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Mehr Flexibilität: Wie betriebliche Altersversorgung den Sprung in die Zukunft schafft

„Die Rente ist sicher“ bleibt in Deutschland eine umstrittene These. Angesichts der demografischen Entwicklung sind Alternativen und Ergänzungen zur staatlichen Rentenversicherung erforderlich – wie etwa die betriebliche Altersversorgung. Die aktuelle Deloitte-Publikation „bAV auf dem Weg in die Zukunft - Studie zur betrieblichen Altersversorgung 2018“ zeigt, dass die bAV hohes Ansehen bei den Arbeitnehmern genießt. Jedoch wünschen sich diese insgesamt mehr Flexibilität bei der Ausgestaltung und den Möglichkeiten. Zudem möchten die Arbeitnehmer besser über die Grundzüge einer bAV sowie die bestehenden Angebote informiert werden.

Zurzeit wird die Versorgung, so ein Ergebnis der Studie, vor allem ergänzend zu anderen Sparformen für das Alter genutzt. Insbesondere dann, wenn sie mit einer Reihe von Wahloptionen und individuellen Gestaltungsfreiräumen aufgewertet wird, kann sich die bAV künftig auf zwei Ebenen als wertvolles Instrument erweisen: Sie sichert die Betroffenen für das Alter ab – und gibt den Unternehmen die Chance, sich im Kampf um Talente als besonders arbeitnehmerfreundlich und engagiert zu positionieren.

„Die Relevanz der betrieblichen Altersversorgung ist ungebrochen – und liegt im Trend: Unsere Studie wie auch weitere Erhebungen machen deutlich, dass sie von vielen Arbeitnehmern gewünscht wird. Die meisten haben heute durchaus verstanden, dass sie sich nicht allein auf bestehende Systeme verlassen sollten. Jedoch würde die bAV noch deutlich öfter in Anspruch genommen, wenn sie dem mehrheitlich geäußerten Wunsch nach höherer Flexibilität und personalisierter Ausgestaltung nachkäme. Dies spiegelt sich auch in den Ergebnissen unserer Human Capital Trends 2018 Studie wieder“, erklärt Peter Devlin, zuständiger Partner bei Deloitte.

Von Gig Working bis Zeitwertkonto – die Auswahl zählt

Die Studie zeigt zwei Tendenzen: die positive Rezeption der bAV – aber auch die Tatsache, dass sie noch verhältnismäßig wenig genutzt wird. Der Nutzungsgrad würde jedoch steigen, wenn bAV-Modelle nicht nur Sicherheit garantieren, sondern auch mehr Spielraum bieten würden. Dazu gehören beispielsweise die Kompatibilität mit Arbeitsmodellen wie Gig Working und Projektarbeit, aber auch Einzahlungsmöglichkeiten zu unterschiedlichen Zeitpunkten und in wechselnder Höhe, verschiedenen Auszahlungsoptionen – Einmalkapital, lebenslange Rente u.ä. – auch die Einbindung von Zeitwertkonten mit flexiblen Entnahmeangeboten sowie das Ermöglichen eines schrittweisen Übergangs in den Ruhestand. Eine flexible Rente, die bei ungenügenden Erträgen aus der Kapitalanlage auch absinken kann – so, wie sie das Betriebsrentenstärkungsgesetz vorsieht – stößt hingegen auf weniger Gegenliebe bei den Arbeitnehmern.

Hohes Ansehen unter den Informierten

Mehr Flexibilität würde ein Modell noch attraktiver machen, das bereits hohes Ansehen unter den informierten Arbeitnehmern genießt – denn kaum jemand rechnet noch mit einer ausreichenden gesetzlichen Rente. Laut Studie beurteilen ganze 80 Prozent die Aussichten skeptisch. Bemerkenswert ist allerdings, dass Sparbuch und Festgeldkonto ebenfalls immer noch hoch im Kurs stehen, obwohl sie sich kaum für die Altersfinanzierung eignen.

Kenntnisstand insgesamt unzureichend

Charakteristisch für die bAV ist ihre vergleichsweise immer noch geringe Verbreitung. In Kombination mit der generell zu niedrigen Eigenvorsorge-Quote – fast zwei Drittel wollen sie, aber nur ein knappes Viertel wird auch initiativ – lässt diese Tatsache eine erhebliche Lücke zwischen Wertschätzung und tatsächlicher Inanspruchnahme erkennen. So gibt mit immerhin 42 Prozent fast die Hälfte der Befragten an, keine entsprechenden Angebote vom Arbeitgeber erhalten zu haben, obwohl er gesetzlich dazu verpflichtet wäre. Nur 28 Prozent halten sich insgesamt für gut informiert. Der starke Einfluss einer angemessenen Information auf die Nutzung von bAV-Angeboten spiegelt sich auch dadurch wieder, dass sich 63 Prozent der Teilnehmer an der Entgeltumwandlung gut informiert fühlen, aber nur 17 Prozent derjenigen, die keine Entgeltumwandlung betreiben.

Teil der Arbeitgebermarke

Trotz des immer noch zu geringen Wissensstandes und der dadurch bislang nicht genutzten Potenziale: Immerhin knapp die Hälfte der Arbeitnehmer erhält heute eine arbeitgeberfinanzierte bAV, darunter mehr Männer (51%) als Frauen (41%). Wird ein Jobwechsel erwogen, ist ein bAV-Angebot für 55 Prozent zudem ein wesentliches Kriterium. Für die Unternehmen heißt das: Mit einem attraktiven Versorgungsangebot können sie sich positiv profilieren und damit die dringend benötigten Talente für sich gewinnen.

Die Studien aus 2017 und 2018 zur betrieblichen Altersversorgung untersuchen Kenntnisse, Erwartungen, Wünsche und Hoffnungen von Arbeitnehmern auf der Basis repräsentativer Befragungen von über 1.000 sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten.
Die komplette Studie finden Sie hier.

Quelle: Deloitte
(Foto: Trueffelpix/Fotalia)