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Generation Z humanisiert die Arbeitswelt

Seit den intensiven Diskussionen über die Humanisierung der Arbeitswelt (HdA) vor 50 Jahren haben sich grundlegende Umbruchprozesse in der Entwicklung von Arbeit vollzogen. Die Technik und die Digitalisierung spielen dabei eine wichtige Rolle.

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Seit den intensiven Diskussionen über die Humanisierung der Arbeitswelt (HdA) vor 50 Jahren haben sich grundlegende Umbruchprozesse in der Entwicklung von Arbeit vollzogen. Die Technik und die Digitalisierung spielen dabei eine wichtige Rolle. Gleichzeitig haben sich die Bedingungen verändert, unter denen heute soziale Auseinandersetzungen um eine Verbesserung von Arbeitsbedingungen stattfinden. Ein breites Reformbündnis zwischen Arbeitgebern, Gewerkschaften und Staat ist nicht in Sicht.

Gute Arbeit

Vielleicht sollten wir uns etwas vom Begriff New Work lösen. Denn der ist eigentlich schon alt und steht heute für viele neue Entwicklungen. Möglicherweise hilft uns die Bezeichnung „Gute Arbeit“ weiter. Sie steht für das, was Arbeitnehmer und Arbeitgeber sich wünschen. Und wenn beide Seiten ihren Konsens finden, hilft es allen. Ich verzichte auf den Versuch einer Definition. Zuerst muss jeder für sich selbst definieren, was für ihn gute Arbeit ist. Die Verhältnisse, in denen wir jeweils stecken sind zu unterschiedlich. Ob in der Pflege, in der Produktion oder im Servicebereich der Bundesbahn, die Arbeit hat viele Gesichter. New Work greift hier zu kurz. Menschen stellen fest, dass ihre persönlichen Wahrheiten im Leben sich nicht mit der Realität in der Arbeit zusammenbringen lassen. Andere haben kein Problem mit der Arbeit. Was sie stört, ist das Verhalten der Menschen, und ihre Umgangsformen und vieles andere.

Viele von uns haben in den letzten Jahrzehnten auf den technischen Fortschritt gesetzt. Der Preis für die fordistische Massenproduktion war und ist noch immer hoch. Und das Fließband als Symbol der tayloristisch geprägten Arbeitsorganisation funktioniert noch immer.

Wir Menschen haben ein Bedürfnis nach Anerkennung, Beteiligung und Selbstentfaltung in der Arbeit. Wir sind sensibel für gesundheitsgefährdende Belastungen, restriktive Arbeitsbedingungen, dürftige Arbeitsinhalte und autoritäre Führungsstile. Die Arbeitskraft ist an die Person der Menschen und deren Würde gebunden. Das unterscheidet den Arbeitsmarkt von vielen anderen Märkten. Diese Einsicht ist schon 1919 bei der Gründung der International Labour Organisation (ILO) feierlich in der Verfassung der Organisation verankert worden.

Generation Z beunruhigt die Gemüter

Vor über zehn Jahren schon zog Prof. Dr. Christan Scholz durch die Lande und um den Globus, um den Entscheidern in Wirtschaft, Verwaltung und Politik klar zu machen, dass da eine neue Generation im Anmarsch ist, die vieles anders sieht. Vielleicht bringt diese Generation Z wieder neuen Schwung in die HdA – Diskussion der 70er-Jahre des letzten Jahrhunderts. Ob in der aktuellen Ausgabe des Spiegels, in der Zeitschrift brand eins oder am Wochenende in der Süddeutschen Zeitung: Diese Generation hat es mit ihren Anliegen und ihrem Verhalten auf die Titelseiten geschafft. Sie kommuniziert ganz offen, dass es im Leben auch noch andere Dinge gibt, die wichtig sind. Dazu gehören lebenslanges Lernen, Selbstbestimmtheit im Job, mehr Zeit für Familie und Freunde und last but not least weniger Überstunden.

Neun Millionen Menschen zählen zu dieser Altersgruppe, die in den 90er-Jahren geboren wurden. Auch wenn Sie nur gut 20 Prozent des Arbeitskräftepotenzials ausmachen, liegt unsere Zukunft einmal in ihren Händen. Fachleute haben keinen Zweifel: Sie werden die Wirtschaft verändern. 47 Millionen Menschen in Deutschland sind älter als 40 Jahre. Die meisten von ihnen nutzen das Internet. Aber die Generation Z und Y sind ganz drin. Sie mussten in ihrer Jugend nicht auf die Barrikaden gehen. Ihnen war fast alles erlaubt. Doch jetzt, wo sie in die Betriebe kommen, flammt ein rebellischer Geist auf. Vielleicht gehen sie jetzt auf die Barrikaden und stellen ihre Forderungen. Sie sind ehrgeizig und pragmatisch. Sie sprechen englisch, haben soziale Netzwerke, sind weltoffen und tolerant. Sie suchen nach dem Sinn, wollen Spaß und Zeit für Familie und Freunde haben. Sie glauben an ihre Ansprüche und wollen keine Generation Burnout werden.

Wir kennen alle die Demographiekurve und wissen, dass den Unternehmen der Nachwuchs ausgeht. Deswegen können die jungen Menschen es sich auch leisten, anspruchsvoll zu sein. Human Capital Evangelists verkünden den Unternehmen bereits die Botschaften und drängen die Entscheider dort, ihre Mindsets zu ändern. Angesichts der Tatsache, dass bis 2030 wohl acht Millionen Nachwuchskräfte fehlen werden, bleibt nicht mehr viel Zeit zum Umdenken.

Mit den besten Wünschen

Franz Langecker

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