Startseite » News » Die drei größten Irrtümer zur 4-Tage-Woche

Die drei größten Irrtümer zur 4-Tage-Woche

In Großbritannien sollen mehr als 3.300 Angestellte sechs Monate lang vier Tage pro Woche arbeiten: Über dieses Thema entflammte nun auch die mediale Diskussion in Deutschland: „Diese Diskussionen sind mit Vorsicht zu genießen,“ so Dr. Ufuk Altun vom ifaa – Institut für angewandte Arbeitswissenschaft. Der Experte erklärt die drei größten Irrtümer.

3 Min. Lesezeit
Foto: ©AdobeStock/Coloures-Pic

In Großbritannien sollen mehr als 3.300 Angestellte sechs Monate lang vier Tage pro Woche arbeiten: Über dieses Thema entflammte nun auch die mediale Diskussion in Deutschland: „Diese Diskussionen sind mit Vorsicht zu genießen,“ so Dr. Ufuk Altun vom ifaa – Institut für angewandte Arbeitswissenschaft. Der Experte erklärt die drei größten Irrtümer.

Irrtum Nr. 1: Bei einer 4-Tage-Woche wird weniger gearbeitet

Das stimmt nicht so ganz. Denn unter dem Begriff „4-Tage-Woche“ werden verschiedene Arbeitszeitmodelle zusammengefasst, bei denen die wöchentliche Arbeitszeit nicht auf fünf, sondern auf vier Tage verteilt wird beziehungsweise die wöchentliche Arbeitszeit verkürzt und somit ein Tag in der Woche weniger gearbeitet wird. Zum Beispiel:

  • Die Beschäftigten reduzieren ihre wöchentliche Arbeitszeit und arbeiten nur 4 Tage in der Woche (zum Beispiel von 40 Stunden auf 32 Stunden und verzichten auf einen entsprechenden Anteil ihres Gehaltes (das Recht auf Teilzeit).
  •  Oder: Eine 4-Tage-Woche lässt sich auch bei unveränderter wöchentlicher Arbeitszeit realisieren. So wird beispielweise aus einer 5-Tage-Woche eine 4-Tage-Woche mit einer Erhöhung der täglichen Arbeitszeit.
  •  Eine weitere Option: Die Beschäftigten arbeiten statt 40 Stunden beispielsweise nur noch 32 Stunden und das bei unverändertem Gehalt (Arbeitszeitverkürzung mit vollem Lohnausgleich).

Aus diesem Grund sollte geklärt werden, was unter einer „4-Tage-Woche“  geregelt werden soll: Arbeitszeitverkürzung mit oder ohne Lohnausgleich, Verteilung der Arbeitszeit auf wie viele und welche Wochentage sowie ob (ggf. wo) durchgängig im Rahmen der arbeitsorganisatorischen Anforderungen eine „4-Tage-Woche“ möglich ist.

Irrtum Nr. 2: Produktivität & Mitarbeiterzufriedenheit steigen

Ein weiterer Irrtum liegt darin, dass davon ausgegangen wird, die Vier-Tage-Woche verbessere Work-Life-Balance und die Produktivität. Bei der 4-Tage-Woche geht dem Betrieb ein Arbeitstag verloren – folglich auch die Produktivität. Auch wenn die Beschäftigten dadurch ein Tag mehr frei haben, lautet die die Frage: Arbeiten die Menschen so viel produktiver, um diesen Ausfall auszugleichen? Haben die Beschäftigten bei einer 4-Tage-Woche mehr Zeit für Familie, Pflege, Hobbys, Weiterbildung oder zum Beispiel ehrenamtliches Engagement? Eine 4-Tage-Woche verspricht nicht zwangsläufig mehr Produktivität, Arbeitszeitsouveränität und Flexibilität und passt auch nicht in jede Lebensphase.
Hier ist zu klären, ob der zusätzliche freie Tag tatsächlich die Gesundheit und Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben fördert, oder ob dies eine rein subjektive Wahrnehmung der Beschäftigten ist.

Annahme versus Realität: die Studienlage

Annahme: bei einer kürzeren Arbeitswoche mit gleichbleibendem Arbeitszeitvolumen und gleichbleibender Produktivität (englisches Modell: 100:80100: 100 Prozent Entgelt für 80 Prozent der bisher gearbeiteten Arbeitszeit; dafür wird dennoch 100 Prozent Produktivität erreicht) kann das Arbeitsmodell zu mehr Stress und zusätzlicher Belastung im Beruf und Privatleben führen. Einige Studien zeigen hier ein verzerrtes Bild beziehungsweise nicht die Realität. Denn diese Studien und deren Ergebnisse basieren auf einer 4-Tage-Woche mit verkürzter wöchentlicher Arbeitszeit und thematisieren die Anforderungen, Auswirkungen bei gleichbleibender wöchentlicher Arbeitszeit und 10-Stunden-Tag nicht. Zudem sind die individuellen Lebensumstände sehr unterschiedlich. Für die einen passen vier längere Arbeitstage und ein drei-Tage-Wochenende gut. Für die anderen nicht. Es ist wissenschaftlich nicht erforscht, ob der zusätzliche arbeitsfreie Tag die längeren Arbeitstage ausgleichen kann.

Irrtum Nr. 3: 4-Tage-Woche ist in allen Branchen und alle Tätigkeiten umsetzbar

Eine flächendeckende 4-Tage-Woche nach „denselben Spielregeln“ ist in naher Zukunft unwahrscheinlich. Das liegt daran, dass in zahlreichen Branchen die Kunden und insbesondere im Gesundheitsmanagement die Patienten und Patientinnen rund um die Uhr versorgt werden müssen. Dazu kommt, dass es in vielen Branchen an Personal mangelt. Es sollte auch geklärt sein, ob durchgängig im Rahmen der arbeitsorganisatorischen Anforderungen eine „4-Tage-Woche“ möglich ist und welche Tätigkeiten und Arbeitsprozesse davon betroffen sind.

Quelle: ifaa – Institut für angewandte Arbeitswissenschaft e. V.

Andere interessante News

Azubi-Ghosting

Azubi-Ghosting

„Das beste Azubimarketing und die tollste Social-Media-Kampagne nützen nichts, wenn Betriebe Bewerber entweder im Bewerbungsprozess verlieren oder auf Grund alter Glaubenssätze fragwürdige Kriterien bei der Einstellung heranziehen und so falsche Entscheidungen treffen,” sagt die Studieninitiatorin und Eignungsdiagnostikerin Felicia Ullrich von u-form Testsysteme.

Burnout

Hybrides Arbeiten mindert das Burnout-Risiko

Vier von fünf Personalleitern (86 Prozent) sagen, dass hybride Arbeitsformen heute zu den gefragtesten Benefits für Mitarbeiter gehören. Auch sie sind der Meinung, dass sich die Produktivität der Mitarbeiter gesteigert hat (85 Prozent). Dies geht aus einer Studie hervor, die Anfang des Jahres durchgeführt wurde.

Fußball-EM während der Arbeitszeit

Fußball-EM und die Arbeitszeit

Immerhin fast jeder fünfte männliche Arbeitnehmer (19%) plant, an Spieltagen der deutschen Nationalmannschaft oder für den Tag nach den DFB-Spielen Urlaub zu nehmen, um sich voll der Europameisterschaft im eigenen Land widmen zu können. Bei Frauen fällt diese Art der fußballerischen Hingabe etwas defensiver aus.