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„Menschen merken sofort, ob man sie nur als Aufgabenerfüller betrachtet“

Interview mit dem Redner und Autor Dr. Gundolf R. Wende

HRP: Sie sagen, dass Mitarbeiter, die sich wertgeschätzt fühlen, bessere Arbeit machen. Wie sieht gute Wertschätzung aus?

Dr. Gundolf R. Wende: Allzu oft wird Wertschätzung mit Lob gleichgesetzt. Wertschätzung ist jedoch eher der Oberbegriff einzelner Maßnahmen wie das Aussprechen eines Komplimentes, eines Danks, eines Lobes, einer Bonuszahlung, einer Beförderung, sonstiger Vergünstigungen oder auch der Art und Weise des Umgangs miteinander. Mit Ausnahme des letzten Punktes zielen die einzelnen Maßnahmen auf eine erbrachte Leistung ab. Damit ist ihre Wirkungsweise eher begrenzt und kurzfristiger Natur.

Eine nachhaltige Wirkung lässt sich nur erreichen, wenn sich Mitarbeiter als ganze Person angesprochen fühlen. Studien belegen jedoch, dass die meisten Führungskräfte glauben, einen wertschätzenden Umgang zu pflegen, wohingegen das nur sehr wenige Mitarbeiter so empfinden. Es gilt, diese Lücke zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung zu schließen. Entscheidend beim wertschätzenden Umgang ist die innere Haltung. Wichtig ist, auf die Art und Weise des Umgangs miteinander zu achten. Einen wertschätzenden Umgang zu pflegen, bedeutet, aktiv zuzuhören, das Gegenüber aussprechen zu lassen, es durch gezielte Fragen ins Gespräch einzubeziehen, Blickkontakt zu halten etc. Dabei kann die Wichtigkeit von Blickkontakt und Körpersprache nicht unterschätzt werden. Unsere Körperreaktionen zeigen unmittelbar, was wir denken – in die eine oder andere Richtung –, lange bevor wir das bewusst wahrnehmen. Es gilt, äußerst aufmerksam zu sein, um wertschätzend zu wirken und um die darauf folgenden Reaktionen aufnehmen zu können.

Menschen merken sofort, ob man sie als Person wahrnimmt und wertschätzt oder ob man sie lediglich als Aufgabenerfüller betrachtet. Darum sind Aufrichtigkeit und ernsthaftes Interesse gefragt. Ausreden wie „Dafür habe ich keine Zeit“ oder „Mein Terminkalender ist so voll, ich kann mich nicht um jeden Mitarbeiter ausführlich kümmern“ zeigen, dass die persönlichen Kompetenzen nicht ausreichend sind. Solche Ausreden sind ein Hilferuf. Darum besteht dringender Schulungsbedarf – auch deshalb, weil die erforderlichen emotionalen Kompetenzen oftmals nicht in ausreichendem Maße im Elternhaus vermittelt wurden und werden. Auch können solche Äußerungen darauf hinweisen, dass das Verständnis von Leadership nur unzureichend ausgebildet ist. Viele Führungskräfte sind im Grunde aufgestiegene Fachkräfte. Ohne ausreichende Schulung machen diese „Führungskräfte“ das, was sie am besten können: Sie arbeiten weiter an den Aufgaben, die sie als Fachkräfte hatten. Leadership wirkungsvoll umzusetzen, bedeutet jedoch, sich Mitarbeitern zuzuwenden und sie zu unterstützen – und nicht, technische Linienaufgaben zu erarbeiten und zu erfüllen. Auch hier besteht großer Schulungsbedarf. Um eine Wertschätzungskultur zu etablieren, braucht es eine intensive und ausdauernde Arbeit von jedem einzelnen Mitarbeiter.

HRP: Wie wichtig ist Wertschätzung für Mitarbeiter gegenüber einem guten Gehalt und Aufstiegschancen?

Dr. Wende: Gehaltserhöhungen haben eine eher geringe nachhaltig motivierende Wirkung. In Unternehmen mit Wertschätzungskultur spielen das Gehalt und dessen Erhöhung eine nicht so große Rolle, eine Erhöhung wird vielmehr als Bestandteil des Gehalts angesehen. Meiner Beobachtung nach steigt die Wichtigkeit von Gehaltserhöhungen mit abnehmender emotionaler Integration. Dann dienen sie als Kompensation. Ähnliches gilt für Aufstiegschancen. Beide sind wichtige Komponenten im Berufsalltag, allerdings nicht die wichtigsten.

HRP: Was sind die ersten Maßnahmen, um ab morgen seinen Kollegen bzw. Mitarbeitern mehr Wertschätzung entgegenzubringen?

Dr. Wende: Bleiben Sie stets stehen bei Gesprächen, nehmen Sie sich ausreichend Zeit, halten Sie Augenkontakt – gerade dann, wenn Sie sich für etwas bedanken.

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HRP: Vielen Dank für das Gespräch.