Startseite » News » So groß ist der Mehraufwand durch die Arbeitszeiterfassung

So groß ist der Mehraufwand durch die Arbeitszeiterfassung

"Der Gesetzgeber sollte diesem Anachronismus ein Ende bereiten und die gesetzlichen Voraussetzungen dafür schaffen, dass auch künftig Vertrauensarbeitszeit möglich ist. Niemand sollte gezwungen werden, seine Arbeitszeit zu erfassen, wenn zwischen Arbeitgeber und Beschäftigten Einvernehmen herrscht, dass dies nicht nötig ist."

2 Min. Lesezeit
Zeiterfassung
Foto: ©AdobeStock/Quality Stock Arts

Die Erfassungspflicht sehen viele Unternehmen kritisch und fordern gesetzliche Verbesserungen. Für eine wöchentliche statt eine tägliche Höchstarbeitszeit plädieren drei Viertel der Unternehmen. Mangelnde Flexibilität, hoher Aufwand, schwierige Umsetzung: Ein Großteil der deutschen Unternehmen sieht die Pflicht zur Arbeitszeiterfassung kritisch und fordert vom Gesetzgeber umfassende Verbesserungen.

So sagen zwei Drittel der Unternehmen (66 Prozent), dass die Einführung beziehungsweise Anpassung der Arbeitszeiterfassungssysteme erheblichen finanziellen und administrativen Mehraufwand verursacht. Gleichzeitig wollen mehr als drei Viertel (78 Prozent), dass die gesetzliche Neuregelung des Arbeitszeitrechts die tägliche durch eine wöchentliche Höchstarbeitszeit ersetzt. Das sind Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage unter 603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten in Deutschland im Auftrag des Digitalverbands Bitkom. Demnach finden 60 Prozent, dass die Einführung beziehungsweise Anpassung der Arbeitszeiterfassung durch das bisherige Fehlen einer gesetzlichen Neuregelung erschwert wird. Ohnehin halten 59 Prozent der Unternehmen eine genaue Arbeitszeiterfassung in der Praxis für nur schwer umsetzbar.

„Das Bundesarbeitsgericht hat mit seinem Beschluss vom September 2022 mehr als 34 Millionen Menschen zur minutiösen Erfassung ihrer Arbeitszeit verpflichtet. Der Gesetzgeber sollte diesem Anachronismus ein Ende bereiten und die gesetzlichen Voraussetzungen dafür schaffen, dass auch künftig Vertrauensarbeitszeit möglich ist. Niemand sollte gezwungen werden, seine Arbeitszeit zu erfassen, wenn zwischen Arbeitgeber und Beschäftigten Einvernehmen herrscht, dass dies nicht nötig ist. Der aktuelle Referentenentwurf zur Änderung des Arbeitszeitgesetzes geht komplett an der Realität der heutigen Arbeitswelt vorbei, in der Homeoffice und Vertrauensarbeitszeit für viele zum Standard gehören“, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg.

„Nicht nur die geplante tagesaktuelle Erfassungspflicht, auch das Beharren auf einer täglichen Höchstarbeitszeit sind absolut kontraproduktiv. Bitkom fordert schon lange eine wöchentliche Höchstarbeitszeit, die den Beschäftigten bei der Einteilung ihrer Arbeitszeit mehr Flexibilität und Selbstbestimmtheit gewähren würde. Auch die vorgeschriebene Ruhepause von elf Stunden passt nicht zu „New Work“, wie viele Beschäftigte es sich wünschen. Hierunter leidet besonders die Digitalbranche, die angesichts des massiven IT-Fachkräftemangels attraktiv bleiben muss.“ Am heutigen Freitag diskutiert der Bundestag einen Antrag der Unionsfraktion zur bürokratiearmen Arbeitszeiterfassung. Er geht aus Bitkom-Sicht in die richtige Richtung, da er die Möglichkeit freiwilliger Vertrauensarbeitszeitmodelle sowie eine Abkehr von der tagesaktuellen Erfassungspflicht und der täglichen Höchstarbeitszeit fordert.

Furcht vor Kontrolle

Sechs von zehn Unternehmen (59 Prozent) sind überzeugt, dass durch die Erfassungspflicht die Flexibilität von Vertrauensarbeit verloren geht. Rund die Hälfte (48 Prozent) befürchtet, dass sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch die Aufzeichnungspflicht kontrolliert fühlen. Gleichzeitig sagen 44 Prozent, dass die Arbeitszeiterfassungspflicht die Beschäftigten vor Stress und Überlastung schützen kann. Berg: „Wo früher auf Vertrauensbasis gearbeitet wurde, zwingt die Pflicht zur Arbeitszeiterfassung zu Kontrolle und sorgt für vollkommen unnötige Bürokratie. Die Ampel-Regierung hat im Koalitionsvertrag angekündigt, dass bei einer Anpassung des Arbeitszeitrechts Vertrauensarbeit weiterhin möglich sein soll. Daran muss sie sich jetzt messen lassen.“

Hinweis zur Methodik: Grundlage der Angaben ist eine Umfrage, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverband Bitkom durchgeführt hat. Dabei wurden 603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten in Deutschland telefonisch befragt. Die Umfrage ist repräsentativ. Die Fragestellungen lautete: „Inwieweit stimmen Sie den folgenden Aussagen zur Arbeitszeiterfassung zu bzw. nicht zu?

Quelle: bitkom

Andere interessante News

Fußball-EM während der Arbeitszeit

Fußball-EM und die Arbeitszeit

Immerhin fast jeder fünfte männliche Arbeitnehmer (19%) plant, an Spieltagen der deutschen Nationalmannschaft oder für den Tag nach den DFB-Spielen Urlaub zu nehmen, um sich voll der Europameisterschaft im eigenen Land widmen zu können. Bei Frauen fällt diese Art der fußballerischen Hingabe etwas defensiver aus.

4-Tage-Woche

Wundermittel 4-Tage-Woche?

Wir haben mit dem Arbeitszeitexperten Guido Zander über den Hype um die 4-Tage-Woche gesprochen, die vielfach (zu Unrecht) als Wundermittel angesehen wird, über alternative Arbeitszeitmodelle und warum eine Erhöhung der Arbeitszeit auf Basis einer 40-Stunden-Woche eher kontraproduktiv ist.

Mann macht Überstunden

„Länger bleiben“ als Normalfall

Insgesamt arbeiten die Deutschen im Schnitt 36,7 Stunden pro Woche. Fast ein Drittel (32 %) gibt allerdings an, eine 40-Stunden-Woche zu haben. Ihre aktuelle Arbeitszeit ist aus Sicht von 70 % von ihnen auch angemessen. 28 % halten diese Dauer allerdings für zu lang.