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Mitarbeiter in Geschäftsberichten: Nur eine Fußnote?

Gerade in der Industrie 4.0 werden Mitarbeiter als immaterielle Vermögenswerte zunehmend wichtig: Darum brauchen wir Transparenz und ein solides Human Capital Reporting. Seit fast zehn Jahren hat der Saarbrücker Professor Christian Scholz mit seinem Team dazu rund 85.000 Dokumentenseiten der DAX30-Unternehmen analysiert. Sein Ergebnis: Einige Unternehmen publizieren zunehmend professioneller, andere dagegen degradieren Mitarbeiter immer mehr zu einer kleinen Fußnote.

Für das achte Geschäftsjahr in Folge wurde wieder die Berichterstattung der DAX30-Unternehmen untersucht, diesmal für das Geschäftsjahr 2016. Die zwei Kernfragen: Inwieweit werden Kennzahlen zu Mitarbeitern publiziert und wie hat sich diese Berichterstattung in den letzten Jahren verändert? Grundlage
der Untersuchung bildet der 2010 an der Universität des Saarlandes initiierte HCR10-Standard für das Human Capital Reporting, der aktuell auch zur Basis der Norm DIN ISO 30414 wird. Sein zentraler Kern: „Muss-Kennzahlen“ für Geschäftsberichte, sowie für Nachhaltigkeits-/Personalberichte.

Manche Unternehmen denken ernsthaft nach und schaffen immer mehr Transparenz, wie die Deutsche Bank und E.ON. Andere Konzerne, wie Adidas, Daimler und Lufthansa, werden dagegen teilweise sogar noch intransparenter.“, fasst Studienleiter Christian Scholz die Ergebnisse zusammen. „Egal, ob aus
Desinteresse oder Absicht: Wir dürfen es Unternehmen nicht erlauben, Mitarbeiter noch stärker zu Fußnoten in der Berichterstattung zu machen.“

Im Gesamtranking sticht die Deutsche Bank als Gesamtsieger in der Kategorie Geschäftsbericht (54%) und Personal-/Nachhaltigkeitsbericht (50%) hervor. Außerdem gehören zu den Top 3 bei den Geschäftsberichten der Vorjahressieger E.ON (51%) und Bayer (42%), bei den Personal-/Nachhaltigkeitsberichten Allianz (41%) und Deutsche Telekom (40%). Damit wurde erstmalig die magische 50%-Marke beim Geschäftsbericht erreicht. Auf dem letzten Platz landet bei den Geschäftsberichten die Allianz (8%), die aber bei den Personal-/Nachhaltigkeitsberichten eine hohe Punktzahl erreicht. Einen Zusammenhang zur Branche gibt es nicht: So erreicht die Commerzbank gerade einmal 21% (Geschäftsbericht) und schneidet damit deutlich schlechter ab als die Deutsche Bank; auch Volkswagen, BMW und Daimler erreichen unterschiedliche Werte.

Anlässlich des am 14. November 2017 in Berlin stattgefundenen Netzwerktreffens der HCR10-Gruppe erklärte Hilger Pothmann (Deutsche Bank): „Wir beschäftigen uns seit vielen Jahren intensiv mit den Themen Human Capital Reporting, Transparenz und Vergleichsstudien. Auf den ersten Platz im HCR10-Ranking für den Geschäftsbericht und für Personalbericht 2016 sind wir stolz. Das ist eine schöne Anerkennung und ein großes Kompliment an unsere Kolleginnen und Kollegen des Personalbereichs in
unserer Bank.“

Weitere Informationen:
Die vollständige Studie zum HCR10 für das Geschäftsjahr 2016, sowie die Studien zu den vorangegangen Jahren können kostenlos unter scholz@orga.uni-sb.de bezogen werden. Diese liefern neben den verschiedenen Rankinglisten auch Handlungsimpulse für Personal- und Kommunikationsabteilungen sowie für Aufsichtsräte.

Quelle: www.orga.uni-sb.de