisse sollen helfen, Strategien für Arbeitgeber zu entwickeln, diese hybride Arbeitswelt erfolgreich zu gestalten.

Sozialer Isolation und mangelnder Teamidentität zuvorkommen

Wie gelingt es trotz Homeoffice, flexiblen Arbeitsmöglichkeiten und einer Belegschaft, die im Extremfall sogar über aller Herren Länder verstreut ist, passende Mitarbeitende zu finden und zu binden und zu einer Betriebsgemeinschaft zu formen, die mehr ist als die Summe aller Einzelpersonen? Zu diesem Themenbereich präsentiert die Studie Licht und Schatten: mehr als 30 Prozent der Befragten geben an, in der Pandemie sogar mehr Menschen rekrutiert zu haben, zugleich geben 40 Prozent der Befragten an, es sei schwerer geworden, neue Mitarbeitende zu integrieren. Die Erfahrungen differieren stark bezüglich der Effekte auf die Identifikation mit dem Unternehmen und einer empfundenen Einsamkeit am Arbeitsplatz. »Erforderlich werden explizite Aktivitäten, um das Unternehmen als sozialen Ort der Begegnung, der Identifikationsstiftung und der Kooperation zu stärken und aktiv zu beleben«, stellen die Wissenschaftler*innen fest. Außerdem zeigt sich, dass eine Intensivierung der Arbeitserfahrung stattfindet, die tendenziell gesundheitsschädlich wirken kann: Pausen werden deutlich weniger systematisch gemacht, die Taktung der Meetings wird dichter, die Arbeit intensiviert sich insgesamt. Dies kann einer mangelnden Work-Life-Balance und letztlich auch psychosozialen Krankheitsbildern wie einem Burnout führen. Hier spielt die Familiensituation der Mitarbeitenden und eventuell nebenher bestehende, pandemiebedingte Betreuungspflichten eine wesentliche Rolle.

Das Büro ist ein wichtiger „Möglichkeitsraum für Begegnungen“

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass Unternehmen mehr sind als Orte der Arbeitserbringung: Sie sind soziale Orte, die wesentliche zusätzliche Funktionen haben. Studienautorin Dr. Josephine Hofmann fasst zusammen: »Der Arbeitsplatz schafft als sozialer Ort Zugehörigkeit, im besten Falle auch Stolz darauf, dazuzugehören. Er ist ein Möglichkeitsraum für geplante wie ungeplante Begegnungen, für Austausch und gemeinsame Innovation und er muss hierfür explizit gestaltet werden.« Zudem gewinnt Führungsarbeit an Bedeutung, da sie maßgeblich den Bindungsgrad zwischen Arbeitnehmer*innen und dem Unternehmen beeinflusst. »Hier zeigt sich die ganz wesentliche Schnittstellen- und Integrationsfunktion von Führungskräften im Arbeitsalltag der Mitarbeitenden. Die gute Umsetzung dieser Aufgaben aber ist in hybriden Arbeitsumfeldern nicht einfacher geworden«, sagt Hofmann. Die speziellen Folgen der hybriden Arbeitssituationen für Führungskräfte waren bereits in einer der Vorgängerstudien explizit untersucht worden.

»Die unterschiedlichen Studien zeigen auf, dass das New Normal nicht nur Chancen, sondern auch Risiken beinhaltet. Unternehmen, Führungskräfte und die Mitarbeitende sind gefragt, gemeinsam den richtigen Weg zu finden. Es gibt keine Blaupause. Für jedes Unternehmen ist es eine spannende Herausforderung, den richtigen Weg und Umgang im New Normal zu gestalten«, ergänzt Kai Helfritz, Leiter Mitgliedermanagement & Kooperationen bei der Deutschen Gesellschaft für Personalführung e.V.

Eine produktive, sozial befriedigende und innovationsförderliche Arbeitsumgebung erfordert sorgfältige Gestaltung und eine intensive Beteiligung der Mitarbeitenden in diesem Prozess. Dies wird umso wesentlicher, als sich der Arbeitsmarkt aufgrund der Hybridisierung nochmals verstärkt internationalisiert hat und sowohl mehr Potenziale, aber auch Konkurrenten mit sich bringt.

Die große Resonanz auf die Studienreihe hat den akuten Bedarf an Orientierung und Handlungshilfen auf dem Weg ins New Normal gezeigt. Unternehmen benötigen angesichts der vielfältigen Veränderungen und Herausforderungen in einer hybriden Arbeitswelt strategische Leitlinien und praxisnahe Soforthilfen. Das Fraunhofer IAO engagiert sich daher neben der nun abgeschlossenen Studienreihe in weiteren Netzwerken und Initiativen wie dem Connected Work Innovation Hub oder der Allianz der Chancen. Die komplette Studienreihe steht im Internet kostenlos zum Download zur Verfügung.

Weitere Infos gibt es auf der Website des Fraunhofer IAO.

Quelle: Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

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