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Einfach mal die Limits verschieben

Der Extremsportler Savas Coban hat gezeigt, wie er Limits verschieben kann. Und wir alle haben schon einmal die selbstgesetzten Limits verschoben. Damit das funktioniert, bedarf es besonderer Bedingungen. Coban hatte fleißig trainiert, ein unbändiges Selbst- und Gottesvertrauen und eine Filmcrew im Hintergrund, die auf ihn setzte, ihn unterstützte und ihn vor dem Schlimmsten bewahrt hätte.

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Bergsteigen
Foto: ©AdobeStock/Picture Perfect

Wer am vergangenen Freitag auf die Bahn angewiesen war, erlebte wieder einmal ein Desaster. Die GDL und die Bahn sehen sich am Limit. Die Kunden können nur flexibel, kreativ und verärgert reagieren. Da der Streik schon am Donnerstag, den 07.12., um 22:00 Uhr begann, waren meine Frau und ich ebenfalls vom Streik betroffen. Um an diesem Abend die Kölner Premiere des Kinofilms: „Trail der Träume“ zu sehen, mussten wir auf die S-Bahn verzichten und auf das Auto umsteigen.

Im besagten Kinofilm läuft der Extremsportler Savas Coban in 87 Tagen 87 Ultramarathons durch Peru. Auf über 5000 km durchquert er alle Klimazonen. Er verschiebt dabei alle seine Limits und geht hart an seine körperlichen Grenzen. Aufgeben war für ihn keine Option. Als Zuschauer spürte man fast körperlich, wie fließend der Übergang vom Trail der Träume zum Trail der Alpträume war.

Extreme Verhältnisse

Im Artikel: „Extreme Verhältnisse im deutschen Mittelstand“ geht es um die neue zeag-Trendstudie 2023. Dort wurden von der Universität St. Gallen über 10.000 Mitarbeitende und Führungskräfte aus 80 deutschen Unternehmen befragt. In 25 Prozent der teilnehmenden Unternehmen zeigt sich eine ausgeprägte kollektive Erschöpfung in der Belegschaft bereits seit 2022. Die Menschen fühlen sich und stehen am Limit. Die Konsequenzen sind steigende Fehlzeiten, nachlassende Produktivität und sinkende Effizienz. Die Studie sagt nichts aus über die Zahl der Menschen, die sich in den Unternehmen bundesweit am Limit fühlen. Die Tatsache, dass die Fehlzeiten in den letzten Wochen massiv angestiegen sind, deutet daraufhin, dass viele am Limit sind.

Der Extremsportler Savas Coban hat gezeigt, wie er Limits verschieben kann. Und wir alle haben schon einmal die selbstgesetzten Limits verschoben. Damit das funktioniert, bedarf es besonderer Bedingungen. Coban hatte fleißig trainiert, ein unbändiges Selbst- und Gottesvertrauen und eine Filmcrew im Hintergrund, die auf ihn setzte, ihn unterstützte und ihn vor dem Schlimmsten bewahrt hätte. Dazu kamen Sponsoren, die ihn ausstatteten und sein Image nutzen.

Die zeag-Studie zeigt, wie Unternehmen es schaffen, die Limits zu verschieben. Sie bieten eine sinnstiftende Tätigkeit. Sie legen Wert auf eine moderne und glaubwürdige Unternehmenskultur. Sie schaffen ein transformationales Führungsklima und sie bieten Leistungsfokussierung, nicht zuletzt für die wachsende Zahl der „Extremsportler“.  Wir wissen selbst, dass die wenigsten Limits in Stein gemeißelt sind. Weltweit haben sich in den letzten Monaten und Jahren viele Limits verschoben. Wir werden diesen Wandel nicht aufhalten.

GDL fordert Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit von 38 auf 35 Stunden

Hier fühlt sich die Bahn am Limit. Es fehlen die Lokführer und weniger Arbeitsstunden würdes die Misere ihrer Meinung nach verschlimmern. Laut dem Barmer Gesundheitsreport von 2021 lag die durchschnittliche Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage (AU-Tage) bei Lokführern bundesweit bei etwa 23 Tagen. 2022 waren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer durchschnittlich 15,0 Arbeitstage krank gemeldet. Das war ein Anstieg gegenüber 2021 um 3,8 Prozent.

Laut der DAK könnten die Beschäftigten in diesem Jahr auf etwa 20 Fehltage kommen. Die Arbeit verändert sich. Das gilt auch für die Menschen. Deshalb führt kein Weg mehr an der Senkung der Arbeitszeiten und an Modellen mit der 4-Tage-Woche vorbei. 2024 werden die Bahn und die GDL die Limits zum Wohle aller verschieben. Es wäre schön, wenn damit die AU-Tage gesenkt und die Attraktivität des Lokführerberufs gesteigert werden könnten.

„Gemeinsam stark – Resilienz durch Vernetzung und Zusammenarbeit“: So lautet das Thema des Münchner Management Kolloquiums, das im März 2024 stattfindet und Deutschlands größter Wirtschaftskongress ist. Die Botschaft könnte auch ein HR-Motto für 2024 sein. Natürlich brauchen wir in Zukunft auch die „Extremsportler“ in den Berufen, die die Limits verschieben oder es auch nur versuchen. Aber auch sie brauchen Teams und eine starke Vernetzung, um erfolgreich zu sein.

Nie zuvor ist weltweit so viel Geld in Software geflossen, um sie kommunikations- und netzwerkfähig zu machen. KI und die Virtualisierung werden in den kommenden Jahren die Grenzen unserer Arbeitswelt drastisch verschieben. Die HR Performance hält sie darüber auch in Zukunft auf dem Laufenden. Bleiben Sie uns treu und zuversichtlich.

Franz Langecker

Franz Langecker

Chefredakteur HR Performance

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