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„KI sollte mehr den Lehrenden und den Inhalte-Anbietern nützen“ : Interview mit Dr. Lutz Goertz, Leiter Bildungsforschung, mmb Institut

Im Moment bewegen natürlich alle Entwicklungen rund um generative KI-Innovationen („GenAI“) die Branche. Deshalb rechnen auch sehr viele Befragte damit, dass für Bildungsproduzenten und Lehrende der Einsatz von LLMs (Large Language Models) wie ChatGPT bald selbstverständlich sein wird. Ein Interview zu den Learning-Trends mit Dr. Lutz Goertz vom mmb Institut.

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Lernzukunft
Foto: ©AdobeStock/DADA

HRP: Sie veröffentlichen regelmäßig Learning-Studien. Welches sind Ihren Ergebnissen und Erfahrungen nach die bestimmenden Lerntrends der nächsten Jahre?

Dr. Lutz Goertz: Gerade ist unsere aktuelle Ausgabe des „mmb Learning Delphi“ erschienen, an dem sich 72 Expertinnen und Experten aus der Bildungsbranche beteiligt haben.

Im Moment bewegen natürlich alle Entwicklungen rund um generative KI-Innovationen („GenAI“) die Branche. Deshalb rechnen auch sehr viele Befragte damit, dass für Bildungsproduzenten und Lehrende der Einsatz von LLMs (Large Language Models) wie ChatGPT bald selbstverständlich sein wird.

Den Mehrwert dieser Anwendungen sehen sie vor allem bei der Vergabe von Metadaten zur Beschreibung von Lerninhalten und bei der Formulierung von Lerninhalten durch Lehrende. KI sollte also mehr den Lehrenden und den Inhalte-Anbietern nützen. Bei den Lerntechnologien, die in Zukunft eine zentrale Rolle spielen werden, haben die „Chatbots“ einen großen Sprung nach vorne gemacht. 79% der Befragten sehen künftig eine hohe Relevanz für diese Lernanwendung. Gleichzeitig bestätigen die Befragten auch die Rolle von Lehrenden als Ansprechpartner:in für Lerninhalte und Motivation (82%). Der bereits schon diskutierte Trend vom Lehrenden als „Coach“ hält also an.

 

HRP: Welche Entwicklung überrascht Sie persönlich am meisten?

Dr. Goertz: Wir haben eine Frage zu verschiedenen Maßnahmen gestellt, die die Medienkompetenz an Schulen fördern. Alle diese Maßnahmen werden sehr positiv bewertet – mit „Schulnoten“ zwischen 1,8 und 2,4. Ganz vorne liegen (Fort-)Bildungsangebote für Lehrende (1,8) und spezielle Unterrichtsmaterialien für den Einsatz im Unterricht (1,9). Aber auch eine Fortführung des DigitalPakt Schule wird gewünscht (2,2). Etwas schlechter fällt die Bewertung für die Idee eines Schulfachs „Medienkunde“ aus (2,4).

 

HRP: Welche Rolle spielt KI beim Thema Weiterbildung heute und in Zukunft?

Dr. Goertz: Es zeigt sich ja schon bei den oben genannten Trends, dass KI-Anwendungen zur Zeit das dominierende Thema im Bildungssektor sind. Im mmb Learning Delphi haben wir den Expertinnen und Experten eine Skala von -5 bis +5 vorgelegt, auf der sie das Statement „Was schätzen Sie, welchen Stellenwert wird das Thema ´Large Language Models in der Bildung´ in den kommenden drei Jahren in der Fachöffentlichkeit des Bildungssektors haben?“ bewerten konnten. Die Zustimmung ist enorm hoch – der Durchschnittswert liegt bei +3,3. Schon jetzt werden viele Anwendungen für ganz unterschiedliche Phasen im Lernprozess entwickelt, z.B. Empfehlungssysteme für Lerninhalte, die sich am Vorwissen und den Bedarfen individueller Lernender orientieren, aber auch Tools, die Prüfende bei digitalen Prüfungen unterstützen können.

Zur Zeit ist diese Landschaft der KI-Tools noch ein großes Expertimentierfeld. Erst in den nächsten Jahren wird sich zeigen, welche Angebote hier eine Zukunftschance haben und weiterentwickelt werden. Das wird sich auch durch Angebot und Nachfrage regeln.

 

HRP: Wie viel ist heute noch in der Lernkultur zu finden, das pandemiebedingt Einzug gehalten hat?

Dr. Goertz: Grundsätzlich haben die Erfahrungen während der Corona-Pandemie dem Lernen mit digitalen Medien viel Auftrieb gegeben. Auf der anderen Seite freut man sich jetzt, auch wieder mehr Präsenzformate einsetzen zu können. Die Folge ist eine (wieder) starke Präferenz für „Blended Learning“ – 89 % der Befragten sehen dies als zukunftsträchtige Lernform an. Man weiß zu schätzen, wenn man zwischen Online-Betrieb und Präsenz wählen kann. Schon deswegen werden viele Kurse und Vorträge inzwischen „hybrid“ angeboten. Allerdings ist die Hoffnung der Branche eher getrübt, dass nun auch Verwaltung, Hochschulen, Schulen und individuelle Lernerinnen und Lerner eine Erfolg versprechende Zielgruppe sind. Hier sind die „Schulnoten“, mit der die Befragten die Zielgruppen bewerten, seit der Corona-Phase zurückgegangen .

HRP: Vielen Dank für das interessante Interview.

Zum mmb Learning Delphi

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